Kapital-Glossar

Eine Erklärung des Kapitalismus, die sich als eine fortwährende Kritik an Begriffen und deren Präzisierung und Konkretisierung darstellt, lässt sich schwerlich in eine lexikalische Kurzdarstellung einzelner Begriffe übersetzen. Dieses Glossar macht nicht einmal den Versuch. In apodiktischer Form wird der Umfang der Begriffe bloß angerissen. Die angegebenen Seitenzahlen verweisen auf die Kapitel des ›Kapitals‹, in denen Marx den jeweiligen Begriff einführt. Als wesentlich umfangreicheres Verzeichnis sei Konrad Lotters Marx-Engels-Begriffslexikon (C.H.Beck: 1984) empfohlen, wo auch der Versuch gemacht wird, die Entwicklung der Begriffe von ihrer allgemeinsten bis zur konkretesten Verwendung nachzuzeichnen.

Akkumulation

Akkumulation ist &Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter. &Mehrwert wird nicht vom Kapitalisten unproduktiv verausgabt, sondern wieder in Kapital umgewandelt.

Mit dieser Konzentration des Kapitals durch Akkumulation geht die Zentralisation bereits gebildeter Kapitalien einher.

Mit der Akkumulation steigt die organische &Zusammensetzung. Das bedeutet die Erzeugung und Vermehrung einer relativen Übervölkerung (relative Abnahme des &variablen Kapitals) und der immer vollständigeren Unterwerfung der Arbeiter (Zunahme des &konstanten Kapitals) unter die Bedürfnisse des Kapitals. »Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol« (23/674).

K1: Kapitel 21 bis 25 (besonders S.505-615)

Arbeit und Arbeitskraft

Arbeit ist Verausgabung menschlicher Arbeitskraft. Als Tätigkeit kann sie nicht gekauft werden und hat daher auch keinen Wert. Käuflich ist nur die Arbeitskraft. Der Wert der Arbeitskraft entspricht dem Wert der Lebensmittel, die der Arbeiter zu seinem Lebensunterhalt braucht. Wie bei allen &Waren ist der Wert der Arbeitskraft daher die bei ihrer (Re)Produktion vergegenständlichte Arbeitszeit, d.h. die zum Unterhalt des Arbeiters nötigen Lebensmittel. Allerdings kann der Arbeiter länger arbeiten als notwendig um den &Wert seiner Tagesarbeitskraft (der ihm im Arbeitslohn bezahlt wird) zu reproduzieren. Diese Mehrarbeit ist die Quelle des &Mehrwerts.

Durch die Arbeit eignet der Mensch sich die Natur in einer für ihn brauchbaren Form an.

K1: Kapitel 5 (besonders S.181-187, 192-200), auch: S.56-62.

Austausch

Im Kapitalismus werden &Waren für den Austausch produziert. Als Waren haben die Produkte der unabhängig voneinander betriebenen Privatarbeiten zwar einen Gebrauchswert (&Wert), aber nicht für ihren unmittelbaren Produzenten. Der Gebrauchswert und damit auch der Wert der Ware kann sich nur im Austausch realisieren. Indem er den Wert seiner Waren in Geld realisiert kann sich der Verkäufer seine Gebrauchswerte verschaffen.

Der Warentausch ist ein Austausch von Äquivalenten. Die Sphäre des Warentauschs ist daher eine Sphäre der Freiheit, Gleichheit und der Menschenrechte. Wegen des stofflichen Inhalts des Warentauschs schlägt der Austausch von Äquivalenten in sein Gegenteil um: Obwohl zwischen Kapitalist und Arbeiter gerecht getauscht, d.h. Arbeitskraft zum wirklichen Wert gekauft wird, kann sich der Kapitalist beständig das Arbeitsprodukt ohne Äquivalent aneignen.

