Die Arbeitsperiode

(1)    Die Umschlagsgeschwindigkeit des zirkulierenden Kapitals wird durch stoffliche Umstände beeinflusst: Manche Produkte brauchen zu ihrer Herstellung länger als nur einen Arbeitstag.

Die Summe der notwendigen Arbeitstage heißt Arbeitsperiode.

»Das Produkt jedes Arbeitstags ist hier nur ein Teilprodukt, welches Tag für Tag weiter ausgeführt wird und erst am Schluß der längern oder kürzern Periode der Arbeitszeit seine fertige Gestalt erhält, ein fertiger Gebrauchswert ist.« (S.233)

(2)   Störungen wirken sich auf die Produktion von Waren mit langer Arbeitsperiode besonders nachteilig aus, weil sie eventuell schon erzeugten Wert vernichten.

»Nicht nur die Arbeit wird unterbrochen, ein zusammenhängender Produktionsakt wird unterbrochen. Wird das Werk nicht weitergeführt, so sind die bereits in seiner Produktion verzehrten Produktionsmittel und Arbeit nutzlos verausgabt. Selbst wenn es wieder aufgenommen wird, hat in der Zwischenzeit stets Deterioration stattgefunden.« (S.233)

(3)   Das fixe Kapital braucht nur einmal vorgeschossen zu werden und gibt beständig Wert während der gesamten Arbeitsperiode ab. Die Auslage in zirkulierendem Kapital muss dagegen beständig erneuert werden.

Praktisch beeinflusst die Länge der Arbeitsperiode die Geschwindigkeit in der das zirkulierende Kapital umschlägt. Während die Umschlagszeit des fixen Kapitals durch die Lebensdauer seiner Elemente bestimmt ist, zumindest solange diese Lebensdauer mehrere Arbeitsperioden umfasst, ist die Umschlagszeit des zirkulierenden Kapitals ganz durch die Arbeitsperiode bestimmt, wenn innerhalb dieser Erneuerung seiner Elemente nötig werden.

»Nicht nur der Wert der verausgabten Arbeitskraft, sondern auch Mehrwert wird beständig während des Arbeitsprozesses auf das Produkt übertragen, aber auf unfertiges Produkt, das noch nicht die Gestalt der fertigen Ware hat, also noch nicht zirkulationsfähig ist. Dasselbe gilt von dem in Roh- und Hilfsstoffen schichtweis auf das Produkt übertragnen Kapitalwert.« (S.234)

(4)   Eine Verlängerung der Arbeitsperiode vermindert die Umschlagsgeschwindigkeit ebenso sehr wie eine Verlängerung der Zirkulationszeit. Der an das Produkt abgegebene Wert kann vor dessen Fertigstellung nicht in die Zirkulation treten. Vielmehr muss beständig weiteres zirkulierendes Kapital zugesetzt werden.

Bei sonst gleichen Umständen schlägt das Kapital mit längerer Arbeitsperiode langsamer um; insgesamt muss mehr Kapital ausgelegt werden.

»Es ist … sowohl die Zeitlänge verschieden, worin sich bestimmte Portionen des Kapitals erneuern, oder die Länge der Vorschußzeit, wie auch die Masse des Kapitals (obgleich das täglich oder wöchentlich angewandte Kapital dasselbe ist), die je nach der Länge des <236> Arbeitsprozesses vorgeschossen werden muß. Der Umstand ist deswegen zu merken, weil die Länge des Vorschusses wachsen kann, … ohne daß deswegen die Masse des vorzuschießenden Kapitals im Verhältnis zu dieser Zeitlänge wächst.« (S.235f)

(5)   Geschäftszweige mit langer Arbeitsperiode, die große Kapitalauslagen erfordern, werden erst dann kapitalistisch betrieben, wenn der Kapitalismus voll entwickelt ist, wenn also ausreichend große Kapitale existieren. Aktiengesellschaften und Kreditwesen leisten hier Hilfe.

»Auf den unentwickelteren Stufen der kapitalistischen Produktion werden Unternehmungen, die eine lange Arbeitsperiode, also große Kapitalauslage für längre Zeit bedingen, namentlich wenn nur auf großer Stufenleiter ausführbar, entweder gar nicht kapitalistisch betrieben, wie z.B. Straßen, Kanäle etc. auf Gemeinde- oder Staatskosten« oder »nur zum geringsten Teil durch das Vermögen des Kapitalisten selbst fabriziert« (S.236).

(6)   Die Arbeitsperiode wird verkürzt, in dem Maße, wie das Produkt eines einzelnen Arbeitstages vermehrt wird, aber oft allein durch Ausdehnung der Kooperation, also durch Wachstum des vorgeschossenen Kapitals.

Die Arbeitsperiode hängt damit ab von der Masse des vorhandenen Kapitals sowie dem Maße seiner Konzentration.

Sie wird beschränkt durch »bestimmte Naturbedingungen« (S.238) und den Stand der wissenschaftlich-technischen Erkenntnis.