Die drei Figuren des Kreislaufprozesses

(1)    Gemeinsamkeiten

a)       Alle Voraussetzungen des Prozesses erscheinen als sein Resultat

b)      Jedes Moment des Prozesses, also Geldkapital, Warenkapital und produktives Kapital ist Ausgangspunkt, Durchgangspunkt und Punkt der Rückkehr in jedem der drei Kreislaufprozesses.

c)       Der Gesamtprozess des industriellen Kapitals ist die Einheit von Zirkulations- und Produktionsprozess

(2)   Bestimmender Zweck der Kreisläufe ist die Verwertung des Werts

Kreislauf I: Die Verwertung des Werts ist schon in der Form ausgedrückt

Kreislauf II beginnt mit dem Verwertungsprozess

Kreislauf III beginnt mit dem verwerteten Wert

(3)   Der Zusammenhang der Kreisläufe kann nicht aus dem Formwechsel von Geld und Ware erklärt werden

Formell entsprechen Kauf und Verkauf den Gesetzen der einfachen Warenzirkulation. Dieser Formwechsel kann aber nicht den Zusammenhang der Kreisläufe erklären. Was da ge- und verkauft wird schwebt nicht in der Luft. In der einfachen Warenzirkulation wurde abstrahiert von allen weiteren Bestimmungen, denen die Metamorphosen genügen müssen. Im Kreislauf des industriellen Kapitals sind die Käufe durch die zahlungsfähige Nachfrage beschränkt, der gantze Zirkulationsprozess setzt eine bestimmte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums voraus, A und Pm müssen vielmehr als einfach nur nützliche Güter sein: nämlich in bestimmten Proportionen zur Kapitalverwertung dienlich usf.

1.        Die Unterscheidung der Kreisläufe ist ein bloß formaler

Jeder Kreislauf schließt die anderen ein. Das industrielle Kapital befindet sich immer in allen drei Kreisläufen zugleich; sie vollziehen sich kontinuierlich nebeneinander.

»jedes dieser Stadien bedingt nicht nur das andre, sondern schließt es zugleich aus.« (S.106)

Das charakteristische Merkmal der kapitalistischen Produktion ist die Kontinuität. Sie ist bedingt durch die technologische Grundlage (Maschinen brauchen ständig Zufuhr an neuem Rohmaterial), aber auch durch den Zweck der Produktion, Kapital zu verwerten. Das Nacheinander der drei Momente erfordert ihr Nebeneinander; nur wenn Kapital neben seiner produktiven Form gleichzeitig in Form von vorrätigen Hilfs- und Rohstoffen, also in Warenform vorliegt, kann die Produktion ohne Stockungen fortschreiten.

»Das Nebeneinander ist selbst nur Resultat des Nacheinander. Stockt z.B. W´- G´ für einen Teil, ist die Ware unverkäuflich, so ist der Kreislauf dieses Teils unterbrochen und der Ersatz durch seine Produktionsmittel wird nicht vollzogen; die nachfolgenden Teile, die als W´ aus dem Produktionsprozeß hervorgehn, finden ihren Funktionswechsel durch ihre Vorgänger gesperrt. Dauert dies einige Zeit fort, so wird die Produktion eingeschränkt und der ganze Prozeß zum Stillstand gebracht. Jede Stockung des Nacheinander bringt das Nebeneinander in Unordnung, jede Stockung in einem Stadium bewirkt größre oder geringre Stockung im gesamten Kreislauf nicht nur des stockenden Kapitalteils, sondern auch des gesamten individuellen Kapitals.« (S.107)

(4)   Für jede Funktionsform des Kapitals stellt sich der Gesamtkreislauf als spezifischer Kreislauf dar

Der Gesamtkreislauf ist die Sukzession der einzelnen Phasen. Jede Phase ist Anfangs- und Rückkehrpunkt eines besonderen Kreislaufs.

