Kapital I - Die Ware

Kapital I — Übersicht

Wert

Grundkategorie des Kapitals ist die Ware. Die hat Gebrauchswert und Wert. Substanz des Werts ist die abstrakte Arbeit, seine Größe die Arbeitszeit. Der Wert tritt in Form des Tauschwerts auf: der Wert der einen Ware wird im Gebrauchswert der anderen ausgedrückt. Der Doppelcharakter der Ware spiegelt sich im Doppelcharakter der sie erzeugenden Arbeit: abstrakte und konkrete Arbeit.

Austauschprozess

Der Gegensatz von Gebrauchswert und Wert wird im Austausch äußerlich dargestellt. »Waren sind Nicht-Gebrauchswerte für ihre Besitzer, Gebrauchswerte für ihre Nicht-Besitzer« (23/100). Dieser Widerspruch der Ware löst sich im Geld.

Geld

Das Geld dient als allgemeinen Äquivalent. Jede Ware drückt seinen Wert in ihm aus. Das Geld vermittelt den Austausch. Geld ist Maß der Werte und Maßstab der Preise. Die Zirkulation (W — G — W) l löst den Widerspruch von Gebrauchswert und Wert, indem sie die Schranken des unmittelbaren Produktentauschs überwindet und in den Gegensatz von Kauf und Verkauf spaltet. Kauf und Verkauf gehören aber innerlich zusammen; ihre Trennung schafft die Möglichkeit der Krisen.

Kapital

Geld ist die erste Erscheinungsform des Kapitals. Kapital ist der sich selbst verwertende Wert, ein Produktionsverhältnis, dass sich an Produktionsmitteln und Lebensmitteln darstellt. Als Kapital zirkuliert das Geld G — W — G, wobei das Kapital verwertet und dadurch vermehrt wird. Die Wertvereränderung ist möglich durch die Ware Arbeitskraft, die mehr Wert schafft, als sie selbst besitzt: Der Wert der Arbeit (und damit der Lohn) ergibt sich aus dem Wert der zu seiner Reproduktion nötigen Waren. Ein Arbeiter kann aber an einem Arbeitstag mehr Waren herstellen, als zu seiner Reproduktion nötig sind: dieser Mehrwert dient der Vermehrung des Kapitals.

Mehrwert

Arbeitskraft wird gekauft um das Kapital zu verwerten. »Produktion von Mehrwert ... ist das absolute Gesetz dieser Produktionsweise« (23/647) Absoluter Mehrwert entspringt der Verlängerung des Arbeitstages, relativer Mehrwert der Erhöhung der Arbeitsproduktivität.

Akkumulation

»Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital heißt Akkumulation des Kapitals« (23/605). Die Steigerung des Kapitals durch die Mehrwertproduktion ist ein Gesetz der kapitalistischen Produktionsweise und wird durchgesetzt in der Konkurrenz. Mit der Akkumulation nimmt die organische Zusammensetzung des Kapitals zu und die Nachfrage nach Arbeit nimmt relativ ab (Verelendung).

In der ursprünglichen Akkumulation wurden die Produzenten von ihren Produktionsmitteln gewaltsam getrennt.

Die Ware

Im Kapitalismus erscheint der gesellschaftliche Reichtum als Ansammlung von Waren. Waren haben einen Gebrauchswert: sie befriedigen menschliche Bedürfnisse. Waren haben aber auch einen Tauschwert: sie tauschen sich in bestimmten Proportionen. Der Tauschwert ist die Form, in der sich der Wert — die in der Ware vergegensttändlichte Arbeit — ausdrrückt. Die Größe des Werts ist die Arbeitszeit. Insofern Waren Gebrauchsgegenstände sind, war zu ihrer Herstellung konkrete, nützliche Arbeit erforderlich; für den Wert, der sich allein durch die Arbeitszeit misst, kommt es aber nicht darauf an, welche Arbeit geleistet wurde, sondern nur, dass Arbeit geleistet wurde: abstrakt menschliche Arbeit.

Gegenstand

Gegenstand der Marxschen Analyse ist eine ganz bestimmte Gesellschaft: die kapitalistische.

»Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung’, die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.« (23/49)

Deswegen sind dem Folgenden allgemeine Aussagen über »Gesellschaft« nur insofern zu entnehmen, als sie bei der Analyse der kapitalistischen Gesellschaft auftreten. Der einfache Warentausch ist daher auch keine irgendwann historisch anzutreffende Vorform des Kapitalismus, sondern eine Abstraktion.

Im Kapital stellt Marx den Produktionsprozess des Kapitals rein dar, das heißt unabhängig von eventuellen Modifikationen und vor allem unabhängig von den Formen, die Gesetze der kapitalistischen Produktion durch Konkurrenz, Staat, Weltmarkt erhalten. Dies hatte sich Marx für weitere Bände vorbehalten:

»Die ganze Scheiße soll zerfallen in 6 Bücher: 1. Vom Kapital. 2.Grundeigentum. 3.Lohnarbeit. 4.Staat. 5.Internationaler Handel. 6.Weltmarkt.« (MEW 29/312)

Die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise sind zu unterscheiden von den Formen, in denen sich die Gesetze zeigen und den Mechanismen, durch die sie sich durchsetzen (Konkurrenz).

