Was tat Großopi im Kaukasus?

Daß Geschichte so bedeutend sei um die Zukunft zu gestalten, ist eine oft gebrauchte Phrase der Politik. Freilich ist damit gemeint, daß man mal einen Schlußstrich ziehen kann. Wir sind gut, die Hitler sitzen heute andernorts und deswegen sind und dürfen wir wieder. Dabei könnten die Enkel und Urenkel der Gnade der späten Geburt im Gespräch mit Opi und Großopi mehr erfahren, als im Sozialkunde - und Geschichtsunterricht gängiger Provinienz.

Was tat Großopi und Opi denn im Ersten und Zweiten Weltkrieg am Kaukasus, außer das positive Angebot deutschen Blitzkriegstourismus zu nutzen, wie da waren: romantisch-verklärte Sonnenaufgänge, Adventureexkursionen mit Kübelwagen und die Nataschas aus der Taiga. Dem Stoff also aus dem Landser- und Konsalikromane den Alptraum in märchenhafte Nostalgieträume transformieren.

So manch ein Großopi des Ersten Weltkrieges könnte einem dann noch erzählen, daß die Deutschen da schon immer ein Energieproblem hatten, zumal die Anglosachsen begannen Militär und Industrie auf Ölbasis umzustellen, daß die Standard Oil Rockefellers 1907 der Deutschen Bank beim rumänischen Erdöl zuvorkam. Aber dafür gab es die Bagdadbahn, finanziert von Deutscher Bank und Krupp, die über Österreich, Serbien ins Ottomanische Reich und von bis nach Kuweit gebaut werden sollte. 1905 hatte ein deutsches Expertenteam im den heutigen Kurdengebieten des Nordirak "Meere von Öl" entdeckt.Ein idealer Brückenkopf zum Kaukasus, wie auch nach Britisch Indien. Nur waren die Serben da ein aufmüpflerisches Volk, sowie zusammen wie ihre panslawischen Bruderbarbaren, die Russen ein Hindernis.

Im Zweiten Weltkrieg hieß das dann Lebensraum und Sumpfmenschen im Osten und auch "Orientplan"- zwar unter ein wenig anderen Konstellationen, doch wäre nicht Stalingrad gekommen, wäre der Kaukasus heute deutsch. Seufz! Seufz!

Heute hört man zwar von Krisenbögen von Marokko bis zum Indischen Ozean, Energiegürteln, Offerten aus dem Kaukasus und daß die kommenden Kriege um Eurasien, Energie- und Wasserresourcen, schwant einem, daß Opis Ur- und Ururenkel vielleicht schon morgen und übermorgen in Genuß der Sonnenaufgänge über Woronesch oder am Kaspischen Meer kommen, wenn sie nicht nur mehr vor dem Fernsehsofa passiv deutsche Tornados in " Jets- Leben am Limit" konsumieren wollen. Wenn sie sich engagieren wollen und den ultimativen Kick woanders suchen, als nur beim Bungee Jumping oder beim Drilling? Wenn ein Platz auf der Sonnenbank der Selbstverwirklichung und das Testen der eigegen Grenzen nicht mehr ausreichen?

Aber: Keine Angst!! Heute in der schönen Neuen Weltordnung der neuen Berliner Republik ist alles anders als früher: Wir haben ja NATO und EU , die 50 Jahre für Frieden ind Freiheit gesorgt haben. Wirtschaftskrisen ala 1929 gehören seit Asiencrash und Fall des Euros der Vergangenheit an, Protektionismus seit Zunahme der Handelskonflikten zwischen NAFTA und EU ebenso dank Globalisierung. Und nach Golfkrieg, Bombardements im Sudan, Afghanistan und auf Serbien samt Balkankriegen deuten alle Indikatoren eindeutig auf eine friedliche Zukunft.Die Russen sind schwach, käuflich und lenken ein. Und wenn nicht, na ja, dann.. egal auch!

Ob das Opi auch so gesehen hätte? Zumindestens ist doch klar, daß es keinen 3. Weltkrieg geben kann denn:

1) wird doch der zweite der letzte genannt und sind zwar alle guten Sachen drei, aber hier schon deshalb nicht- weil das nur Zeugen Jehovanumerologie ist.

2) Das sagen uns auch die Apo-Opas und die müssen ja wissen, wofür unsere Friedenstruppen ausrücken! Zwar im Falle von 200 000 Krajinaserben und den Millionen Kurden nicht so optimal, aber dafür machen wir die Menschenrechte bei anderen nicht genehmen Ländern wieder wett! Bei den Tschechen, für die Rechte der sudetendeutschen Minderheit - von wegen da Appeasement gegenüber diesen Beneschewiken!

3) Zumal: heute geht es um Menschenrechte, Demokratie und Rohstoffe. Da sind wieder alle guten Dinge dreie- eine überzeugende Dreieinigkeit! Und slawische Ostdespoten erhalten eine Zivilgesellschaft- wenn auch nicht ganz gratis!

Ergo: So geht deutsche Geschichte, wenn sie nicht gerade marschiert: Punkt, aus, Schlußstrich!

He Ping


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 9. Januar 2000.