Der Klassenbegriff bei Marx

Die Kritik der Krisis-Gruppe am DGB, ändert offenbar nichts an dessen Interesse an der Propaganda von Robert Kurz. Die Frage ist, wie der DGB und Kurz zusammenfinden. Allerdings fällt die Beantwortung nicht sonderlich schwer, wenn man einerseits die Politik der »Sozialpartnerschaft« des DGB, und andererseits die von Krisis neugeortete gesellschaftliche Konfliktlinie zwischen »Arbeitsfetisch« und Entwicklungsstand der Produktionsmittel betrachtet. Beiden Herangehensweisen ist gemeinsam, dass sie keine Klassenunterschiede mehr kennen.

Beim DGB heißt die neue Konfliktlinie Globalisierung gegen Stadort, woraus sich ergibt, dass im Interesse der Nation nicht mehr für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft werden darf. Krisis behauptet, die Ware Arbeitskraft ließe sich nicht mehr kapitalistisch sinnvoll ausbeuten, weshalb der »Arbeitsfetisch« aus den Köpfen muß, damit´s mit dem Kapitalismus wieder klappt. Der Klassenmarx würde dadurch obsolet, und es gälte nun sich auf den Fetischmarx zu konzentrieren. Daher kurz folgendes zum Klassenbegriff bei Marx.

Marx analysierte den Kapitalismus als eine Produktionsweise, in der sich Klassenunterschiede reproduzieren, die auch deshalb gegen das objektive Interesse der Mehrheit der Leute, nämlich derjenigen, die keine andere Ware als ihre Arbeitskraft anzubieten haben, ist. Und genau gerade darin, dass die Arbeitskraft als Ware behandelt, also zu ihrem Wert bezahlt wird, reproduzieren sich die Klassen. Die Wertsubstanz ist, wie bei allen Waren, die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, sie zu produzieren. Und weil sie eben zu ihrem Wert bezahlt wird, bekommen die Verkäufer ihrer Arbeitskraft nicht mehr, als um sich zu reproduzieren nötig ist, bleiben also - obwohl sie es produzieren - vom gesammtgesellschaftlichen Mehrprodukt ausgeschlossen. Eben darum reproduzieren sich die Klassen im Kapitalismus. Andersherum heißt das, dass gerade indem die Menschen sich als gleiche, als bloß Warenbesitzer behandeln, sind die Klassenunterschiede ein Resultat der kapitalistischen Produktionsweise. Es ist also keineswegs, wie Kurz behauptet, ein Klassenmarx und ein anderer, der über den Fetischcharakter der Waren und somit auch der Arbeitskraft, schrieb.

Offenbar verwechselt die Krisis die Politik des DGB mit marxistischer Politik. Sie affirmiert die Sachzwangargumente der Kapitalisten, bekommt Mitleid, und setzt alle wieder in ein Boot, nämlich gegen den »Arbeitsfetisch« - Was wohl soviel heißen soll wie: »Gegen die Lohnarbeit durch Abschaffung des Lohnes.« (sg)


Streitblatt - webmaster@streitblatt.de - Letzte Änderung: 14. Mai 2000.