K1: Kapitel 2, auch: S.180, 189f, 609f

Fetischismus

Die Privatarbeiten müssen sich als gesellschaftliche Arbeit bewähren. Dazu bedarf es der Vermittlung durch den &Austauschprozess. Weil die Individuen dabei nie gesellschaftlich handeln, sondern nur mit Dingen in Beziehung kommen, erscheinen die gesellschaftlichen Verhältnisse als Verhältnisse von Dingen. (Auch der Käufer oder Verkäufer bezieht sich immer nur auf die sachlichen Eigenschaften seines Dings.) Die Gesetze der kapitalistischen Produktion erscheinen daher als Naturgesetze.

K1: Kapitel 1.4

Geld

Das Geld dient als allgemeinen Äquivalent. Jede Ware drückt seinen Wert in ihm aus. Das Geld vermittelt den Austausch. Geld ist Maß der Werte und Maßstab der Preise. Die Zirkulation (W — G — W) löst den Widerspruch von Gebrauchswert und Wert, indem sie die Schranken des unmittelbaren Produktentauschs überwindet und in den Gegensatz von Kauf und Verkauf spaltet. Kauf und Verkauf gehören aber innerlich zusammen; ihre Trennung schafft die Möglichkeit der Krisen.

K1: Kapitel 3

Ideologie

Ideologien meinen durch Veränderungen des Bewusstseins die gesellschaftliche Praxis zu verändern (sie erkennen also deren Ursache bzw. Notwendigkeit nicht). Wegen des Fetischcharakters der ökonomischen Kategorien misslingt dem ideologischen Bewusstsein deren Auflösung in die gesellschaftlichen Verhältnisse, die sie erzeugen. Dabei verschwinden die spezifischen Zwecke und Ursachen und nur mehr die jeweilige Kategorie ›an sich‹ verbleibt. Alle Veränderung, die angesichts solcher naturalisierter Kategorien noch möglich ist, betrifft die Stellung des Bewusstseins zu ihnen. Als Naturgesetze können sie nur mehr die Mittel sein. Das ideologische Bewusstsein erkennt nicht, dass seine Falschheit stets die Falschheit der Verhältnisse ist.

K1: 85-98, 393, Anm.89

Kapital

Kapital ist &Wert, der sich selbst verwertet. Der Wert ist das Subjekt des Kapitalkreislaufs. Seine quantitative Vermehrung ist sein Zweck. Das Kapital ist kein Ding, sondern ein Produktionsverhältnis, das sich in verschiedenen Formen zeigt. Der Kapitalist ist das personifizierte Kapital. Der Kreislauf des Kapitals ist die Einheit von Produktions- und Zirkulationsprozess.

K1: Kapitel 4 (besonders S.164f, 247); auch K2: 104-109; K3: 822f.

 

Variables und konstantes Kapital

Das konstante Kapital wird für &Produktionsmittel, den objektiven Produktionsfaktor, vorgeschossen; das variable Kapital wird für den Kauf von Arbeitskraft vorgeschossen; es ist der subjektive Produktionsfaktor (Arbeit ist die Tätigkeit, mit der die Produktionsmittel bearbeitet werden). Beide Kapitalteile stehen in einem genau aufeinander abgestimmten Verhältnis (technische &Zusammensetzung), das sich aus dem Produktionsprozess ergibt. Produktionsmittel können nur eine bestimmte Menge Arbeit einsaugen; eine gegebene Menge Arbeit nur eine bestimmte Menge Produktionsmittel bearbeiten.

Der &Wert der Ware Arbeitskraft ändert sich natürlich genauso wenig wie der Wert der Produktionsmittel. Der Gebrauch der Arbeitskraft durch den Kapitalisten schafft ihm aber mehr Wert, als für die Arbeitskraft vorzuschließen war. Darum heißt dieser Teil des Kapitalvorschusses variabel. Der Wert der Produktionsmittel kann dagegen bestenfalls vollständig auf das Produkt übertragen werden.

K1: Kapitel 6, besonders S.222-224

Fixes und zirkulierendes Kapital

Die Elemente des fixen Kapitals bleiben als &Gebrauchswert über den &Produktionsprozess erhalten und geben entsprechend ihrer Lebensdauer &Wert an das Produkt ab; sie bestehen vor allem aus den Arbeitsmitteln (Maschinen, Gebäude, Werkzeuge). Die Elemente des zirkulierenden &Kapitals werden im Produktionsprozess vollständig verbraucht und müssen in jeder Produktionsperiode ersetzt werden; sie bestehen aus dem Arbeitsgegenstand, den Roh- und Hilfsstoffen und der Arbeitskraft. Konstantes zirkulierendes Kapital gibt in jeder Produktionsperiode seinen gesamten Wert an das Produkt ab.

