Der Gesamtumschlag des vorgeschoßnen Kapitals. Umschlagszyklen

Der Durchschnitt der Umschlagszeiten des zirkulierenden und der verschiedenen Bestandteile des fixen Kapitals ergibt die Gesamtumschlagszeit. Das der Wert des fixen Kapitals von seinem Gebrauchswert getrennt zirkuliert, erfordert dessen Erneuerung einen Zyklus von Umschlägen, die den materiellen Grund für die periodischen Krisen abgeben.

(1)    »Der Gesamtumschlag des vorgeschoßnen Kapitals ist der Durchschnittsumschlag seiner verschiednen Bestandteile«

(2)   Die qualitativ verschiedenen Formen des Umlaufs erscheinen in der Form G´…G´ als nur quantitativ verschiedene.

Die verschiednen Bestandteile des Kapitals zirkulieren mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Von einem Gesamtumschlag kann nur mit der Einschränkung gesprochen werden, dass die Elemente des fixen Kapitals stofflich nach unterschiedlicher Zeit erneuert werden. In der Gesamtumschlagsperiode ist wohl der Kreislauf des Werts, nicht aber die stoffliche Reproduktion des fixen Kapitals abgeschlossen. Der Gesamtumschlag kann daher nur auf Basis der Form G´…G´ betrachtet werden (die sich nochmals als sachlich unterschiedener Kreislauf erweist).

(3)   Der umgeschlagene Kapitalwert kann größer sein als der Gesamtwert des Kapitals.

 

€ 100 000

10 Jahre

€ 10 000

€ 20 000

2 Monate

€ 120 000

€ 120 000

 

€ 130 000

 

(4)   Der Wertumschlag trennt sich von seiner Reproduktionszeit.

Im Laufe eines Jahres schlägt das zirkulierende Kapital eventuell mehrmals um, im jeweiligen Produktionsprozess ist aber nicht mehr Kapital vorhanden (einfache Reproduktion unterstellt). Zu unterscheiden ist also Wert (und Masse) des im Produktionsprozess befindlichen Kapitals und das jährlich Umschlagende.

Die stoffliche Erneuerung der Elemente des fixen Kapitals verlangt mehrere Umschläge: einen Umschlagszyklus. Der durch die Reproduktionszeit bestimmte Umschlagszyklus des fixen Kapitals ist die Grundlage der periodischen Krisen.

Im Zuge der kapitalistischen Entwicklung nimmt der Umfang des fixen Kapitals zu, damit auch die Bedeutung der Umschlagszyklen. Technische Entwicklungen verlängern einerseits die Lebensdauer des fixen Kapitals und damit der Umschlagszyklen, machen aber andrerseits ihren schnelleren Ersatz wegen moralischen Verschleiß´ nötig und verlängern damit die Umschlagszyklen.

»Durch diesen eine Reihe von Jahren umfassenden Zyklus von zusammenhängenden Umschlägen, in welchen das Kapital durch seinen fixen Bestandteil gebannt ist, ergibt sich eine materielle Grundlage der periodischen Krisen, worin das Geschäft aufeinanderfolgende Perioden der Abspannung, mittleren Lebendigkeit, Überstürzung, Krise durchmacht. Es sind zwar die Perioden, worin Kapital angelegt wird, sehr verschiedne und auseinanderfallende. Indessen bildet die Krise immer den Ausgangspunkt einer großen Neuanlage. Also auch die ganze Gesellschaft betrachtet - mehr oder minder eine neue materielle Grundlage für den nächsten Umschlagszyklus.« (S.185f)

(5)   Die Umschlagszeit ist die Zeit, die das ganze Kapital durchschnittlich braucht, um einmal umzuschlagen.

In obigem Beispiel 12/13 Monate 11 Monate. Oder:

€ 180 000

9 Jahre

€ 20 000

€ 20 000

3 Monate

€ 80 000

€ 200 000

3 Monate

€ 100 000

(6)   Die aus der Natur des Kapitals hervorgehenden Verschiedenheiten des Umschlags werden modifiziert durch unterschiedlich Zahlungstermine und unterschiedliche Vorratshaltung.

Die fertige Ware kann aus dem Kapital äußerlichen Gründen als Vorrat gehalten werden (z.B. wegen Auftragsarbeit, Absatzschwierigkeiten). Der als Geld zurückgeflossene Wert kann in unterschiedlichen Perioden zum Kauf von Vorräten an Roh- und Hilfsstoffen angewandt werden; die Zahlung kann, z.B. beim Arbeitslohn, vom Zeitpunkt des Kaufs abweichen.

»Die Rückverwandlung in Geld geht für den in Arbeit ausgelegten Kapitalteil Hand in Hand mit der des in Hilfs- und Rohstoff ausgelegten. Aber die Rückverwandlung des Geldes, einerseits in Arbeitskraft, andrerseits in Rohstoffe, geht getrennt vor sich wegen der besondren Kauf- und Zahlungstermine dieser beiden Bestandteile, von denen der eine als produktiver Vorrat in längern Terminen gekauft wird, der andre, die Arbeitskraft, in kürzern, z.B. wöchentlich.« (S.188)