Nachtag zu Situation de Künstler in der ehemaligen Funkkaserne

Am Mittwoch, den 27.04.00, drang ein Mitarbeiter der Firma "Michelbauer Baugeräteverleih" mit einem Gabelstapler in das Gelände des AKKU e.V. ein. Auf die Frage, wer er sei und was er denn mit dem Baugerät vorhätte, antwortete er, er sei vom Bundesvermögensamt beauftragt, die Kunstwerke auf dem Gelände, gewaltsam - ohne Rücksichtnahme auf das Eigentum der Künstler, geschweige denn auf deren leibliche Unversehrtheit, wie sich noch herausstellen sollte - zu entfernen. Trotz der erstaunten Bitte um genauere Erläuterung, und trotz eindringlicher Aufforderungen, solange mit dem Ausführen der vermeintlichen Anweisung zu warten, bis der Sachverhalt eindeutig geklärt sei, begann der Fahrer des Gabelstaplers unverzüglich mit seinem Zerstörungswerk. Als Erstes fiel seinem Treiben eine organische Installation zum Opfer. Er schob das empfindliche Biotop mit dem Gabelstapler über den Betonboden und begann dann, die Reste des völlig zerstörten Kunstwerks auf einen Haufen zu schaufeln. Einer der Mieter des AKKU e.V. hatte währenddessen eine Videokamera aus seinem Atelier geholt, um den ungeheuerlichen Vorgang zu dokumentieren. Als der Vorgesetzte des Gabelstaplerfahrers dies bemerkte, forderte er, offenbar darauf bedacht eine Dokumentation der Aktion zu verhindern, seinen Untergebenen auf, den Mieter mit der Schaufel anzugreifen. Dieser antwortete, daß er die Schaufel dazu gar nicht brauche, und machte sich über den Künstler her. Nur durch das beherzte Eingreifen der Zeugen des Vorfalls, konnte schlimmer körperlicher Schaden von dem Mieter des AKKU e.V. abgewendet werden; die Videokamera wurde zerstört, das Filmmaterial ist jedoch größtenteils erhalten.

Bereits einen Tag zuvor, versuchten ebenfalls Mitarbeiter der Firma Michelbauer, ein anderes Kunstwerk auf dem Gelände des AKKU e.V. zu zerstören. Die näheren Umstände dieses Versuchs geben Grund zu der Annahme, daß ein Menschenleben für diese Leute nicht viel zählt. Während einer der an dem Gemeinschaftswerk arbeitenden Künstler, sich oben auf dem Objekt, einer ca. 4 Meter hohen Eiseninstallation, befand, bemühten sich die Mitarbeiter der Firma Michelbauer, das Kunstwerk mit ihrem Gabelstapler zum Einsturz zu bringen. Auch diesmal war es nur das energische Eingreifen der Zeugen, welches die Täter am Fortsetzen ihres, man könnte meinen Mordversuchs, hinderte.

Sollte die Firma Michelbauer tatsächlich, wie sie behauptet, vom Bundesvermögensamt beauftragt worden sein, auf dem Gelände des AKKU e.V. irgendetwas zu entfernen, dann wurde der Verein davon nicht unterrichtet. Abgesehen davon, daß eine solche Vorgehensweise den Gepflogenheiten bei der seriösen Abwicklung derartiger Vorhaben wiederspräche, gibt es auch gar keinen Grund für das Vermögensamt, dem Kunstverein irgendwelche Änderungen bei der Gestaltung seines Hofes vorzuschreiben, da weder ein Vergehen gegen feuerpolizeiliche Vorschriften, noch gegen Bestimmungen des Umweltamtes, geschweige denn eine Satzungsfremde Nutzung durch den Verein vorliegt. Die betroffenen Kunstwerke befinden sich durchaus nicht auf dem vorschriftsmäßig 4 Meter breiten Feuerwehrzufahrtsweg im Hof des AKKU e.V. Naheliegender ist daher, daß die Firma Michelbauer diese Feuerwehrzufahrt als Ladebereich für ihre LKWs nutzen will, und deshalb eigenmächtig versucht, die Kunstwerke und Arbeitsmaterialien der Mieter des AKKU e.V. von dem Bereich zwischen dem Firmengelände und der Feuerwehrzufahrt zu entfernen. Ein solches Vorhaben ist erstens bedenklich, weil die Firma Michelbauer ohne ausdrückliche Genehmigung durch den Kunstverein (was übrigens in der Tat auch eine Satzungsfremde Nutzung durch den AKKU e.V. wäre), nichts auf dessen Gelände verloren hat, und zweitens, die Nutzung einer Feuerwehrzufahrt als Ladebereich aus guten Gründen verboten ist.

Das Bundesvermögensamt sollte sich überlegen ob es nicht sinnvoll wäre, zwielichtige Geschäftemacher vom Schlage Michelbauer in Zukunft etwas deutlicher in ihre Schranken zu weisen. Allen schon vom Standpunkt der geltenden Gesetze wäre das geboten, aber auch in Anbetracht der Tatsache, daß die Kunstvereine auf dem Gelände alleine jeden Monat etwa eine Viertelmillion DM an Miete überweisen, schneidet sich das Vermögensamt durch Ignoranz in solchen Fällen letzten Endes ins eigene Fleisch.

Die Kunstvereine müssen dazu allerdings auch auf ihren Rechten bestehen. Wobei es nicht unerheblich ist, daß das Bundesvermögensamt eben das Vermögen eines demokratischen Staates verwaltet, und daher bei seinen Entscheidungen nicht nur an wirtschaftliche Kalkulationen gebunden ist, sondern auch an die Interessen der Bürger, sowie die verfassten Staatsziele, wozu auch der Schutz der Freiheit der Kunst gehört.

Michael Bauer


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 14. Mai 2000.