Pathologisches Volkstum und gesundes Volksempfunden

Homos im Musistadel

Wie ein Volkskörper seinen Virus kuriert

Das Jahr 1999 wird als ein Schicksalsjahr, ein Jahr der schweren Gottesprüfungen und Bewährungen in die Annalen deutscher Volkstümelei eingehen. Ein Schicksalsschlag auf die Volksseele - vergleichbar nur mit den völkischen Wallungen der Chinesen nach dem Bombardement auf ihre Botschaft.

Einem Paukenschlag gleich wurde die deutsche Volksmusigemeinde aus ihrer steril-heilen Welt von Alpenglühen und Blümchenerotik gerissen durch eine Schlagzeile im völkischen Zentralorgan BILD:

PATRICK LINDNER SCHWUL!!!

Da wurd´s so manch strammen Jodler klamm in der Lederhose und das ließ auchso manch praller Trachtenmaid das Herz aus dem Dirndl quellen. Ein Volltreffer auf die fortpflanzungsbetonte Heterogemeinde, die harmoniebetonte Welt, die die sittsam-dezent vorgetragenen Fruchtbarkeitstänze und Balzgesänge christlich-alpenländischer Bergbauernpopulationen und anderer Volksstämme so verinnerlicht hat.

Volkesstimme mußte feststellen, daß einer seiner Resonanzkörper da unsaubere Mißtöne in die Tonalität sauberer Liebe und Treue brachte. Der volksfremde Körper kam nicht von außen, nein schlimmer: aus der eigenen völkischen Mitte und zumal von hinten. Die Schreckensnachricht: Der Virus lebt und ist unter uns!!! Schwul = AIDS = Krankheit!

Galt konservativen Volkstümlern AIDs lange Zeit als Schwulenkrankheit und Schwulsein als so eine dekadente Intellektuellen- & Emanzenkrankheit, zudem in den meisten Fällen auch noch hochdeutsch sprechend (Rosa von Praunheim, Biolek, kerkelin- oder die lesbische Variante: Hella von Sinnen) und als Zeichen, wohin falsch verstandener Liberalismus entarten kann ( siehe Tochter von Bundespräsident a.D. Scheel- und schuld daran ist nur die FDP!), so saß der Virus diesmal im eigenen Volkskörper.

Das gab es freilich schon früher. Seien es nun die prozeßlawinenträchtigen After-Eight-Witze des bayerischen Barden Hannes S. über einen volksdeutschen Christenmenschen namens Peter G., welcher einer süddeutschen Volkspartei angehört, die viel auf Moral, Heimat und Sitte pocht. Doch in dubio pro res. Zumal: der mann ist verheiratet.

Oder der tragische Fall des Walter Sedlmayers von der TV-Polizeidirektion Isar II. Doch nichts Schlechtes über ein Mordopfer und Frieden seiner Asche.

Doch der Fall des Patrick L. ist da völlig anders geartet- nach völkischer Sicht: entartet:

Der Bua lebt! Er redet auch noch "drüber" anstatt nur zu singen, zu lächeln und anstatt am besten zu schweigen. Im Gegensatz zu vorgenannten Exemplaren ist er jung, weder von Glatzenbildung noch Bierbauch befallen, ebenso wenig in schmutzige Politik involviert oder ein Intellektueller, Studierter oder Künstler. Auch frönte er nicht dem Laster des Rauchens und hielt seine Lungen unbefleckt von teerigen Schwaden. Über sein orgastisch-dämliches Baby-Gegrinse strahlte er unverblümte Harmlosigkeit, offenbargewordene Gutmütigkeit, Gesundheit, Frische, Fröhlichkeit und Freundlichkeit, weiß-blaue Natürlichkeit, Reinheit und Sauberkeit aus. Die Stimme so rein und ungetrübt kristallklar, gleich einem romantisch- sanft dahinplätterschernden, sonnenlichtbestrahlenem Bergwässerchen, der dem erdverwurzelten Quell eines Jungbrunnens heimischer Scholle entspringt. Lebenskraft und Volksseele zugleich verkörperte. Noch besser: Patrick L. galt auch noch nicht als vergeben, Solo, was ihm eine breite weibliche Anhängerschaft von eingebildeten und tagträumenden Bräuten in spe mit einhergehenden löhnlichen Plattenumsätzen und Merchandisingprämien sicherte und Goldene Blätter blühen ließ.

