Warum KOmmt SO was VOr?

Unter diesem Titel war ein Stück Ende Mai im Theaterzelt "Das Schloß" aufgeführt worden. Wie macht man so ein modernes Theater

Man nehme einen, möglichst aktuellen und in der Presse gut vermarkteten, Krieg, gebe einen straffen Zeitplan von drei Wochen vor, damit selbiger noch nicht ganz erkaltet ist, sammle ein paar motivierte StudentInnen um sich, lasse diese sich auf einer großen Bühne entfalten und vermenge alles zu einer Körpertheaterperformance. Dazu (zugegeben sehr gute) Livemusik und ein Plakat mit Wortspielen, die zum Denken anregen. (ein kosmopolitischer Denkanstoß für Kosovojeure) Zum Stück:

Auf der Bühne sind verschiedene Gruppen von Menschen verteilt, die alle unterschiedliches zu tun haben. Wir erkennen Eheleute, Freunde, GeschäftspartnerInnen, und die verschiedensten Interaktionen. Nach einer Viertelstunde kommt Streit auf. Einige malen sich blaue Farbe ins Gesicht, das sind, wir ahnen es bereits, die Serben. Diese fallen nun über andere her, es kommt zu Scharmützeln, und am Ende mischen sich noch die auf dem Sofa sitzenden in den Konflikt, indem sie ihn mit Kissen bombardieren. Die NATO - sie kommt im Anzug daher, während die Balkanier, wie erwartet, ein wenig zerlumpt wirken. Die Drehleier wird weiter gedreht und nach dem Krieg kommt dann das "Awakening". Betroffene Gesichter, Zerstörung, Leid - an dieser Stelle eine beeindruckende Leistung der auch sonst sehr guten Schauspieler.

Aber das Stück ist noch nicht zu Ende, wir verlassen das Zelt wo uns Schauspieler und Freunde sowie Tabletts mit Sangria erwarten. Es darf gelacht werden, wir befinden uns unter Theaterleuten, einer kündigt sein Internetstück an, und gelegentlich fragt ein Gesicht "Wie waren wir?" Es ist eine Atmosphäre in der über vieles geredet wird, nicht aber über den Krieg im Kosovo. Das mag daran liegen, daß der junge Regisseur der Ansicht war er wolle Emotionen hervorrufen, eben nicht Gedanken anregen. Das hat er wohl auch geschafft, Schauspieler lassen ihren Freuden freien Lauf, der Tonabmischer freut sich über seine gelungene Klang-Performance und das Publikim hat sich entgegen der Warnungen auf der Einladung wieder zusammengefunden, ist entweder nach hause gegangen ohne einen Gedanken an dieses Stück zu verschwenden oder wird es bald tun.

Alles in allem muß festgehalten weden, daß der Regisseur die politische und emotionale Lage der Bevölkerung optimal genutzt hat, um aus Scheiße wenigstens noch ein bißchen Gold (Geld) zu machen. Leider fanden sich kaum Leute ein, noch dazu kaum Bürgerkriegsflüchtlinge, die kostenlos davongekommen wären, und so hielt das Stück die auf dem Einladungszetteln versprochenen Reaktionen nicht. (es kann nicht garantiert werden, daß Kinder wieder zu ihren Eltern finden und ähnliches), sondern erinnerte uns, verspielt vorgespielt, an einen Krieg, der in einer großen Kissenschlacht die letzten Gedanken an Kosovo, Politische Hintergrüde, Gründe, Motive Fürs und Wieder vergräbt.

Gruber


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 9. Januar 2000.