Gebrauchswert

Die Faktoren der Waren sind Gebrauchswert und Wert: Wertsubstanz (vergegenständlichte Arbeit), Wertgröße (Arbeitszeit) und Wertform (Tauschwert)

Waren haben Eigenschaften, die menschliche Bedürfnisse befriedigen. Wozu welche Eigenschaften nützlich sind, muss erst entdeckt werden. Diese Nützlichkeit macht Waren zu Gebrauchswerten. Welche Bedürfnisse befriedigt werden und wie das geschieht ist ganz unerheblich.

Gebrauchswerte sind in jeder Gesellschaftsform der »stoffliche Inhalt des Reichtums« (23/50), der stets eine bestimmte gesellschaftliche Form annimmt, im Kapitalismus die Form der Ware. Der Gebrauchswert, also ob und in welchem Masse eine Ware nützlich ist, ist unabhängig davon, wie viel Arbeit zur Herstellung nötig war. Im Kapitalismus sind die Gebrauchswerte sind Träger des Tauschwerts.

Im Einzelnen: Waren haben nützliche Eigenschaften, sie sind Gebrauchswerte:

»Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert. Aber diese Nützlichkeit schwebt nicht in der Luft. Durch die Eigenschaften des Warenkörpers bedingt, existiert sie nicht ohne denselben.« (23/50)

»Die Summe seiner möglichen Nutzanwendungen jedoch ist zusammengefasst in seinem Dasein als Ding mit bestimmten Eigenschaften.« (13/15)

Die Waren sind also natürliche Gegenstände, die in bestimmter Beziehung auf die menschlichen Bedürfnisse stehen.

Untersuchungen über die Nützlichkeit der Waren fallen außerhalb der Ökonomie:

»Die Gebrauchswerte der Waren liefern das Material einer eignen Disziplin, der Warenkunde.« (23/50)

Gebrauchswerte sind nichts für den Kapitalismus typisches, sondern in jeder Gesellschaftsform anzutreffen:

»Welches immer die gesellschaftliche Form des Reichtums sei, Gebrauchswerte bilden stets seinen gegen diese Form zunächst gleichgültigen Inhalt. <16> Man schmeckt dem Weizen nicht an, wer ihn gebaut hat, russischer Leibeigner, französischer Parzellenbauer oder englischer Kapitalist. Obgleich Gegenstand gesellschaftlicher Bedürfnisse, und daher in gesellschaftlichem Zusammenhang, drückt der Gebrauchswert jedoch kein gesellschaftliches Produktionsverhältnis aus. Diese Ware als Gebrauchswert ist z.B. ein Diamant. Am Diamant ist nicht wahrzunehmen, dass er Ware ist. Wo er als Gebrauchswert dient, ästhetisch oder mechanisch, am Busen der Lorette oder in der Hand des Glasschleifers, ist er Diamant und nicht Ware. Gebrauchswert zu sein scheint notwendige Voraussetzung für die Ware, aber Ware zu sein gleichgültige Bestimmung für den Gebrauchswert.« (13/15f)

Alle Gebrauchsgüter, die nicht von Natur aus vorhanden sind, müssen durch Arbeit — nnützliche Tätigkeit, vermittelt werden. Nützliche Arbeit ist daher in allen Gesellschaftsformen »Existenzbedingung des Menschen« (23/57). Die Arbeit ist aber nicht die einzige Quelle des stofflichen Reichtums: Sie kann nur die Form des Naturstoffs ändern und so Gebrauchswerte herstellen, die nicht von Natur aus vorhanden sind.

»Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln.« (23/57)

»Der Rock ist ein Gebrauchswert, der ein besonderes Bedürfnis befriedigt. Um ihn hervorzubringen, bedarf es einer bestimmten Art produktiver Tätigkeit. Sie ist bestimmt durch ihren Zweck, Operationsweise, Gegenstand, Mittel und Resultat. [...] Wie Rock und Leinwand qualitativ verschiedne Gebrauchswerte, so sind die ihr Dasein vermittelnden Arbeiten qualitativ verschieden - Schneiderei und Weberei.« (23/56)

Eine Ware ist ein Gebrauchswert. Der Gebrauchswert erfüllt ein bestimmtes Bedürfnis und wird durch eine bestimmte produktive Tätigkeit hervorgebracht, durch »nützliche Arbeit«. Verschiedenen Gebrauchswerten entsprechen verschiedene nützliche Arbeiten. Der Vielfalt der Gebrauchswerte entspricht eine vielfältige gesellschaftliche Teilung der Arbeit.

»In der Gesamtheit der verschiedenartigen Gebrauchswerte oder Warenkörper erscheint eine Gesamtheit ebenso mannigfaltiger, nach Gattung, Art, Familie, Unterart, Varietät verschiedner nützlicher Arbeiten - eine gesellschaftliche Teilung der Arbeit.« (23/56)

Wert

Waren haben als nützliche Gegenstände Gebrauchswert. Sie lassen sich aber gegeneinander tauschen: eine Ware, mit einer bestimmten Menge irgendeiner anderen. Diese Quantitäten anderer Waren müssen also irgendetwas gemeinsames haben. Dieses Gemeinsame ist im Wert gefunden.

Was ist der Wert? Die bei der Herstellung in einem Guts vergegenständlichte, abstrakt-menschliche Arbeit. Wie groß ist dieser Wert? Er entspricht der zur Herstellung nötigen Arbeitszeit. Der Tauschwert ist die Form, in der sich der Wert einer Ware zeigt. Die Konkurrenz zwingt die Produzenten, ihre Waren grundsätzlich zum Wert zu verkaufen.