(5)   Die Kontinuität des Kreislaufprozesses verwirklicht sich in der Einheit der Kreislaufprozesse

Das Kapital befindet sich gleichzeitig in allen seinen Phasen.

Die einzelnen Phasen gehen notwendig ineinander über.

Die Kontinuität wird also im Nebeneinander der Phasen verwirklicht.

(6)   Für individuelle Kapitalisten wird der Kreislauf auch mal unterbrochen

Die Wertmassen sind ungleichmäßig auf die verschiedenen Phasen verteilt. Historisch sind auf die verschiedenen Phasen verschiedene Kapitalmengen verteilt (z.B. ist die Masse des Kapitals in Geldform von der Geschwindigkeit der Zirkulation abhängig, die Menge der Vorräte von der Zuverlässigkeit der Versorgung und des Transportwesens). Andere Ungleichmäßigkeiten der Verteilung können durch die Ware oder, z.B. in der Landwirtschaft, durch die Jahreszeiten zustande kommen.

(7)   Kapital ist also Bewegung: Die reale Verselbständigung des Werts

Die Bewegung des Kapitals beruht auf einem Klassenverhältnis. Die Bewegung beruht auf gewissen Bedingungen:

»Diejenigen, die die Verselbständigung des Werts als bloße Abstraktion betrachten, vergessen, daß die Bewegung des industriellen Kapitals diese Abstraktion in actu ist. Der Wert durchläuft hier verschiedne Formen, verschiedne Bewegungen, in denen er sich erhält und zugleich verwertet, vergrößert. Da wir es hier zunächst mit der bloßen Bewegungsform zu tun haben, werden die Revolutionen nicht berücksichtigt, die der Kapitalwert in seinem Kreislaufsprozeß erleiden kann; aber es ist klar, daß trotz aller Wertrevolutionen die kapitalistische Produktion nur solange existiert und fortexistieren kann, als der Kapitalwert verwertet wird, d.h. als verselbständigter Wert seinen Kreislaufsprozeß beschreibt, solange also die Wertrevolutionen in irgendeiner Art überwältigt und ausgeglichen werden.« (S.109)

›Wertrevolutionen‹ müssen ausgeglichen werden: Der Verwertunghszweck muss bestimmenden bleiben.

»Je akuter und häufiger die Wertrevolutionen werden, desto mehr macht sich die automatische, mit der Gewalt eines elementaren Naturprozesses wirkende Bewegung des verselbständigten Werts geltend gegenüber der Voraussicht und Berechnung des einzelnen Kapitalisten, desto mehr wird der Lauf der normalen Produktion untertan der anormalen Spekulation, desto größer wird die Gefahr für die Existenz der Einzelkapitale. Diese periodischen Wertrevolutionen bestätigen also, was sie angeblich widerlegen sollen: die Verselbständigung, die der Wert als Kapital erfährt und durch seine Bewegung forterhält und verschärft.« (S.109)

Die Verselbständigung des Werts wird eingeleitet durch den Kauf der Arbeitskraft und Verwirklicht im Produktionsprozess (als Ausbeutung). Der Wert bleibt im Nacheinander mit sich selbst identisch und wird mit sich selbst verglichen.

(8)   Störungen

a)       Wertschwankungen, bzw. Preisschwankungen, wenn nicht zum Wert verkauft wird

b)      Technische Revolutionen entwerten das Kapital eines individuellen Kapitalisten

c)       Ein Wechsel der Wertelemente des produktiven Kapitals wirkt auf einen evt. Warenvorrat zurück

d)      Äußere Störungen, z.B. Wertsteigerungen lassen die realisierten Geldmittel nicht ausreichen um das produktive Kapital zu ersetzen; es wird jetzt mehr Geldkapital gebunden, um auf gleicher Stufenleiter zu produzieren.

