Worte der Brüder und Schwestern zum festen Glauben

Nur Wachstum der Sicherheit kann Freiheit entschärfen

Anmerkungen der Redaktion:

Die Brüder und Schwestern zum festen Glauben haben offenbar das Streitblatt zum Verbreitungsmedium ihrer Glaubensparagraphen auserkoren.

Allerdings sind diese Zuweilen, wie im vorliegenden Fall, recht ambivalent. Ließt man den Satz in Lafontaine-Manier, könnte man zunächst meinen mit Sicherheit sei ein fester Arbeitsplatz gemeint; und dann ist es nicht ganz abwegig, wenn man sich an das Eisentor in Ausschwitz erinnert fühlt. Allerdings ist es reine Spekulation, ja gar eigentlich eine infame Unterstellung, zu vermuten Sicherheit sei für die Br.u.Schw.z.f.Gl. die Sicherheit, einen festen Arbeitsplatz zu haben, was auch immer Lafontaine darunter versteht. Zweitens ist hier nicht die Rede von der Entstehung von Freiheit durch Sicherheit, sondern von Entschärfung der bereits vorhandenen Freiheit durch Sicherheit.

Das kann man nun auf mehrerlei Weiße verstehen. Etschärfung kann neben allem was es sonst noch bedeuten kann, einerseits unbrauchbar Machen bedeuten, andererseits ungefährlich Machen. Auf letztere Art verstanden, unterscheidet sich der Freiheitsbegriff der Br.u.Schw.z.f.Gl. auf den ersten Blick kaum von dem der Christen. Glauben diese sich doch im irdischen Jammertal voller Unwägbarkeiten und Unsicherheiten deswegen, weil sie eben frei und also auch frei zur Sünde sind.

Allerdings würde würde die Freiheit der Christen demgemäß durch Sicherheit wohl völlig abgeschafft, schließlich ist es auch im Paradies nicht sicher gewesen, ob nicht Jemand vom Baum der Erkenntnis ißt; kein Engel bewachte diesen.

Versteht man nun Entschärfen im Sinne von unbrauchbar Machen, erhellt sich zunächst nicht, was die Br.u.Schw.z.f.Gl. meinen.

Aber kommen wir noch mal auf das Paradies zurück. Hätte Eva nicht die verbotene Frucht gegessen, wären wir immer noch dort. Bedauerlicherweise konnte sie aber nicht widerstehen, was seinen Grund in dem Versprechen der Schlange hatte, sie, Eva würde sein wie Gott, wenn sie die verbotene Frucht äße. Sie würde sein wie er, könnte ihm ebenbürtig gegenübertreten. Gäbe es nichts derartig Verlockendes, so hätte die Schlange niemanden irgendwann zum essen einer Frucht gebracht, aber dann bedeutete auch die christliche Freiheit nichts mehr, da sie ja nicht mehr die Möglichkeit der Sünde beinhalten würde. Sünde ohne allen Anreiz, sie zu begehen, gilt den Christen nicht als Sünde, weil hinter der Sünde immer ein bewußtes Subjekt, der Teufel steckt, der stets aktiv und mächtig Anreize schafft. Sicherheit davor wäre für einen Christen die Abwesenheit des Spannungsfeldes zwischen Gut und Böse, die Abwesenheit der freien Möglichkeit, sich dem einen oder anderen zuzuwenden, die Welt, also der Mensch garselbst.

So können die Br.u.Schw.z.f.Gl. ihren Paragraphen also nicht gemeint haben. Nun bleibt trotzdem noch eine Möglichkeit.

Die Br.u.Schw.z.f.Gl. meinen Sicherheit vor kapitalistischer Konkurrenz durch Abwesenheit von Eigentum macht die bürgerliche Freiheit, sein Eigentum als Ware feilzubieten wie man will überflüssig.

Hoffentlich!


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