Waren können nur Wert haben, wenn sie Gebrauchswert haben. Der Wert selbst bestimmt aber der Gebrauchswert ebenso wenig wie den Tauschwert. Abweichungen vom Wert — bestimmt durch die Menge der verausgabten Arbeit — lassen sich gegen die Konkurrenz nicht aufrechterhalten.

Form

Der Tauschwert scheint zunächst etwas den Waren äußerliches zu sein, ein bloßes Verhältnis:

»Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt.« (23/50)

Der Schein trügt aber, weil der Tauschwert — der tatssächlich nur im Verhältnis von Waren zueinander erscheint — Ausdruck einer bestimmten Eigenschaft der Ware ist: ihres Werts.

Waren tauschen sich bestimmten Proportionen. Welcher Gebrauchswert getauscht wird ist egal, solange er in der richtigen Menge auftritt. Zu einer Menge jedes Gebrauchswerts kann eine bestimmte Menge eines andren Gebrauchswerts angegeben werden, zu der sie äquivalent ist.

»Ein Produkt, als Tauschwert gesetzt, ist wesentlich nicht mehr als einfaches bestimmt; es ist in einer von seiner natürlichen Qualität verschiedenen gesetzt; es ist als Verhältnis gesetzt, und zwar dies Verhältnis allgemein, nicht zu einer Ware, sondern zu jeder Ware, zu jedem möglichen Produkt.« (42/134f)

Eine Ware hat viele Tauschwerte: alle diese Tauschwerte drücken etwas gleiches aus, den Wert. Zwei Waren sind als Tauschwerte (z.B. »1t Eisen = 5qm Weizen«) auf den Wert reduzierbar.

Der Wert kann keine natürliche Eigenschaft der Waren sein: die körperlichen Eigenschaften bestimmen den Gebrauchswert, im Austausch aber »gilt ein Gebrauchswert gerade so viel wie jeder andere, wenn er nur in gehöriger Proportion vorhanden ist« (23/52). Das Austauschverhältnis, in dem der Wert erscheint zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass von den spezifischen Eigenschaften der Waren abgesehen wird.

»Die gültigen Tauschwerte derselben Ware drücken ein Gleiches aus. Zweitens aber: Der Tauschwert kann überhaupt nur die Ausdrucksweise, die »Erscheinungsform” eines von ihm unterscheidbaren Gehalts sein. [...] Beide sind also gleich einem Dritten, das an und für sich weder das eine noch das andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwert, muss also auf dies Dritte reduzierbar sein. [...] Dies Gemeinsame kann nicht eine geometrische, physikalische, chemische oder sonstige natürliche Eigenschaft der Waren sein. Ihre körperlichen Eigenschaften kommen überhaupt nur in Betracht, soweit selbe sie nutzbar machen, also zu Gebrauchswerten. Andererseits aber ist es grade die Abstraktion von ihren Gebrauchswerten, was das Austauschverhältnis <52> der Waren augenscheinlich charakterisiert. Innerhalb desselben gilt ein Gebrauchswert grade so viel wie jeder andre, wenn er nur in gehöriger Proportion vorhanden ist.« (23/51f)

»Ganz gleichgültig also gegen ihre natürliche Existenzweise, und ohne Rücksicht auf die spezifische Natur des Bedürfnisses, wofür sie Gebrauchswerte, decken sich Waren in bestimmten Quantitäten, ersetzen einander im Austausch, gelten als Äquivalente, und stellen so trotz ihres buntscheckigen Scheins dieselbe Einheit dar.« (13/16)

Als Waren können sich nur verschiedene Gebrauchswerte gegenüberstehen, die »Produkte selbständiger und von einander unabhängiger Privatarbeiten« (23/57) sind. Der Vielfalt der Gebrauchswerte entspricht daher in einer Gesellschaft von Warenproduzenten eine vielfältige gesellschaftliche Teilung der Arbeit.

»Wären [Rock und Leinwand] nicht qualitativ verschiedne Gebrauchswerte und daher Produkte qualitativ verschiedner nützlicher Arbeiten, so könnten sie sich überhaupt nicht als Waren gegenübertreten. Rock tauscht sich nicht aus gegen Rock, derselbe Gebrauchswert nicht gegen denselben Gebrauchswert. [...] Nur Produkte selbständiger und voneinander unabhängiger Privatarbeiten treten einander als Waren gegenüber.« (23/56f)

»Wäre die Arbeit unmittelbar gesellschaftliche, d.h. gemeinsame Arbeit, so erhielten die Produkte den unmittelbar gesellschaftlichen Charakter eines Gemeinprodukts für ihre Producenten, aber nicht den Charakter von Waaren füreinander.« (Kapital, 1.Auflage, S.32)

»In der allseitigen Entäußerung der Waren als Gebrauchswerte werden sie daher aufeinander bezogen nach ihrer stofflichen Verschiedenheit als besondre Dinge, die durch ihre spezifischen Eigenschaften besondre Bedürfnisse befriedigen. Aber als solche bloße Gebrauchswerte sind sie gleichgültige Existenzen füreinander und vielmehr beziehungslos. Als Gebrauchswerte können sie nur ausgetauscht werden in Beziehung auf besondre Bedürfnisse. Austauschbar aber sind sie nur als Äquivalente, und Äquivalente sind sie nur als gleiche Quanta vergegenständlichter Arbeitszeit, so dass alle Rücksicht auf ihre natürlichen Eigenschaften als Gebrauchswerte und daher auf das Verhältnis der Waren zu besondern Bedürfnissen ausgelöscht ist.« (13/30)