e)       Mit zunehmend größeren Störungen wird immer mehr Geldkapital gebraucht, um einen Ausgleich der Störungen abwarten zu können. Die Funktion des industriellen Kapitalisten wird so immer mehr zum »Monopol großer Geldkapitalisten« (S.111)

i)       Im Produktionsprozess nimmt die Größe des vorzuschließenden Kapitals zu (es muss ausreichen, von der Revenue den Kapitalisten zu unterhalten und es muss groß genug sein um auf dem jeweiligen Stand der Technik produzieren zu können, also Kooperation, Arbeitsteilung und verfügbare Maschinerie ausnützen)

ii)      Im Zirkulationsprozess muss der Kapitalist umso mehr Geldkapital besitzen, je größer die Störungen ausfallen »und da im Fortgang der kapitalistischen Produktion sich die Stufenleiter jedes individuellen Produktionsprozesses, und mit ihm die Minimalgröße des vorzuschießenden Kapitals erweitert, so kommt jener Umstand zu den andren, die die Funktion des industriellen Kapitalisten mehr und mehr in ein Monopol großer Geldkapitalisten, vereinzelter oder assoziierter, verwandeln.« (S.111)

(9)   Geldkapital und Reproduktion

Für neu angelegtes Kapital nimmt die Geldsumme mit dem Wert der Produktionsmittel zu: der Mindestumfang ist nur von der Masse, nicht vom Wert der Produktionsmittel abhängig.

Bei W’...W’ und P...P geht es um die Reproduktion: bei Wertwechseln wird auf erweiterter oder gleicher Stufenleiter reproduziert oder Vorräte bzw. Geldfonds auf/abgebaut.

Wertwechsel können modifizierend auf die im Produktionsprozess stehenden Güter einwirken: der Ersatz kann zwar billiger sein, aber eventuell vorhandene Vorräte werden auch entwertet.

Je nach Zirkulationsgeschwindigkeit ist mehr oder weniger Geldkapital notwendig.

(10) Verschiedene historische Produktionsweise verschlingen sich

Der Zirkulationsprozess setzt zwar voraus, dass Waren und Geld vorhanden sind; dabei muss es sich – bei der einfachen Zirkulation! – nicht um Warenkapital oder Geldkapital handeln.

»Innerhalb seines Zirkulationsprozesses, wo das industrielle Kapital entweder als Geld oder als Ware fungiert, durchkreuzt sich der Kreislauf des industriellen Kapitals, sei es als Geldkapital oder als Warenkapital, mit der Warenzirkulation der verschiedensten sozialen Produktionsweisen, soweit letztre zugleich Warenproduktion ist.« (S.113)

»das Geld fungiert hier als Weltgeld« (S.113),

also in der abstraktesten Erscheinungsform des Geldes.

Die Herkunft der Waren ist zwar im Produktionsprozess ausgelöscht, aber zur Reproduktion kann der Kapitalismus auf außer ihm liegende Produktionsweisen angewiesen sein. Durch das ›Hineinziehen‹ in den Zirkulationsprozess werden alle Produktionen zu Warenproduktionen. Die entwickelte Warenproduktion ist die kapitalistische und diese verwandelt die unmittelbaren Produzenten in Lohnarbeiter.

Die in den Produktionsprozess eingehenden Waren sind schon in der Form des Kaufmannskapitals, erscheinen also ungeachtet ihrer Herkunft stets als Kapital.

(11) Der Zirkulationsprozess ist durch die allgemeinen Gesetze bestimmt; sie erklären aber nicht wie die Zirkulationsvorgänge funktionell bestimmte Abschnitte im Kreislauf der Einzelkapitalien bilden

Das industrielle Kapital braucht umso weniger zirkulierendes Kapital in je größerem Maße Geld als Zahlungsmittel verwendet wird.

Die Gesetze der allgemeinen Zirkulation erklären nicht, wie sich die einzelnen Teile des gesellschaftlichen Gesamtkapitals wechselseitig ersetzen.