K2: Kapitel 8, besonders S.158f

Warenkapital, Geldkapital, produktives Kapital

Das Kapital nimmt in seiner Kreislaufbewegung die drei Formen Geldkapital, produktives Kapital und Warenkapital an. Es ist sowohl in jeder dieser Formen fixiert (da es eine Funktion zu vollziehen hat), als auch fortschreitend (weil es sich nur so verwertet). Geldkapital wird zum Kauf von Produktionsmitteln und Arbeitskraft vorgeschossen. In ihrer Kombination stellen sie produktives Kapital dar. Als Warenkapital stellt sich sowohl das Produkt als auch der Vorrat an Produktionsmitteln dar.

K2: Kapitel 1 bis 4, besonders S.34,43,58,104-108

Mehrwert

Der Teil des Arbeitstags, in dem der Arbeiter den Wert seiner &Arbeitskraft reproduziert, heißt notwendige Arbeitszeit; sie ist in jeder Gesellschaftsform zu verrichten. Der darüber hinausgehende Teil ist die Mehrarbeit. Der Wert, der in der Mehrarbeitszeit geschaffen wird ist der Mehrwert. Nur durch die Produktion von Mehrwert kann sich das Kapital verwerten; um diese Verwertung zu verbessern, versucht das Kapital immer mehr Mehrwert aus den Arbeitern herauszuholen. Die Form in der den Arbeitern der Mehrwert abgepresst wird unterscheidet sich in verschiedenen &Produktionsweisen.

K1: Kapitel 14, besonders S.231

Absoluter Mehrwert

Die Produktion des absoluten Mehrwerts besteht darin, den Arbeitstag zu verlängern, wodurch die Mehrarbeitszeit und damit der produzierte Mehrwert zunimmt. Das Minimum des Arbeitstags ist durch die notwendige Arbeitszeit bestimmt, das Maximum durch physische und moralische Schranken, die im Klassenkampf festgelegt werden.

K1: Kapitel 5 bis 9, besonders S. 246-48, 334, 532

Relativer Mehrwert

Die Produktion des relativen Mehrwerts besteht darin, die notwendige Arbeitszeit zu verkürzen, wodurch der Teil des produzierten Werts, den sich der Kapitalist aneignen kann, zunimmt. Das geschieht, indem die Produktivkraft der Arbeit erhöht wird und so die Lebensmittel des Arbeiters in kürzerer Zeit herzustellen sind. In der Kooperation macht sich der Kapitalist die Produktivität gemeinsamer Arbeit zunutze, in der Manufaktur die Produktivitätssteigerungen, die möglich werden durch die  Arbeitsteilung; in der großen Industrie schließlich wird der Produktionsprozess wissenschaftlich analysiert und in seine einfachsten Bestandteile zerlegt.

K1: Kapitel 10 bis 13, besonders S. 334, 532

Preis

Der Preis einer Ware ist ihr Wertausdruck in der Geldware: x Ware A = y Gold. Er ist eine ideelle, nicht handgreifliche Form.

Der Marktpreis einer Ware kann von ihrem Wert abweichen. Im Durchschnitt entspricht jedoch der Preis dem Wert, denn das Gesamtprodukt, das getauscht werden kann, hat einen festen Wert.

K1: 84, 110-118; K3: 182-209

Produktion

Produktionsmittel

Die Produktionsmittel sind Arbeitsgegenstand (Erde, Roh- und Hilfsstoffe) und Arbeitsmittel (Werkzeuge, Gebäude). Bei der Produktion werden diese Produktionsmittel durch Arbeit verbraucht.

K1: 193-199

Produktionsprozess

Der Produktionsprozess ist Einheit von Arbeitsprozess und Verwertungsprozess.