Substanz

Wenn man vom Gebrauchswert abstrahiert haben die Waren nur noch die Eigenschaft Arbeitsprodukt zu sein. Ebenso wie es beim Produkt der Arbeit nicht mehr auf dessen körperlichen Bestandteile und spezifische Nützlichkeit ankommt, kommt es bei der Arbeit selbst nicht mehr darauf an, welche nützliche Arbeit zu seiner Herstellung nötig war, sondern nur, dass Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit, geleistet wurde. Werte sind also vergegenständlichte Arbeit »ohne Rücksicht auf die Form ihre Verausgabung« (23/52). Sie Substanz der Werts ist die in den Waren aufgehäufte menschliche Arbeit.

»Sieht man nun vom Gebrauchswert der Warenkörper ab, so bleibt ihnen nur noch eine Eigenschaft, die von Arbeitsprodukten. [...] Mit dem nützlichen Charakter der Arbeitsprodukte verschwindet der nützlicher Charakter der in ihnen dargestellten Arbeiten, es verschwinden also auch die verschiedenen konkreten Formen dieser Arbeiten, sie unterscheiden sich nicht länger, sondern sind allzusamt reduziert auf gleiche menschliche Arbeit, abstrakt menschliche Arbeit. [...] Es ist nichts von [den Arbeitsprodukten] übriggeblieben als dieselbe gespenstige Gegenständlichkeit, eine bloße Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit, d.h. der Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ohne Rücksicht auf die Form ihrer Verausgabung. Diese Dinge stellen nur noch dar, dass in ihrer Produktion menschliche Arbeitskraft verausgabt, menschliche Arbeit aufgehäuft ist. Als Kristalle dieser ihnen gemeinschaftlichen Substanz sind sie Werte — Warenwerte..« (23/52)

Als Wert drücken Waren gleichartige Arbeit aus. In einer Ware steckt nicht Wert, weil eine bestimmte nützliche, sondern weil überhaupt Arbeit in ihr steckt. In welcher Form menschliche Arbeitskraft verausgabt wird ist entscheidend für den Gebrauchswert, nicht aber für den Wert. Komplizierte Arbeit wird auf einfache Arbeit reduziert, für die jedes menschliche Individuum abgerichtet werden kann. Wie bei Werten vom Unterschied ihrer Gebrauchswerte abgesehen wird, wird bei der in ihnen enthaltenen Arbeit vom Unterschied der in ihnen enthaltenen nützlichen Arbeiten abgesehen.

»Als Werte sind Rock und Leinwand Dinge von gleicher Substanz, objektive Ausdrücke gleichartiger Arbeit.« (23/58)

»Sieht man ab von der Bestimmtheit der produktiven Tätigkeit und daher vom nützlichen Charakter der Arbeit, so bleibt das an ihr, dass sie eine Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ist. Schneiderei und Weberei, obgleich qualitativ verschiedne produktive Tätigkeiten, sind beide produktive Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw., und in diesem Sinn beide mensch- <59> liche Arbeit. Es sind nur zwei verschiedne Formen, menschliche Arbeitskraft zu verausgaben« (23/58f)

»Als gleichgültig gegen den besondern Stoff der Gebrauchswerte ist die Tauschwert setzende Arbeit daher gleichgültig gegen die besondere Form der Arbeit selbst. Die verschiedenen Gebrauchswerte sind ferner Produkte der Tätigkeit verschiedener Individuen, also Resultat individuell verschiedener Arbeiten. Als Tauschwerte stellen sie aber gleiche, unterschiedslose Arbeit dar, d.h. Arbeit, worin die Individualität der Arbeitenden ausgelöscht ist. Tauschwert setzende Arbeit ist daher abstrakt allgemeine Arbeit.« (13/17)

»Um die Tauschwerte der Waren an der in ihnen enthaltenen Arbeitszeit zu messen, müssen die verschiedenen Arbeiten selbst reduziert sein auf unterschiedslose, gleichförmige, einfache Arbeit, kurz auf Arbeit, die qualitativ dieselbe ist und sich daher nur quantitativ unterscheidet. Diese Reduktion erscheint als eine Abstraktion, aber es ist eine Abstraktion, die in dem gesellschaftlichen Produktionsprozess täglich vollzogen wird. Die Auflösung aller Waren in Arbeitszeit ist keine größere Abstraktion, aber zugleich keine minder reelle als die aller organischen Körper in Luft. Die Arbeit, die so gemessen ist durch die Zeit, erscheint in der Tat nicht als Arbeit verschiedener Subjekte, sondern die verschiedenen arbeitenden Individuen erscheinen vielmehr als bloße Organe der Arbeit. Oder die Arbeit, wie sie sich in Tauschwerten darstellt, könnte ausgedrückt werden als allgemein menschliche Arbeit. Diese Abstraktion der allgemein menschlichen Arbeit existiert in der Durchschnittsarbeit, die jedes Durchschnittsindividuum einer gegebenen Gesellschaft verrichten kann, eine bestimmte produktive Verausgabung von menschlichem Muskel, Nerv, Gehirn usw. Es ist einfache Arbeit, wozu jedes Durchschnittsindividuum abgerichtet werden kann und die es in der einen oder andern Form verrichten muss.« (13/18)

