Echt IN: Political so incorrect

Daß man mittels Änderung des Überbaus oder sprachliche Neuschöpfungen nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse verändert, daß mit der Verwendung der Inninnen sich kein Patriarchat abschaffen läßt, darauf hatten einige Linke schon frühzeitig hingewiesen, wurden jedoch von linksliberal- akadmischen Bildungsbürgerjugend. weniger sprachsensibel, als "out", verstaubt, orthodox und als Kulturbanausen betitelt.

Statt Klassenkampf war nun Kulturkampf angesagt. Statt sich mit "ungebildeten Proleten" vor Werkstoren rumzuärgern, wurde nun der Kampf auf kulturelle Events verlegt. Statt Mehrwertdiskussionen diente Multikulti samt der ausländischen Mitbürger als Quelle kultureller Bereicherung . Diskurs, Widerspruch und Kontroverse wurden spätestens mittels der Einführung von "Diskussionskultur" getilgt. Unter dem Deckmantel der Toleranz konnte nun jede rechte Frechheit —solange sachlich, konstruktiv und korrekt vorgetragen— gegeäußert werden und Linken, die sich darüber erregten ein Maulkorb auferlegt. Nachdem selbst Republikaner und CSU das Innen entdeckten, nationale Selbstbestimmung und Identität auch in der Linken Einzug erhielt, fiel vielen von Mao zur New Age- Esoterik Konvertierten, schon gar nicht mehr auf, daß Leni Riefenstahl und die Rechte ebenso Blut-und Erde- Dung von Mutter Erde vertraten. Statt dessen wurde verkündet, daß es kein rechts und links mehr gäbe. Die Neue Rechte zur Neuen Mitte avanciert, Nazis waren nun die Rechten, Osteuropa wurde zu Mitteleuropa, konnte es folgerichtig nicht ausbleiben, daß die Political Correctness nun ebenso als "out" erklärt wurde.

Der Erfolg der rechten Kampagne gegen Political Correctness erklärt sich zum einen, daß eben sprachliche Veränderungen noch keineswegs gesellschaftliche Veränderungen bedeuten, solange sie von den ökonomischen Kämpfen getrennt sind ist das eine. Vom Soziologendeutsch zur Political Correctness- das blieb eine Konstante.

Kein Wunder, daß Arbeiter und Angestellte lieber BILD lasen, denn die hoch-abstrakte Pamphlete. Hier wurde das Flugblatt und/oder die Zeitung zum unverständlichen Theorieorgan, das sich mittels einem nur für Insider zugänglichem Code selbst isolierte. Kein Wunder, daß die erhofften werktätigen Massen da nur Bahnhof verstanden. Die Bedeutung der Political Correctness und ihre Ausstrahlung blieb daher sehr begrenzt.

Statt aber Aberglauben in die alleinige Macht des Wortes aufzugeben, wurde mangels Verbündeter nun auch noch vor lauter Toleranz und inhaltsleerer Überwindung der "Angst vor dem Fremden" der Kontakt mit der Rechten gesucht. Tabubrecher, Kreuz- und Querdenker von links, die rechte Parolen verkündeten, wurden salonfähig. Neue Rechte lösten die vermeintliche Kulturhegemonie der Altlinken ab und als Almangan entstand die Neue Mitte.

Hinter der Kritik an der Political Correctness versteckt sich zum einen die Frustration über die Erfolglosigkeit, wie auch die Genervtheit sich progressiv betrachtenden Menschen, da die Obermeister der Begrifflichkeiten da auch ein wenig überzogen und sich selbst der Lächerlichkeit preisgaben.

Doch dies verschleiert, daß die Kampagne gegen die Political Correctness vor allem von rechts geführt wird und sich als nur als Witz, "Sei nicht so spießig", Spaß ham und Fun muß sei an den hedonistischen Wurzeln der Linken ansetzt. Die Spaßigkeit aus der Ecke der Neuen Rechte ist so alt wie die Rechte selber und hört freilich auf, wenn ein Witz über den ersten deutschen Kriegshelden im Rotlichtviertel von Phnom Phen fällt- da zeigt sich der heuchlerische Januskopf. Es darf gelacht werden, solange der Witz derfolgt beginnt: Kommen zwei Schwarze in einen dunklen Tunnel oder Kommt eine Frau zum Frauenarzt oder.... Kurz: Solange man nur deutsches Wasser trinkt, den neusten Uraltjoke über faule und autostehlende Polen und türkische Igzegrütze und Güllehülles ala Harald Schmidt reißt, kann nicht genug Sendezeit im deutschnationalen SAT 1 von Deutschlands Neo-Hugenberg zur Verfügung gestellt werden. Gegen Minderheiten können gar nicht genug Witze gerissen werden. Ja, die Gesellschaft für deutsche Sprache (oder so) vergab an diesen Kotzbrocken auch noch einen Preis. Harald Schmidt gilt inzwischen als der Reich-Ranitzki, Oberguru und Papst des deutschen Witzes. Eine Art DIN-Norm deutscher Humorigkeit. Die teilt nach unten aus und buckelt nach oben.

Mal abwarten, wann der Untertanenhumor deutscher Herrenmenschen auch noch sein Menschenrecht auf einen harmlosen Judenwitz reklamieren. Aber gerade dies ist unwahrscheinlich- schließlich haben wir ja aus der Geschichte gelernt. Dies überläßt man eher ernsthaften Ex-Linken wie Walser und Horst Mahlern, die neuerdings deutschnationalen Ernst verbreiten. Da wird schnell aus Spaß Ernst.und Ernst wird immer Jünger! Denn Donner und Leni riefen: Stahlgewitter auch!

Ernst Halach


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 9. Januar 2000.