Der Herzbub wurde in farbigsten Bildern in der Regenbogenpresse als noch zu habende männlich-keusche Jungfrau ausgemalt und somit zum nahezu grenzenlosen Objekt weiblicher Begierde. Umgeben von der Aura eines nie verglühenden Heiligenscheins schmachteten da Hunderttausende Frauenherzen einfühlsamst mit dem trällernden Jungnovizen und Sängerknaben, der audio-visuell unverbraucht und vollklangig über saftiggrüne Bergwiesen mit ebenso verzücktem Alpenblick traumwandelte.

Die Omen einer Metamorphose

Noch keine vermutete da ein jähes Erwachen, doch sehen jetzt all jene schweigenden Lämmer, die "es schon immer" geahnt, gefühlt, ja gewußt hatten, im Rückblick die mahnenden Warnzeichen der tückisch-tragischen Metamorphose des Patrick L. vom SOLO zum HOMO.

Kritischen Gemütern televisionärer Nachtwächter und Night-Watcher will da schon gleich immer aufgefallen sein, daß "der Patrick" sich ZU tugendhaft und abstinent gegenüber den Wolllockungen weiblicher Reize verhalten habe.

Es hätte ja nicht gleich vorehelicher Geschlechtsverkehr zur besten Sendezeit des abendlichen Familienprogramms sein müssen- Gott bewahre- die Kinder!!!

Aber ein Busi oder Armumlegen mit asexuellem Blick in Gottes Natur, das hätte schon drin sein müssen - so Volkes Kritik an schlechten Drehbüchern.

Doch wo wir schon beim Thema Kinder sind. Exakt offenbarte sich das zweite böse Omen, die tiefergehende Bruchlinie in der Volksbewegung:

Patrick L. adoptierte ein Waisenkind!

Hiermit durchbrach er ein ernstes Tabu – die traditionelle Abfolge christlich-völkischen Fortpflanzungsbiologismuses und der lautet:

Verliebt, verlobt, verheiratet! Erst Frau, dann kind. Und zwar ein eigenes, aus eigenen Genbeständen, zumal am besten: deutsch! Nix Zugereistes, Künstliches, Unnatürliches und Fremdes bitte, zumal noch aus den slumigen-slawischen Hinterhöfen Dracula-Transylvaniens.

"Das hätte es nicht gebraucht!" (Birgit F., 62, Wanne-Eickel)

"Ob das so klug war, Patrick?" (Sabine T., 35, Tutzing)

Nun gut, nach geschaffenen Fakten legte sich die erste Welle der Empörung und Verunsicherung. Denn bei näherer Überlegung ergaben sich ja auch durchaus Chancen.

Wenn der Patrick schon bilanzmäßig auf der Nachwuchsseite nicht mehr solo war, sondern Vater mit Kind, dann darf er erst recht nicht mehr selbst solo sein. Das Kind braucht eine Mutter und/oder: Der Mann braucht eine Frau. So und/oder so, so der Tenor von Volkes Stimme. Das Vorschlagswesen betreffs heiratswütiger Weibchen und geeigneter Bräute erlebte in der Folge eine Hochkonjunktur an Stammtischen, auf Kaffeefahrten, beim Kaffeeklatsch. In Leserbriefen oder mittels Fanpost ergriffen sich passend wähnende Frauchen gleich selbst Initiative und wähnten sich im geistigen Auge anschmeigsam an Lindners Seite im Focus der völkischen Öffentlichkeit .Begehrliche Wahnphantasien, die sich da so einiges und vieles ausmalten, sproßen allerortens. Soviel Stunden konnte ein Tag gar nicht haben, was an Tagträumen und bei Nacht unter Patrickpostern über dem Bette an weiblichen Phantasien blühte.