»Als Tauschwert aber wird die Ware immer nur unter dem Gesichtspunkt des Resultats betrachtet. Es handelt sich nicht um den Dienst, den sie leistet, sondern um den Dienst, der ihr selbst geleistet worden ist in ihrer Produktion.« (13/24)

Größe

Die Wertgröße bestimmt sich durch die Menge an wertbildender Substanz, also Arbeit, gemessen in Arbeitszeit. Arbeit gilt hier als gleiche menschliche Arbeitskraft, d.h. es gilt die Arbeitzeit, die zur Produktion einer Ware im Durchschnitt nötig ist.

An Arbeit zählt natürlich nur diejenige, die Gebrauchswert schafft. Arbeit, die aus übergroßer Sorgfalt, Ausbessern von Fehlern, etc in der Ware steckt schafft keinen Gebrauchswert.

Die nötige Arbeitszeit ändert sich mit der Produktivkraft der Arbeit. Wenn die Produktivität steigt, sinkt die zur Herstellung einer Ware nötige Arbeitszeit und der Wert der Ware sinkt.

»Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen ‚wertbildenden Substanz’, der Arbeit. [...] Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft. Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen.« (23/53)

Die Größe des Werts wird dadurch bestimmt, wie viel Arbeit in der Ware steckt. Die Wertgröße ist unabhängig von der Masse des stofflichen Reichtums. Wenn die Produktivkraft der Arbeit zunimmt, können zwar mehr nützliche Güter hergestellt werden. Der Wert dieser Güter ist aber nur von der Arbeitszeit abhängig und er nimmt ab, wenn die Summe der zur Herstellung notwendigen Zeit abnimmt.

»Der Wert der Ware aber stellt menschliche Arbeit schlechthin dar, Verausgabung menschlicher Arbeit überhaupt. Wie nun in der bürgerlichen Gesellschaft ein General oder Bankier eine große, der Mensch schlechthin dagegen eine sehr schäbige Rolle spielt, so steht es auch hier mit der menschlichen Arbeit. Sie ist Verausgabung einfacher Arbeitskraft, die im Durchschnitt jeder gewöhnliche Mensch, ohne besondere Entwicklung, in seinem leiblichen Organismus besitzt. [...] Die verschiednen Proportionen, worin verschiedne Arbeitsarten auf einfache Arbeit als ihre Maßeinheit reduziert sind, werden durch einen gesellschaftlichen Prozess hinter dem Rücken der Produzenten festgesetzt und scheinen ihnen daher durch das Herkommen gegeben.« (23/59)

»Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.« (23/61)

Wertform

Nachdem Substanz und Größe des Wertes untersucht wurden, geht es jetzt darum, in welcher Form dieser Wert auftritt. Marx hat diese Form schon als Tauschwert benannt, denn als solcher tritt der Wert in der Analyse des Doppelcharakters in Erscheinung. Sie bildete den Zugang zur weiteren Analyse. Aus dem Begriff der Ware konnte zunächst nur Substanz und Größe des Wertes gewonnen werden. Die Form des Wertes, der Tauschwert tritt erst im Wertverhältnis zu anderen Waren in Erscheinung.

»Im graden Gegenteil zur sinnlich groben Gegenständlichkeit der Warenkörper geht kein Atom Naturstoff in ihre Wertgegenständlichkeit ein. Man mag daher eine einzelne Ware drehen und wenden, wie man will, sie bleibt unfassbar als Wertding. Erinnern wir uns jedoch, dass die Waren nur Wertgegenständlichkeit besitzen, sofern sie Ausdrücke derselben gesellschaftlichen Einheit, menschlicher Arbeit, sind, dass ihre Wertgegenständlichkeit also rein gesellschaftlich ist, so versteht sich auch von selbst, dass sie nur im gesellschaftlichen Verhältnis von Ware zu Ware erscheinen kann. Wir gingen in der Tat vom Tauschwert oder Austauschverhältnis der Waren aus, um ihrem darin versteckten Wert auf die Spur zu kommen. Wir müssen jetzt zu dieser Erscheinungsform des Wertes zurückkehren.« (MEW 23/62)

Waren besitzen eine Doppelform: Sie haben Naturalform, die Form, die sie als gegenständliche Körper mit nützlichen Eigenschaften haben und Wertform, die sie als Träger von geronnener Arbeitszeit haben. Die Wertgegenständlichkeit einer Ware ist nicht in ihrer Naturalform enthalten. Der Wert ist keine natürliche Eigenschaft einer Ware; er ist einer einzelnen Ware nicht anzusehen.

Der Wert entspringt der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit. Er wird daher auch erst sichtbar in einem gesellschaftlichen Verhältnis zweier Waren zueinander. Die Wertgegenständlichkeit einer Ware ist gesellschaftlich. Es kommt nicht auf die individuelle, sondern auf die gesellschaftliche notwendige Arbeit an; deshalb kann sich der Wert auch nicht an einer individuellen Ware, sondern nur an in einem gesellschaftlichen Verhältnis, dem Tausch, als Tauschwert zeigen.

