Die Umlaufszeit

Der Kapitalkreislauf besteht aus der Umlaufs- und der Produktionszeit. Das Kapital verwertet sich nur während der Arbeitszeit, also nicht während Phasen der Produktionszeit, in denen nicht gearbeitet wird und nicht während der Umlaufszeit. Die Umlaufszeit ist darum negative Schranke des Verwertungsprozesses.

(1)    Die Kreislaufzeit besteht aus Umlaufs- und Produktionszeit

 

»Die Dauer seines Aufenthalts in der Produktionssphäre bildet seine Produktionszeit, die in der Zirkulationssphäre seine Zirkulations- oder Umlaufszeit. Die Gesamtzeit, worin es seinen Kreislauf beschreibt, ist daher gleich der Summe von Produktionszeit und Umlaufszeit.« (S.124)

(2)   Der Arbeitsprozess ist nur Teil des Produktionsprozesses

Der Arbeitsprozess ist Teil der Produktionsprozesses, aber nicht während des ganzen Produktionsprozesses wird gearbeitet:

1.       Dauerhaftes konstantes Kapital (Maschinen, Gebäude etc.)

2.       Vorrat von Rohmaterial und Hilfsstoffen.

Auch der Produktionsprozess selbst kann unterbrochen sein (chemische Prozesse, Agrarprodukte usf.); das produktive Kapital ist dann nur latent in der Produktionssphäre.

(3)   Der ganze Produktionsprozess ist zur Herstellung der Ware notwendig, aber nur während des Arbeitsprozesses wird Wert geschaffen

i)       Vorräte sind brachliegendes Kapital, aber vom Produktionsprozess erfordert, daher sind:

ii)      Bedingungen des brachliegendes Kapitals (z.B. Behälter) selbst produktives Kapital; anfallende Arbeitsprozesses schaffen Wert und Mehrwert;

iii)    normale Unterbrechungen des Arbeitsprozesses bilden weder Wert noch Mehrwert;

iv)    notwendige Unterbrechungen des Arbeitsprozesses bilden ebenfalls weder Wert noch Mehrwert, sind aber Produktbilnder; Wert wird evt. übertragen;

v)      dauerhaftes produktives Kapital überträgt Wert, geht aber nicht in die Produktbildung ein;

vi)    der Wert des konstanten Kapitals wird auch dann übertragen, wenn zeitweilig keine Arbeit verrichtet wird.

(4)   Nur während des Arbeitsprozesses verwertet sich das Kapital

Solange der Arbeitsprozess unterbrochen ist, wird vom Kapital keine Arbeit eingesaugt und kein Mehrwert produziert: das produktive Kapital verwertet sich nicht.

»Es ist klar, daß je mehr Produktionszeit und Arbeits- <127> zeit sich decken, um so größer die Produktivität und Verwertung eines gegebnen produktiven Kapitals in gegebnem Zeitraum. Daher die Tendenz der kapitalistischen Produktion, den Überschuß der Produktionszeit über die Arbeitszeit möglichst zu verkürzen. Obgleich aber die Produktionszeit des Kapitals von seiner Arbeitszeit abweichen mag, so umschließt sie stets dieselbe, und ist der Überschuß selbst Bedingung des Produktionsprozesses. Die Produktionszeit ist also stets die Zeit, während deren das Kapital Gebrauchswerte produziert und sich selbst erwertet, daher als produktives Kapital fungiert, obgleich sie Zeit einschließt, worin es entweder latent ist oder auch produziert, ohne sich zu verwerten.« (S. 126f)

(5)   Die Umlaufzeit ist die negative Schranke des Verwertungsprozesses

Auch während des Umlaufs (in der Zirkulationsspähre) verwertet sich das Kapital nicht: der Produktionsprozess ist unterbrochen.

»Die Expansion und Kontraktion der Umlaufszeit wirkt daher als negative Schranke auf die Kontraktion oder Expansion der Produktionszeit oder des Umfangs, worin ein Kapital von gegebner Größe als produktives Kapital fungiert.« (S.127)

Die Vulgärökonomie sieht einen positiven Effekt der Zirkulation auf die Verwertung, weil die Verwertung innerhalb der Zirkulation erscheint:

»Was aber die politische Ökonomie sieht, ist das, was erscheint, nämlich die Wirkung der Umlaufszeit auf den Verwertungsprozeß des Kapitals überhaupt. Sie faßt diese negative Wirkung als positive auf, weil ihre Folgen positiv sind. Sie haftet um so mehr an diesem Schein fest, als er den Beweis zu liefern scheint, daß das Kapital eine, von seinem Produktionsprozeß und daher von der Exploitation der Arbeit unabhängige mystische Quelle der Selbstverwertung besitzt, die ihm aus der Zirkulationssphäre zufließt.« (S.128)

i)       Die kapitalistische Produktionsweise macht verschiedene Umlaufzeiten zum Grund von Preisänderungen (Angleichungen der Profitrate)

ii)      Die Umlaufszeit ist ein Moment der Umschlagszeit und der wiederum gehört der Produktionsprozess an

iii)    Die Bedingungen der produktiven Konsumtion der Arbeitskraft ist der Kauf der Arbeitskraft im Zirkulationsprozess

(6)   Die Metamorphosen W-G und G-W sind im Zirkulationsprozess näher bestimmt als in der einfachen Warenzirkulation

i)       Der Verkauf ist der schwierigste Teil der Metamorphose;

ii)      Im Zirkulationsprozess kann auch der Kauf schwierig werden (Produktionsmittel)

iii)    Die Phasen können zeitlich und räumlich getrennt sein, Einkauf und Verkauf können durch Zirkulationsagenten getätigt werden:

»Der Reproduktionsprozeß schließt beide Funktionen des Kapitals ein, also auch die Notwendigkeit der Vertretung dieser Funktionen, sei es durch den Kapitalisten selbst, sei es durch Lohnarbeiter, Agenten desselben. Dies ist aber ebensowenig ein Grund, die Zirkulationsagenten mit den Produktionsagenten zu verwechseln, als es ein Grund ist, die Funktionen von Warenkapital und Geldkapital mit denen von produktivem Kapital zu verwechseln. Die Zirkulationsagenten müssen bezahlt werden durch die Produktionsagenten. Wenn aber Kapitalisten, die untereinander kaufen und verkaufen, durch diesen Akt weder Produkte noch Wert schaffen, so ändert sich das nicht, wenn der Umfang ihres Geschäfts sie befähigt und nötigt, diese Funktion auf andre abzuwälzen.« (S.129)

iv)    Der Verkauf ist wichtiger als der Kauf

(7)   Die Umlaufszeit ist durch die Eigenschaften der zirkulierenden Ware beschränkt

»Die Grenze der Umlaufszeit des Warenkapitals durch den Verderb des Warenkörpers selbst ist die absolute Grenze dieses Teils der Umlaufszeit oder der Umlaufszeit, die das Warenkapital qua Warenkapital beschreiben kann.« (S.130)