Thesen zur Diskussion über ,,Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis" (Kl, S. 85 if) vom 12.7.

1. Die Analyse der Ware hat zum Resultat, daß man ihr ihre Entstehung als Produkt von gesellschaftlicher Arbeit nicht mehr ansieht. An ihr ist jeder Hinweis auf den gesellschaftlichen Charakter der Waren produzierenden Arbeit verschwunden. Sie sind sinnlich übersinnliche oder gesellschaftliche Dinge:
"Den Produzenten erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen" (S.87)

2. Das Bild vom Tisch aus dem 1. Absatz, der sich allen anderen Waren gegenüber auf den Kopf stellt, kennzeichnet die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen alles auf dem Kopf steht. Erst die wissenschaftliche Analyse kann diesen falschen Schein auflösen.

3. Daraus folgt, daß die in der Warenproduktion befangenen Menschen - und das ist die Gesamtheit der Gesellschaft - ein falsches Bewußtsein von ihren Verhältnissen (Staat und Klassengesellschaft) haben. Dies falsche Bewußtsein ist ein notwendig falsches.

4. Alle gesellschaftlichen Klassen leben also in diesem falschen Bewußtsein, nur mit unterschiedliche Folgen: die Kapitalisten vermehren ihr Eigentum, indem sie sich ohne schlechtes Gewissen ihrem Beruf als ,,Arbeitgeber" widmen. Die große Klasse der Arbeiter und aller übrigen Lohnabhängigen will ihren Anteil am Reichtum und überhaupt die Anerkennung ihrer Leistung ftir das Wohl und Fortkommen der Nation. Dies wird zwar nicht immer zu ihrer und des DGB Zufriedenheit ausgesprochen, aber auch so mangelt es nicht an moralischem Zuspruch für den Arbeitsmann.

5. Auch das Interesse von Arbeitern ist also im Kapitalismus zunächst kapitalistisch bestimmt und daher nicht brauchbar tür einen kommunistischen Umsturz. Es bewegt sich ganz im Rahmen ihrer ökonomischen Funktion, auf Basis des Klassengegensatzes, den der Staat zur Mehrung des nationalen Reichtums regelt. Wenn sie daher merken, daß ihr Mittel für einen gerechten Anteil am Reichtum, ihre Arbeitskaft, immer wieder diesen gewünschten Dienst versagt, liegt ihnen daher Nationalismus auch näher als Klassenbewußtsein.

6. Daher müssen auch die Arbeiter kritisiert werden, um sie an ihr (objektives) Klasseninteresse zu erinnnern und sie zu Trägern einer Revolution zu befähigen. Eine solche Kritik folgt aus der wissenschaftlichen Einsicht von Marxisten.


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