In der einfachen Wertform treten sich zwei Waren gegenüber: x Ware A = y Ware B. Ware A befindet sich in relativer Wertform, Ware B in Äquivalentform. Der Wertausdruck muss zwei verschiedene Waren enthalten, von denen die eine ihren Wert relativ ausdrückt und die andere das Material für diesen Wertausdruck liefert. (Z.B. »5 Ballen Leinwand = 3 Zentner Weizen«. Durch die Analyse der einzelnen Ware konnte die Wertform noch nicht erkannt werden; sie tritt erst in der Beziehung zu einer anderen Ware zu Tage. In der relativen Wertform wird der Wert der einen Ware im Gebrauchswert der anderen Ware ausgedrückt. Waren können nur ein Wertverhältnis eingehen, insofern sie vergleichbar sind. Sie müssen also auf dieselbe Einheit reduziert werden. Dass sie einander in bestimmten Proportionen äquivalent sind, setzt voraus, dass die sich als Wertgrößen gegenübertreten und nicht etwa als Gebrauchswerte. Zwei Gebrauchswerte sind nie, in keiner Proportion äquivalent, weil sie keine vergleichbaren Größen sind. Im Verhältnis zweier Waren wird also der Wert ausgedrückt. Aber nur der Wert einer Ware. Die eine Ware drückt ihren Wert im Gebrauchswert der anderen Ware aus. Die andere Ware hat nun ihrerseits kein Material, in dem sie ihren Wert ausdrücken könnte. Im Wertausdruck zweier Waren zeigt sich ja nur das Wertverhältnis zweier Waren. Der Wert selbst ergibt sich nicht aus dem Austauschverhältnis, sondern aus der Menge von Arbeitszeit, die zur Herstellung der Ware nötig war. Das Austauschverhältnis dagegen kann sich auf gleiche Weise ändern sowohl weil der Wert der einen Ware steigt als auch, weil der Wert der anderen Ware fällt. Das Wertverhältnis bleibt unverändert, wenn sich die Werte der beiden Waren in gleichem Masse ändern. Indem zwei Waren als werte einander gleichgesetzt werden, werden auch die in ihnen steckenden Arbeiten einander gleichgesetzt. In dieser Gleichsetzung werden auch die Arbeiten auf Gleiches reduziert: abstrakt menschliche Arbeit. Dieser Charakter der Arbeit tritt nur im Äquivalentausdruck zum Vorschein.

»Sagen wir: als Werte sind die Waren bloße Gallerten menschlicher Arbeit, so reduziert unsre Analyse dieselben auf die Wertabstraktion, gibt ihnen aber keine von ihren Naturalformen verschiedne Wertform. Anders im Wertverhältnis einer Ware zur andern. Ihr Wertcharakter tritt hier hervor durch ihre eigne Beziehung zu der andern Ware.« (23/65)

Menschliche Arbeit ist nicht Wert, sie bildet Wert, muss sich aber erst vergegenständlichen. Der Wert einer Ware wird ausgedrückt in einer anderen Ware: in ihr erscheint der Wert. Diese andere Ware drückt aber für sich selbst keinen Wert aus; sie drückt nur Wert aus innerhalb des Wertverhältnisses. Die Ware ist »Träger von Wert«. An einer einzelnen Ware zeigt sich das aber überhaupt nicht; dagegen gilt sie im Wertverhältnis nur als solcher. Der Rock kann nur der Wert der Leinwand darstellen, indem dieser Wert für die Leinwand die Form des Rocks annimmt. »Der Wert der Ware Leinwand wird daher ausgedrückt im Körper der Ware Rock, der Wert einer Ware im Gebrauchswert der anderen« (23/66) Die Naturalform der Ware B ist Wertform der Ware A: Ware A macht den Gebrauchswert der Ware B zum Material ihres Wertausdrucks. In jeder Ware steckt eine bestimmte Menge Arbeitszeit; die Wertform muss daher nicht nur Wert überhaupt, sondern die Wertgröße ausdrücken. In das Wertverhältnis gehen die Waren in solcher Proportion ein, dass sie gleiche Menge Arbeit repräsentieren.

Die Ware, die in Äquivalentform ist, »bekommt die Form der unmittelbaren Austauschbarkeit« (23/70) mit einer anderen Ware. Die Äquivalentware tritt zwar immer in Form eines bestimmten Quantums von Gebrauchswerten auf, aber nicht als Wertgröße: die Ware in Äquivalentform drückt nicht ihren Wert aus, das kann sie für sich nicht, sondern sie stellt denjenigen Gebrauchswert dar, in der sich der Wert der anderen Ware ausdrückt.

