Vor einem Jahr ermordert: Norbert Zongo

»Il appartient aux Africains de se débarasser des papas Français qui nous dirigent. Il ya des parentés qu'il vaut mieux ne jamais avoir. Elles insultent la conscience. Quelles injurieuses parentés!« (Zit. nach »le nouvel afrique-asie« n° 114). Starke Worte im Leitartikel der Zeitung »Indépendant«. Zwei Tage später wird ihr Autor, Norbert Zongo (49), auf einer Überlandstraße 100 km südwestlich der Hauptstadt Burkina Fasos, Ouagadougou, als eine von vier Leichen identifiziert, die in einem ansonsten unbeschädigten Geländewagen verbrannt sind. Sein Todestag jährte sich am 13. Dezember. Norbert Zongo war einer der bekanntesten Journalisten des Landes, bekannt für seine freche Kritik an Operettendemokratie, Korruption und Staatsverbrechen. Burkina Faso ist ein kleiner und alles in allem funktionstüchtiger Staat, dessen Bewohner über die Geschehnisse im tausende von Kilometern entfernten Kongo-Kinshasa nur den Kopf schütteln können. Mehr als zehn Jahre lang hatte man verdrängt, daß der amtierende Präsident Blaise Compaoré durch Putsch und Ermordung seines Vorgängers Thomas Sankara an die Macht gekommen war. Mit dem Tod Zongos, der sich mit der Untersuchung der Ermordung eines kleinen Diebes durch die Leibgarde des Präsidenten in die direkte Nähe Compaorés gewagt hatte, wurde eine ganze Reihe von ungeklärten Todes- und Korruptionsfällen wieder an die Öffentlichkeit geschwemmt. Mehrmals in Folge gelingt es den Bewohnern der großen Städte Burkinas, Ouagadougou, Koudougou, Bobo-Dioulasso eine »ville morte«, eine »tote Stadt«, durchzusetzen, Studentendemonstrationen durchziehen die Hauptstadt. Es scheint, als hätte das Regime bei der Ermordung Zongos die Lage unterschätzt. Die Bevölkerungsproteste, die erst mit der letzten »ville morte« am 12. Juni diesen Jahres in Koudougou, dem Geburtsort Zongos, verebben, haben studentischen Organisationen wie der Ugeb (Union générale des étudiants burkinabè) eine Stimme verliehen, die ein breites Umdenken der Landespolitik fordern: grundlegende Kritik an den Strukturanpassungsprogrammen der Bretton-Woods-Institutionen, die unverträgliche Einschnitte in Gesundheits- und Bildungspolitik und umfassende Privatisierungsmaßnahmen nachsichziehen.

Norbert Zongo war von mehreren Opfern der Regierung das bekannteste, sein Tod hat der Präsidentenclique das zuvor zugebilligte Vertrauen der Bevölkerung zunichte gemacht - die deutschsprachigen Medien haben dies ignoriert. (mt)


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 11. Maerz 2000.