Und dann kam an jenem unvergeßlichen Morgen die Schlagzeile im Zentralorgan des gesunden Volksempfinden, der die Traumblasen zu wütendem Schäumen zerplatzen ließ:

PATRICK LINDNER SCHWUL!

Nix SOLO —- HOMO!!! Zumal mit Kind. Kindsschhänder?!!! Ein völkisches Desaster!!! Das kostete auf jeden Fall an Beliebtheit. Der Untergang des Abendlandes, Wertezerfall pur- ein weiteres eindeutiges Indiz, "wie weit es schon mit diesem Land gekommen ist" (Ludwig B., 76, München). Erst dieser unsägliche Guildo Horn und israelische Transvestitten beim Grand Prix und jetzt auch noch ein Homo im Musistadl - im Himmel der Volksmusik. Zumal auch noch mit Kindern, bzw. Kind! Das kennt man ja von diesem Ami/Neger Michael Jackson und so. Tiefster Kulturpessimismus in Reihen der Volksmusikgemeinschaft fühlte sich da bestätigt. Während die einen für einen sauberen chirurgischen Schnitt, d.h. für die umgehende Entfernung des Nestbeschmutzers und Ersatz durch geeignetes völkisches Menschenmaterial plädierten, sah eine andere Fraktion hier eine Bewährungsprobe in Sachen wahrer Liebe, der da heilsame Wirkung zugeschrieben wird.

Die "Treu bis in den Tod"- & "Wahre Liebe"- Lobby war der Ansicht: Nun erst recht! Gerade jetzt erst recht bräuchte Patrick L. Liebe, d.h. eine Frau. Das allein könne ihn von seiner "Krankheit" kurieren, da die Schwarzwaldklinik für derartige Fälle noch kein Kurangebot auf Lager hat.

Recherchen in den völkischen Hallen des Hofbräuhauses brachten da die neuste Problemlösungsstrategie kreativer Trinktanks und Brainstormingpoole eingefleischter Musistadlfans zu Tage:

Patrick heiratet Verona Feldbusch/Marianne und Michael als Trauzeugen

Vorteil: Verona macht nicht mehr Peep, dafür aber mehr häuslichen Blubb (Spinat fürs Kind, daß aus dem Jungen auch mal was wird!). Statt Ware Liebe soll es nun wahre Liebe setzen. Er ist ein lieber Kerl, sie ein nettes und sexy Madl. Geschlagen sind beide vom Leben- Patrick durch den Vater, Verona von diesem Griesgram-Zuhälter Bohlen. Er ist solo. Sie ist solo. Er hat ein Kind, sie noch keins. Also: PASST!

Als anderer heißer Tip wird eine Susanne Fröhlich gehandelt. Das kann ja noch lustig werden.

Fragt sich eigentlich nur, WER da kuriert werden müßte!

Kommentar

Kinderschändung andersherum: Teletubbies, Michael Schanze und Volksmusi

Jugendgewalt, Gewalt gegen Kinder, Kinderschänder und anderes füllte die Schlagzeilen, Talkrunden - zumal im UNO-Jahr des Kindes. Keine Gewalt. Nichts Belastendes für die Kinderseele. Denn Feuer, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht. Was dabei rauskommt ist nichts anderes als Kinderschändung andersherum: Die Kleinen sollen möglichst von allen Widersprüchen des Lebens ferngehalten werden. Während Sesamstraße und die Sendung mit der Maus noch als aufklärerische Meisterstücke gesehen werden können, sind Michael Schanze und Teletubbies wohl die Modellbeispiele overprotektionistischer Kinderverblödung. Winke, winke, Twinky Dinky und ada-ada! So süß, bevormundet und dumm werden die Kleinen gehalten, so in Watte und Plüsch gepackt, daß da wohl nur noch obrigkeitstreue, autoritätshörige Psychos rauskommen können, wie sie Staat und Kapital sich wünschen. Ob nun Michael Schanze, Teletubbies oder Geschunkel und Volksmusik - hier offenbar sich gleichgerichteter seelenverwandter Infantilismus.

Ho Mogan


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 9. Januar 2000.