Eigentümlichkeiten der Äquivalentform

(1) Gebrauchswert wird zur Erscheinungsform des Wertes. Die Naturalform wird zur Wertform, aber eben nur innerhalb des Wertverhältnisses. Keine Ware kann sich auf sich selbst als Äquivalent beziehen. (2) Konkrete Arbeit wird zur Erscheinungsform abstrakter Arbeit. Der Körper der Ware, die als Äquivalent dient gilt als Verkörperung abstrakt menschlicher Arbeit und ist doch Produkt konkreter nützlicher Arbeit. Um auszudrücken, dass z.B. die Weberei nicht in seiner konkreten, sondern in seiner abstrakt menschlichen Arbeit Wert bildet, wird ihr eine andere konkrete Arbeit als gleichwertig gegenübergestellt. (3) Privatarbeit wird zur Form von Arbeit in unmittelbar gesellschaftlicher Form. Weil die Arbeit nur als Ausdruck unterschiedsloser menschlicher Arbeit gilt, besitzt sie die Form der Gleichheit mit anderer Arbeit. Die Ware ist Gebrauchswert und Wert. Sie stellt diesen Doppelcharakter dar, sobald der Wert die Erscheinungsform des Tauschwerts besitzt. Diese Form besitzt eine Ware nur innerhalb des Austauschverhältnisses, nicht aber als isoliert betrachtete Ware. Aber nicht der Wert entspringt der Erscheinungsform als Tauschwert, sondern die Erscheinungsform entspringt der Natur des Wertes. Der innere Gegensatz von Gebrauchswert und Wert wird im Wertverhältnis als äußerer Gegensatz zweier Waren dargestellt, von denen die Naturalform der einen Ware nur als Gebrauchswert, die der anderen nur als Tauschwert gilt. Ein Mangel der einfachen Wertform ist, dass die Ware nur in einem Austauschverhältnis zu einer bestimmten anderen Ware gezeigt wird. Die Ware in Äquivalentform besitzt ebenfalls die Form unmittelbarer Austauschbarkeit nur bezüglich einer einzigen Warenart. Da die Warenart, die im Wertverhältnis vorkommt beliebig ist, ergeben sich zunächst diverse einfache Wertformen und aus der Zusammenfassung dieser einzelnen einfachen Wertformen dann die totale oder entfaltete Wertform. In der entfalteten Wertform steht einer bestimmten Ware eine Vielzahl anderer Waren gegenüber: z Ware A = u Ware B oder v Ware C oder w Ware D, etc.

»So erscheint dieser Wert selbst erst wahrhaft als Gallerte unterschiedsloser menschlicher Arbeit. Denn die ihn bildende Arbeit ist nun ausdrücklich als Arbeit dargestellt, der jede andre menschliche Arbeit gleichgilt, welche Naturalform sie immer besitze« (23/77)

Der Wert zeigt sich jetzt nicht mehr nur in einer anderen Ware, sondern in beliebigen anderen Waren. Der Wert ist gleichgültig gegenüber der Form, in der er erscheint und der in der Ware steckenden Arbeit entspricht jede beliebige andere Arbeit. Die bestimmte Naturalform ist jetzt eine besondere Äquivalentform. Die in ihr enthaltene bestimmte nützliche Arbeit eine besondere Erscheinungsform abstrakt menschlicher Arbeit.

Die entfaltete Wertform hat noch einige Mängel. Der Wertausdruck ist unfertig, weil die Reihe der Waren, in denen der Wert der Ware ausgedrückt ist, nie abschließt. Die relative Wertform ist von Ware zu Ware verschieden, weil sie ihren Wert in einer stets anderen Reihe von Waren ausdrückt. Die Äquivalentformen sind beschränkt: Äquivalentformen verschiedener Waren schließen einander aus. Die nützliche Arbeitszeit, die in einer Ware enthalten ist, ist nur besondere, aber nicht erschöpfende Erscheinungsform der menschlichen Arbeit. Die allgemeine Wertform entsteht aus der Umkehrung der entfalteten Wertform:

»Die Waren stellen ihre Werte jetzt 1. einfach dar, weil in einer einzigen Ware und 2. einheitlich, weil in derselben Ware. Ihre Wertform ist einfach und gemeinschaftlich, daher allgemein.« (23/79)

Die einfache Wertform kommt praktisch nur vor, wo Arbeitsprodukte durch zufälligen gelegentlichen Austausch in Waren verwandelt werden. In der entfalteten Wertform tritt der Wert seinem Gebrauchswert in beliebigen anderen Werten gegenüber: das kommt praktisch vor, sobald gewohnheitsmäßig Arbeitsprodukte getauscht werden. In der totalen Wertform werden alle Werte in einer bestimmten abgesonderten Warenart ausgedrückt: der Wert einer Ware wird als etwas von jedem Gebrauchswert unabhängiges ausgedrückt. Indem die Waren ihre Werte jetzt in einer einzigen anderen Ware ausdrücken, werden ihre Wertgrößen vergleichbar. Die Äquivalentware wird zum allgemeinen Äquivalent; sie besitzt die Form der unmittelbaren Austauschbarkeit mit allen anderen Waren. Ihre Naturalform verkörpert allgemein menschliche Arbeit, sie ist jeder anderen menschlichen Arbeit gleich. Vom nützlichen Charakter der Arbeit ist abstrahiert, es kommt nur darauf an, dass menschliche Arbeitskraft verausgabt wurde. Nur eine bestimmte Ware, die von allen anderen als Äquivalent ausgeschlossen wird, befindet sich in allgemeiner Äquivalentform. Die allgemeine Wertform erhält erst dann objektive Gültigkeit, wenn sich diese Ausschließung endgültig auf eine bestimmte Warenart beschränkt. Diese Ware wird dann zum Geld. Ihre gesellschaftliche Funktion ist es, allgemeines Äquivalent zu sein.

