Farmbesetzungen in Zimbabwe - wem nützt was?

Seit dem 18.4.1980 heißt Zimbabwe nicht mehr Rhodesien. Mit dem Vorgängerstaat wurde auch die politische Weiß-Schwarz-Apatheid intern formal verworfen, die Ungleichverteilung an Boden jedoch blieb bestehen. Heute besitzen 4.500 weiße Farmer ebenso viel Land - nur fruchtbareres - wie 8 Mio. schwarze Bauern und Landarbeiter, nämlich je 16 Mio. Hektar. Am 20. Jahrestag der Unabhängigkeit nun wurde der zweite weiße Farmer von schwarzen Landbesetzern erschossen, einige andere bislang in Prügeleien übel zugerichtet.

Allen linken Romantikern sei jedoch versichert, daß die Sache einmal mehr nicht ganz so einfach ist, wie sie sich zunächst darstellt. Robert Mugabe, einst studierter Widerstandskämpfer, ist heute ein machtgeiler alter Dickschädel, der nach einer verlorengegangenen Volksabstimmung nach spektakulären Methoden sucht, um seine hochherrschaftliche Position wenigstens durch die Landbevölkerung zu halten. Schon lange vor den Besetzungen haben Angehörige der Mugabe-Nomenklatura sich ganz konkret nach freiwerdenden Grundstücken erkundigt, es läßt sich annehmen, daß bereits ein interner Vergabeplan existiert. Die Veteranen und Landlosen, die sich derzeit mit bei Weißen angestellten Landarbeitern prügeln, werden jedenfalls nicht die Gewinner dieser scheinbaren Revolution sein. Hier wird lediglich ein später, doch typischer Schritt des Neokolonialismus vollzogen: eine schwarze Oligarchie verdrängt intern eine weiße, womit der Schein der Dekolonisation ebenso gewahrt wird wie das Herrschafts- und Besitzverhältnis, dem die Besitzlosen unterliegen.

Selbstverständlich sollte aber auch die mitfühlende Berichterstattung westlicher Medien nicht einfach reflexionslos geschluckt werden. Das Argument, die weißen Farmer hätten die Farmen rechtmäßig erworben, läßt angesichts dessen zu wünschen übrig, daß zum einen schwarze Farmer zu einem solchen Schritt finanziell gar nicht in der Lage waren und daß zum andern die weißen Großgrundbesitze Rhodesiens gestohlenes Land sind, mit ihrem Kauf wurden lediglich die kolonialen Diebe entschädigt, nicht die Bestohlenen. Der Zorn der Landlosen ist also durchaus verständlich, doch verhindern die hier geschürten Emotionen vermutlich nicht ganz absichtslos, daß die besitzlosen Massen sich wieder einmal zum Affen machen lassen - mit etwas internationaler Öffentlichkeit mag vielleicht etwas Vorzeigeland für sie abfallen... Auf den Vorwurf eines schwarzen Rassismus', wie er hier explizit oder implizit auftaucht, sei entgegnet, daß 'weiß' und 'schwarz' erst dann ähnlichen Bedingungen unterliegen, wenn Weiße keine Privilegien aus der Kolonialzeit mehr für sich in Anspruch nehmen können, dann allerdings würde ich auch dafür eintreten, daß weiße zimbawische Staatsangehörige vor Diskriminierungen aufgrund ihrer Hautfarbe beschützt werden sollten. Daß 'weiß' den Verdacht eines nicht weiter legitimierbaren Reichtums heute rechtfertigt, darf aber eben nicht davon abhalten, die schwarzen Eliten einer ähnlichen - klassenorientierten - Kritik zu unterziehen. (mt)


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 14. Mai 2000.