Einfache Reproduktion

des gesellschaftlichen Gesamtkapitals

(1)    Stellung der Frage

Die Reproduktion des individuellen Kapitals (Ersatz der Produktionsmittel und Reproduktion des Klassenverhältnisses) war Gegenstand von KI-21; der Einfluss des Zirkulationsprozesses auf die Akkumulation wurde in KII-17 untersucht.

a)      Aus dem Jahresprodukt wird der Konsum und der Ersatz der Produktionsmittel bestritten. Der Reproduktionsprozess »umschließt ebensowohl die Reproduktion (d.h. Erhaltung) der Kapitalistenklasse und der Arbeiterklasse, daher auch die Reproduktion des kapitalistischen Charakters des gesamten Produktionsprozesses« (S.391)

b)      Der Reproduktionsprozess muss stofflich und wertmäßig untersucht werden.

»Wie wird das in der Produktion verzehrte Kapital seinem Wert nach aus dem jährlichen Produkt ersetzt, und wie verschlingt sich die Bewegung dieses Ersatzes mit der Konsumtion des Mehrwerts durch die Kapitalisten, und des Arbeitslohns durch die Arbeiter?« (S.392)

(2)    Die zwei Abteilungen des gesellschaftlichen Produktion

Das gesellschaftliche Gesamtprodukt zerfällt in Produktionsmittel (Abteilung I) und Konsumtionsmittel (Abteilung II). Das Kapital jeder Abteilung zerfällt in variables und konstantes.

 

I. Produktion von Produktionsmitteln

Kapital

4000c + 1000v = 5000

Warenprodukt (Produktionsmittel)

4000c + 1000v + 1000m= 6000

II. Produktion von Konsumtionsmitteln

Kapital

2000c + 500v = 2500

Warenprodukt (Konsumtionsmittel)

2000c + 500v + 500m= 3000

Gesamtproduktion (I+II)

6000c + 1500v + 1500m= 9000

(3)    Der Umsatz zwischen beiden Abteilungen

Arbeitslohn und Mehrwert der Abteilung I müssen sich umsetzen in das Warenprodukt der Abteilung II. Abteilung II muss – um sein konstantes Kapital ersetzen zu können – Konsumtionsmittel gegen m und v der Abteilung I umsetzen. Daher ist vI + mI = cII.

Der wechselseitige Umsatz wird durch die Geldzirkulation vermittelt und verdunkelt.

(4)    Der Umsatz innerhalb Abteilung II

Abteilung II produziert Lebensmittel (IIa) und Luxusgüter (IIb; hier: Güter, die nur in die unproduktive Konsumtion der Kapitalisten eingehen). Sie stehen in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Der Anteil der Luxuskonsumtion ist beliebig; in entsprechendem Verhältnis muss sich der Mehrwert aus Ia in Konsumtionsausgaben aus IIb (Arbeitslohn und der Mehrwertteil, der nicht in Luxusproduktion eingeht).

(5)    Die Vermittlung der Umsätze durch die Geldzirkulation

Das vorgeschossene Kapital fließt immer in Geldform zurück. Individuelle Kapitalisten ziehen mehr Geld aus der Zirkulation, als sie in sie hineinwerfen; sie müssen als Individuen aber auch unproduktiv konsumieren. »Mit Bezug auf die ganze Kapitalistenklasse erscheint aber der Satz, daß sie das Geld zur Realisation ihres Mehrwerts (resp. auch zur Zirkulation ihres Kapitals, konstanten und variablen) selbst in die Zirkulation werfen muß, nicht nur nicht paradox, sondern als notwendige Bedingung des ganzen Mechanismus« (S.419)

(6)    Das konstante Kapital der Abteilung I

Der konstante Kapitalteil befindet sich in einer Naturalform, in der er unmittelbar wieder als konstantes Kapital fungieren kann. Ein andren Teil muss erst gegen Abteilung II ausgetauscht werden, um zur Konsumtion dienen zu können. Freilich muss Austausch zwischen einzelnen Kapitalisten der Abteilung I stattfinden.

(7)    Variables Kapital und Mehrwert in beiden Abteilungen

Das Wertprodukt eines Jahres ist gleich dem Wert der produzierten Konsumtionsmittel. Der Wert der Konsumtionsmittel ist aber nicht in Abteilung II produziert worden. (Der Wert der in die Konsumtionsmittel eingegangenen Produktionsmittel ist in Abteilung I erzeugt worden.)

(8)    Das konstante Kapital in beiden Abteilungen

Produktions- und Konsumtionsmittel sind verschiedene Warenarten und darum Produkte unterschiedlicher Arbeiten. Der Teil m + v zeigt sich, da er sich in Konsumtionsmittel darstellt, vom konstanten Kapital, dass sich in Produktionsmitteln darstellt augenfällig verschieden. Aber auch letzteres muss reproduziert werden.#

Das Produkt eines individuellen Kapitalisten kann jede beliebige Naturalform haben. »Anders verhält es sich mit dem Produkt des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. Alle sachlichen Elemente der Reproduktion müssen in ihrer Naturalform Teile dieses Produkts selbst bilden.« (S.430)

(9)    Rückblick

(10) Kapital und Revenue: Variables Kapital und Arbeitslohn

Das variable Kapital ist Kapital in Händen des Kapitalisten und Revenue (Arbeitslohn) in Händen der Arbeiter.

Konstantes Kapital setzt sich in Mehrwert und Arbeitslohn (Revenue) um und umgekert. Die tatsächlichen Verwandlungen des Kapitals im Kreislaufprozess erscheinen in diesem Umsatz kaum mehr.

(11)  Ersatz des fixen Kapitals

»Eine große Schwierigkeit bei Darstellung der Umsätze der jährlichen Reproduktion« (S.446).

(12) Reproduktion des Geldmaterials

Die Goldproduktion gehört zu Abteilung I. Die zirkulierende Warenmasse braucht eine bestimmte Geldmasse zur Zirkulation. Die (übrigen) Kapitalisten ziehen mehr Geld aus der Zirkulation als sie in sie hineinwerfen; die Goldproduzenten werden mehr Geld in die Zirkulation, als sie aus ihr heraushohlen.

(13) Destutt de Tracy