»Der Fortschritt besteht nur darin, dass die Form unmittelbarer allgemeiner Austauschbarkeit oder die allgemeine Äquivalentform jetzt durch gesellschaftliche Gewohnheit endgültig mit der spezifischen Naturalform der Ware Gold verwachsen ist.« (23/84)

Die Äquivalentware wird zum allgemeinen Äquivalent; sie besitzt die Form der unmittelbaren Austauschbarkeit mit allen anderen Waren. Ihre Naturalform verkörpert allgemein menschliche Arbeit, sie ist jeder anderen menschlichen Arbeit gleich. Vom nützlichen Charakter der Arbeit ist abstrahiert, es kommt nur darauf an, dass menschliche Arbeitskraft verausgabt wurde. Nur eine bestimmte Ware, die von allen anderen als Äquivalent ausgeschlossen wird, befindet sich in allgemeiner Äquivalentform. Die allgemeine Wertform erhält erst dann objektive Gültigkeit, wenn sich diese Ausschließung endgültig auf eine bestimmte Warenart beschränkt. Diese Ware wird dann zum Geld. Ihre gesellschaftliche Funktion ist es, allgemeines Äquivalent zu sein.

»Der Fortschritt besteht nur darin, dass die Form unmittelbarer allgemeiner Austauschbarkeit oder die allgemeine Äquivalentform jetzt durch gesellschaftliche Gewohnheit endgültig mit der spezifischen Naturalform der Ware Gold verwachsen ist.« (23/84)

Fetischcharakter der Ware

»Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt. Um daher eine Analogie zu finden, müssen wir in die Nebelregion der religiösen Welt flüchten. Hier scheinen die Produkte des menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, untereinander und mit den Menschen in Verhältnis stehende selbständige Gestalten. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies <87> nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und der daher von der Warenproduktion unzertrennlich ist.« (MEW 23/86f)

Die Ware ist die Form, in der der gesellschaftliche Reichtum im Kapitalismus erscheint. Als Gebrauchswert scheint die Ware nicht weiter rätselhaft; ebenso wenig als Substanz oder Größe des Werts. Rätselhaft erscheint allein die Form der Ware, in der den Subjekten der kapitalistischen Gesellschaft alles anders erscheint als es ist. Die Ursache des Warenfetischismus liegt im Doppelcharakter von Ware und Arbeit. Die Waren sind einerseits dafür da, ein bestimmtes Bedürfnis durch ihre spezifische Eigenschaft als Gebrauchswert zu befriedigen. Der Produzent ist an dieser spezifischen Eigenschaft aber gar nicht interessiert, sondern daran, sine verschiedenen Bedürfnisse zu befriedigen, wozu er den Wert seiner Ware realisieren muss, um sich dann die ihm nützlichen Gebrauchswerte zu verschaffen. Warentausch setzt von einander unabhängig betriebene Privatarbeiten voraus. Trotz dieser Form, in der Arbeit verrichtet wird, hat die Arbeit gesellschaftlichen Charakter: die hergestellten Gebrauchswerte befriedigen nämlich ein gesellschaftliches, nicht ein privates Bedürfnis. Dieser gesellschaftliche Charakter erscheint aber erst im Austausch. Denn erst im Austausch kommen die Waren zu denen, für die sie Gebrauchswerte sind. Der gesellschaftliche Charakter der Arbeit erscheint also als gesellschaftlicher Charakter der Arbeitsprodukte, die Zeitdauer der Arbeit als Größe des Warenwerts, etc.

»Das Gehirn der Privatproduzenten spiegelt diesen doppelten gesellschaftlichen Charakter ihrer Privatarbeiten nur wider in den Formen, welche im praktischen Verkehr, im Produktenaustausch erscheinen - den gesellschaftlich nützlichen Charakter ihrer Privatarbeiten also in der Form, dass das Arbeitsprodukt nützlich sein muss, und zwar für andre - den gesellschaftlichen Charakter der Gleichheit der verschiedenartigen Arbeiten in der Form des gemeinsamen Wertcharakters dieser materiell verschiednen Dinge, der Arbeitsprodukte.« (MEW 23/88)

Indem die Arbeit und die Verhältnisse der Produzenten zueinander eine sachliche Form annehmen, sind die Produzenten auch den Gesetzmäßigkeiten (»Sachzwängen«) dieser Form unterworfen. Um ein Missverständnis zu vermeiden: Die Verhältnisse nehmen im Kapitalismus tatsächlich und nicht nur scheinbar diese sachliche Form an. Den Produzenten »erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen.« (MEW 23/87) Eine Gesellschaftsform, in der die Menschen ihre Produktion kontrollieren statt von ihr kontrolliert zu werden, lässt sich daher nicht schon dadurch erreichen, dass man sich dieser Verdrehung bewusst wird, sondern nur dadurch, dass man neue Produktionsverhältnisse schafft, in denen die Beziehungen der Produzenten keine solche versachlichte Form mehr annehmen. Dazu gilt es zu erkennen, dass der Produktionsprozess zwar tatsächlich die Menschen kontrolliert, die »Sachzwänge« also tatsächlich eine Notwendigkeit ausdrücken; allerdings nur in der bürgerlichen Produktionsweise, keine Naturnotwendigkeit. Dem bürgerlichen Bewusstsein erscheint aber auch das verkehrt. »Formen, denen es auf der Stirn geschrieben steht, dass sie einer Gesellschaftsformation angehören, worin der Produktionsprozess die Menschen, der Mensch noch nicht den Produktionsprozess bemeistert, gelten ihrem bürgerlichen Bewusstsein für ebenso selbstverständliche Naturnot- <96> wendigkeit als die produktive Arbeit selbst.« (23/95f) (fb)


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