Besetzte Uni von Mexiko-City geräumt

Nach über 9 Monaten im Streik wurde heute, am Sonntag den 6.Februar 2000, um sechs Uhr morgens die UNAM (Universidad Nacional Autonoma de Mexico), die größte Universität Lateinamerikas, von mehreren tausend Polizisten geraeumt.

Alle auf dem Unigelände befindlichen StudentInnen wurden festgenommen. Die Medien wurden nicht zugelassen, im Moment ist unbekannt, ob und wie viel Verletzte und Tote es gibt. Heute wurden mindestens 632 Menschen festgenommen, dazu kommen die 324 Gefangenen vom 1.Februar. An diesem Tag war es in der Preparatoria 3 (eines der Gymnasien im Streik) zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, als bezahlte Schlägertruppen und Personal des Auxilio UNAM (ein den Uniautoritäten unterstellter privater Wachschutz) versuchten, mit Steinwürfen und Molotowcocktails in die Schule einzudringen, wo sich gerade Streikende mit StreikgegnerInnen friedlich versammelt hatten. Zwei Tage zuvor hatten die Studierenden eine gemeinsame Organisation von Streikenden und StreikgegnerInnen gegründet und sie kamen zum Ergebnis, dass der Dialog der einzige Weg zur Lösung des Konfliktes sei.

Da sich die Streikenden gegen die bereits erwähnten Angriffe verteidigten, griff nun die PFP (»Policia Federal Preventiva« ; dt. präventive Bundespolizei) ein, mit dem Vorwand die Gewalt zu stoppen. Alle in der Schule befindlichen Personen wurden festgenommen, insgesamt 324 Personen und es gab etwa 20 Verletzte, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Vorher hatte der Rektor de la Fuente versucht, die Studierenden gegeneinander aufzuhetzen. Die Uniautoritaeten hatten am 20. Januar ein Plebiszit durchgeführt. Dort wurde den Universitätsangestell-ten, Studierenden und Lehrkräften ein Lösungsvor-schlag zur Abstimmung vorgelegt, der nicht mit dem CGH (»Consejo General de Huelga«; dt. allgemeiner Streikrat) ausgehandelt war, obwohl die Verhandlungs-kommission des Rektors den CGH als einzige legitime Vertretung der Studierenden anerkannt hatte, mit der über die Lösung des Konflikts verhandelt werden sollte Dieser Lösungsvorschlag nahm die Forderungen der Streikenden zwar auf, aber verdrehte sie total. Als einzige Neuerung wurde ein von den Streikenden geforderter Unikongress akzeptiert. Aber zugleich wurde sichergestellt, dass die Autoritäten die Mehrheit in diesem Kongress haben würden und dass die Ergebnisse nicht bindend sein würden.

Es gab den Vorwurf von Wahlfälschungen, und es wurde bekannt, dass Universitätsangestellte und Lehrkräfte gezwungen worden waren abzustimmen. Zugleich haben aber sicher auch viele Studierende für diesen Lösungsvorschlag gestimmt. Dies lässt sich teilweise damit erklären, dass sie durch die Dauer des Streiks zermürbt und wegen der sehr einseitigen Medienberichte verunsichert worden waren Die Streikenden äußerten die Befürchtung, dass das Plebiszit als "demokratische" Legitimation für staatliche Repression benutzt werden würde.

Nachdem dies von den Autoritäten zuerst öffentlich dementiert worden war, wurde am 1. Februar durch die gewaltsame Räumung der Preparatoria 3 und heute des gesamten Unigeländes offensichtlich, dass die Ergebnisse des Plebiszits tatsächlich als Blankoscheck für das gewaltsame Eingreifen der Polizeikräfte benutzt wurde. Monika


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 11. Maerz 2000.