Die Umlaufszeit

(1)    Die Umschlagsperiode wird nicht nur durch die Länge der Arbeits- und Produktionszeit, sondern auch durch die Länge der Umlaufszeit bestimmt. Die Umlaufszeit zerfällt in die Verkaufs- und die Kaufzeit.

(2)   Die Verkaufszeit hängt ab von

a.       allgemeinen Schwankungen der Marktverhältnisse;

b.      der Entfernung des Markts;

c.       den existierenden Kommunikations- und Transportmitteln: Verbesserungen kürzen die Verkaufszeit ab und verschieben die relativen Entfernungen, bringen aber nicht die Differenzen in der Umlaufszeit zum Verschwinden;

d.      der Regelmäßigkeit der Verkehrsverbindungen (dann muss nämlich weniger Warenkapital angehäuft werden);

e.       Lieferungskontrakten: »Die hieraus entspringenden Unterschiede in der Umschlagszeit entspringen also aus der Zirkulationssphäre, schlagen aber unmittelbar auf die Produktionssphäre zurück, und zwar abgesehn vor allen Zahlungsterminen und Kreditverhältnissen, also auch bei barer Zahlung« (S.256)

(3)   Die Bemühungen, die Umlaufszeit zu reduzieren, führen zu

a.       Konzentration von Kapital an den Produktions- und Markzentren;

b.      Verschiebung der Produktions- und Marktzentren entsprechend der Verkehrswege; je nach Natur der Produkte spielen die Transportbedingungen eine mehr oder minder große Rolle, leicht verderbliche Ware muss am Ort ihrer Produktion abgesetzt werden und konzentriert sich in den Zentren der Bevölkerung;

c.       der Notwendigkeit für immer entferntere Märkte, d.h., den Weltmarkt zu produzieren;

►Notwendig ist das, weil die Verbesserungen der Verkehrsmittel nicht nur eine Möglichkeit zu diesem Handel eröffnen; indem auf größrer Stufenleiter produziert werden kann, sinkt die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, lokale Stockungen können ausgeglichen werden, etc.

d.      Zunahme des Teils des gesellschaftlichen Reichtums, der in Transport- und Kommunikationsmitteln angelegt ist.

(4)   Die durch den Rückfluss des Geldes verursachten Unterschiede in der Umschlagszeit »bilden eine der materiellen Grundlagen der verschiednen Kredittermine« (254).

(5)   Ein Teil des Kapitals muss ständig in Geldform sein, um nötige Käufe durch führen zu können und weil laufend realisierter Wert als Geld zurückströmt.

Die Verwandlung der Geldes in produktives Kapital hängt ebenfalls von den unter (2) genannten Bedingungen ab. Zudem:

»Man hat ferner gesehn (Kap. VI), wie mit Bezug auf den Einkauf der Waren die Kaufzeit, die größre oder geringre Entfernung von den Hauptbezugsquellen des Rohmaterials es nötig macht, für längre Perioden Rohmaterial einzukaufen und in der Form von produktivem Vorrat, latentem oder potentiellem produktivem Kapital, verwendbar zu halten; daß sie also die Masse des Kapitals, das auf einmal vorgeschossen werden muß, und die Zeit, für die es vorgeschossen werden muß, bei sonst gleicher Stufenleiter der Produktion vergrößert.« (S.257)

Außerdem wird die Kaufzeit durch Marktgepflogenheiten und Spekulationserwägungen beeinflusst.