»Aber die Gesetze der allgemeinen Warenzirkulation gelten nur, soweit der Zirkulationsprozeß des Kapitals eine Reihe einfacher Zirkulationsvorgänge, nicht aber, soweit letztre funktionell bestimmte Abschnitte des Kreislaufs individueller industrieller Kapitale bilden.« (S.117)

Die Verschlingung der Warenmetamorphosen wird durch die Gesetze der einfachen Warenzirkulation bestimmt: W-G für den Verkäufer ist G-W für der Käufer; im jetzt betrachteten Fall geht es aber nicht allein um die Verschlingung der Warenmetamorphosen, sondern um die Verschlingung der Kapitale, die eine Metamorphose durch ihre Funktionen durchmachen:

                  i.      In G-Pm können sich die Metamorphosen verschiedener Kapitalien verschlingen, sie müssen aber kein Warenkapital sein; in G-A verschlingen sich nie Kapitalmetamorphosen, weil Arbeitskraft nie Kapital in den Händen des Arbeiters ist.

                 ii.      Der Metamorphose W’-G’ kann auf Seiten des Käufers ein G-W entsprechen, das nicht der Kapitalzirkulation angehört; ebenso kann G’-W’ beim Verkäufer z.B. in die Revenueverausgabung eingehen.

Die Metamorphose des Kapitals ist der einfachen Warenzirkulation äußerlich.

(12) Produktionsform und Verkehrsform

Der Kreislaufprozess ist die Einheit von Produktions- und Zirkulationsprozess. Nur in dieser Eingeit kann die kapitalistische Produktionsweise erklärt werden.

Begriffe wie ›Naturalwirtschaft‹, ›Geldwirtschaft‹ und ›Kreditwirtschaft‹ sind darum ungenau:

                i.      Geldwirtschaft und Kreditwirtschaft sind keine Gegensätze, sondern Verkehrsformen auf verschiedener Entwicklungsstufe

              ii.      ›Naturalwirtschaft‹ kennzeichnet eine Produktionsform, ›Geld-‹ und ›Kreditwirtschaft‹ eine Verkehrsform

             iii.      »Geldwirtschaft ist aller Warenproduktion gemein« (S.119) Die verschiedenen Entwicklungsstufen unterscheiden sich nur dem Umfang nach.

»In dem Verhältnis zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter wird das Geldverhältnis, das Verhältnis von Käufer und Verkäufer, ein der Produktion selbst immanentes Verhältnis. Dies Verhältnis aber beruht der Grundlage nach auf dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion, nicht der Verkehrsweise« (S.120)

(13) Die Nachfrage des Kapitalisten ist kleiner als seine Zufuhr

»Soweit er bloß als Personifikation des Kapitals fungiert, als industrieller Kapitalist, ist seine Zufuhr von Warenwert stets größer als seine Nachfrage nach Warenwert. Deckung seiner Zufuhr und seiner Nachfrage in dieser Beziehung wäre gleich Nichtverwertung seines Kapitals« (S.120)

Der Kapitalist verkauft teurer als er gekauft hat, weil die Waren Wert zugesetzt haben; er muss so teuer und zugleich so billig wie möglich verkaufen.

Der Kapital verwertet sich um so besser, je weniger sich seine Nachfrage und seine Zufuhr decken. Das gilt auch dann, wenn man die Löhne der Arbeiter einbezieht; v stellt sich in Lebensmitteln dar, was aber nichts daran ändert, dass

Auch der schnellere oder langsamere Umschlag des Kapitals ändert an diesem Verhalten nichts.

Der Kapitalist kann zwar als Privatmann Revenue verausgaben, seine Nachfrage als Kapitalist ist dennoch kleiner als seine Zufuhr.

Die Produktion muss also auf erweiterter Stufenleiter geschehen:

                i.      Begrifflich ist der Kapitalismus aufgehoben, wenn man den Genuss als treibendes Moment sähe.

              ii.      Technisch muss er akkumulieren um sich den technischen Fortschritt nutzbar zu machen.