Reproduktion und Zirkulation
 des gesellschaftlichen Gesamtkapitals

 

(1)     

a)      Die Reproduktion des Kapitals verlangt nicht nur den unmittelbaren Produktionsprozess (Band 1), sondern auch dessen Vermittlung durch den Zirkulationsprozess. Die individuelle Reproduktion ist Teil des Kreislaufs des gesellschaftlichen Gesamtkapitals.

»Jedes einzelne Kapital bildet jedoch nur ein verselbständigtes, sozusagen mit individuellem Leben begabtes Bruchstück des gesellschaftlichen Gesamtkapitals, wie jeder einzelne Kapitalist nur ein individuelles Element der Kapitalistenklasse. Die Bewegung des gesellschaftlichen Kapitals besteht aus der Totalität der Bewegungen seiner verselbständigten Bruchstücke, der Umschläge der individuellen Kapitale.« (S.351f)

b)     Der Gesamtprozess besteht aus den Kreisläufen der Einzelkapitale und der allgemeinen Warenzirkulation. Er umfasst produktive und individuelle Konsumtion (und die sie vermittelnden Formverwandlungen).

Zum Gesamtprozess gehört, dass die Arbeiterklasse ihre Ware Arbeitskraft verkauft und Waren für ihre individuelle Konsumtion kauft.

Die Zirkulation des Warenkapitals schließt außerdem die Zirkulation des Mehrwerts ein. (Sie stellt sich in der Zirkulation des Warenkapitals dar.) Ob der Mehrwert produktiv oder individuell konsumiert wird, sein Kreislauf stellt sich immer in Form von Käufen und Verkäufen – also als Zirkulation des Warenkapitals ‑ dar.

Der Gesamtkreislauf umfasst also außer den Kreisläufen der individuellen Kapitalien auch noch den Kreislauf der Waren, die in die individuelle Konsumtion eingehen.

c)      Bei der Analyse des unmittelbaren Produktionsprozesses (Band 1) wurde der Stoffwechsel (Zirkulationsprozess) bloß unterstellt. Im Band 2 wurden zunächst die verschiednen Formen betrachtet, die das Kapital annimmt, dann – in Abschnitt II – Bewegungen der einzelnen Bestandteile durch diese Formen.

»In der Tat, wenn im ersten Abschnitt hauptsächlich betrachtet wurden die sukzessiven Formen, die das Kapital in seinem Kreislauf beständig annimmt und abstreift, so im zweiten Abschnitt, wie innerhalb dieses Flusses und Sukzession von Formen ein Kapital von gegebner Größe sich gleichzeitig, wenn auch in wechselndem Umfang, in die verschiednen Formen von produktivem Kapital, Geldkapital und Warenkapital teilt, so daß sie nicht nur miteinander abwechseln, sondern verschiedne Teile des gesamten Kapitalwerts beständig in diesen verschiednen Zuständen sich nebeneinander befinden und fungieren.« (S.353)

d)     Die Kreisläufe der individuellen Kapitale »verschlingen« sich.

(2)    Geldkapital ist die Form, in der jedes Kapital »auf die Bühne tritt«. Es beschränkt aber gleichzeitig die Menge Kapital, die in produktiver Form existieren kann.

Im Folgenden geht es um die Beziehung von Einzelkapital zum gesellschaftlichen Gesamtkapital. Bei der Untersuchung des Zirkulationsprozesses war zunächst aufgefallen, dass das Einzelkapital offenbar notwendig auch als Geldkapital existieren muss. Was bedeutet das für das Gesamtkapital und die gesellschaftliche Gesamtproduktion? Die Gesamtproduktion scheint sowohl positiv als auch negativ abhängig vom Geldkapital. Positiv, weil sich das Kapital in seinem Kreislauf immer als Geldkapital darstellen muss; negativ, weil das Geldkapital einen Abzug vom gesellschaftlichen Reichtum darstellt.

a)     Die Warenproduktion unterstellt die Waren- und damit die Geldzirkulation.

Das Geldkapital ist der ›Motor‹ der Kapitalzirkulation (das nur zur Veranschaulichung; da das Kapital alle drei Formen durchmachen muss, sind natürlich auch alle drei gleich wesentlich): Das Kapital muss sich periodisch in Geld darstellen.

»Die Verdopplung der Ware in Ware und Geld ist ein Gesetz der Darstellung des Produkts als Ware« (S.355)

Es muss daher genügend Geld vorhanden sein, um die Zirkulation zu ermöglichen. Das heißt aber nicht, dass der Stufenleiter der Produktion durch das verfügbare Geldkapital absolut beschränkt ist. Viele Faktoren des Kapitals sind unabhängig von dieser Größe: Der Ausbeutungsgrad, der ausbeutbare Naturstoff, Ausnutzung der Arbeitsmittel, verbesserte Kombination von Arbeitsmitteln, Erhöhung der Produktivkraft der Arbeit, Zentralisationseffekte, Verkürzung der Umschlagsperiode.

b)     Nur die Produktion, die zum Ersatz verschlissenen Edelmetalls aufgewendet werden muss, ist ein Abzug von der gesellschaftlichen Produktion.

Die Umschlagperiode, ein Faktor der die Geldmenge bestimmt, ist von den materiellen Gegebenheiten der Produktion abhängig, und fällt bei langfristigen Projekten größer aus. Auch bei gesellschaftlicher Produktion wären für die Dauer des Projekts Lebensmittel vorzuschließen.

»Der erste Umstand, daß das vorzuschießende Kapital in Geldform vorgeschossen werden muß, wird nicht aufgehoben durch die Form dieses Geldes selbst, ob es Metallgeld, Kreditgeld, Wertzeichen etc. Der zweite Umstand wird in keiner Weise dadurch affiziert, durch welches Geldmedium oder durch welche Form der Produktion Arbeit, Lebensmittel und Produktionsmittel entzogen werden, ohne ein Äquivalent in die Zirkulation zurückzuwerfen.« (S.358)