K1: 209-212; K2: 351

Produktionsverhältnisse

Die Produktionsverhältnisse, sind die gesellschaftlichen Voraussetzungen unter denen produziert wird: Eigentumsverhältnisse, Verteilung des Gesamtprodukts, Klassenverhältnisse, Besitz an Produktionsmitteln.

K1: 99

Produktionsweise

Die Produktionsweise ist die Einheit von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. Ihr entsprechen bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen (13/8f).

K1: 183

Reproduktion

Jede Gesellschaft muss ihre materiellen Grundlagen erneuern um den Produktionsprozess fortsetzen zu können. Der Reproduktionsprozess besteht aus der unmittelbaren Produktion und der Zirkulation. Der Wert des Warenprodukts muss realisiert werden (&Geld) und wieder in die Form umgewandelt werden, in der sich der Produktionsprozess fortsetzen lässt. Wird der ganze &Mehrwert von Kapitalisten unproduktiv konsumiert, so findet einfache Reproduktion statt; wenn der Mehrwert (zum Teil) in zusätzliche Produktionsmittel angelegt, also in Kapital verwandelt wird, so findet Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter statt (&Akkumulation).

Der kapitalistische Reproduktionsprozess ist gleichzeitig Reproduktion des Kapitalverhältnisses.

K1: Kapitel 21 und 22

Profit

Der Profit ist der Mehrwert in mystifizierter Form: er scheint nicht in der (Mehr)arbeit, sondern im Kapital seine Ursache zu haben. Die Profitrate ist das Verhältnis von Mehrwert zum Gesamtkapital (sie hängt daher von der Mehrwertrate und der organischen Zusammensetzung ab). Die Profitraten in verschiedenen Geschäftssphären gleichen sich aus, weshalb die Waren nicht zu ihren Werten verkauft werden.

K3: Kapitel 1 bis 7, besonders S.46, 51-54 (

Ware

Die Ware ist die Einheit des Gegensatzes von Wert und Gebrauchswert. Ihre Herstellung muss daher Arbeit gekostet haben; sie muss außerdem ein gesellschaftliches Bedürfnis befriedigen. Ein Produkt ist nur dann eine Ware, wenn es für den Austausch produziert wurde. Der Widerspruch der Ware stellt sich im &Austausch als Widerspruch von Gebrauchswert und Tauschwert dar. Weil der Kapitalismus immer mit der Produktion und der Zirkulation von Waren zu tun hat und diese Waren immer gleichzeitig (Einheit!) als &Werte und Gebrauchswerte zählen, entfaltet sich dieser Widerspruch in allen ökonomischen Kategorien, die gleichzeitig mystifiziert werden (&Fetischismus).

K1: Kapitel 1, besonders S.49f, 55, 62, 56f

Wert und Gebrauchswert

Waren haben Gebrauchswert und Wert. Der Gebrauchswert befriedigt ein menschliches Bedürfnis; er hat also ein subjektives Moment (das Bedürfnis, ohne das kein Gebrauchswert existiert) und ein objektives (dieses Bedürfnis muss durch den Gegenstand befriedigt werden). Der Wert einer Ware ist die zu ihrer Herstellung gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit. Diesen Wert sieht man der Ware nicht an: er kann nur erscheinen im Austauschverhältnis als Tauschwert.

K1: 50-61

Zusammensetzung des Kapitals

Das Verhältnis  zwischen dem konstanten Kapitalteil (entspricht dem Wert der Produktionsmittel) und dem variablen (entspricht dem für Arbeitskraft vorgeschossenen Teil) heißt Wertzusammensetzung des Kapitals. Das Verhältnis zwischen den Produktionsmitteln und der zur ihrer Anwendung nötigen Arbeit heißt technische Zusammensetzung des Kapitals. Mit organischer Zusammensetzung des Kapitals meint Marx die Wertzusammensetzung, allerdings nicht so wie sie sich zufällig ergibt, sondern »insofern sie durch seine technische Zusammensetzung bestimmt wird«, konstantes und variables Kapital also stofflich in dem Verhältnis stehen, das der Produktionsprozess verlangt.

K1: 640f