Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital

Ricardo

(1)    Ricardo bestimmt, in Anlehnung an Smith, fixes Kapital als Arbeitsmittel, zirkulierendes als in Arbeit ausgelegtes Kapital; er leitet diese Bestimmungen nicht aus dem Verwertungs- sondern aus dem Zirkulationsprozess her.

a)       Ricardo setzt das Verhältnis von konstantem und variablem Kapital gleich mit dem Unterschied in der Dauerhaftigkeit des fixen Kapitals. Das erste Verhältnis bestimmt aber die Produktion von Mehrwert, das zweite nur wie Wert übertragen wird.

»Wenn man, statt das innere Getriebe des kapitalistischen Produktionsprozesses zu durchschauen, sich auf den Standpunkt der fertigen Phänomene stellt, so fallen diese Unterschiede in der Tat zusammen.« (S.218)

b)      »Vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses stehn auf der einen Seite die Arbeitsmittel: fixes Kapital, auf der andern Seite Arbeitsmaterial und Arbeitslohn: flüssiges Kapital. Dagegen vom Standpunkt des Arbeits- und Verwertungsprozesses steht auf der einen Seite: Produktionsmittel (Arbeitsmittel und Arbeitsmaterial), konstantes Kapital; auf der andern Seite Arbeitskraft, variables Kapital.« (S.218)

Vom Standpunkt des zirkulierenden Kapitals erscheint der Unterschied zwischen Arbeitsmaterial und Arbeitslohn gar nicht, weswegen auch der Mehrwert nicht verstanden werden kann. Es ist darum der Standpunkt der bürgerlichen Ökonomie.

Das Arbeitsmittel kommt bei Ricardo nicht vor, weil es nicht in die Unterscheidung passt.

(2)   Der Arbeitslohn wird nicht vorgeschossen, sondern bezahlt.

»Es ändert durchaus nichts an der Sache, daß der Kapitalist das Produkt selbst oder dessen Wert - je nach der verschiednen Zeitdauer, die seine Herstellung erfordert, oder auch nach der verschiednen für seine Zirkulation erforderlichen Zeitdauer nur in kurzem oder längern Terminen (zusammen mit dem ihm einverleibten Mehrwert) aus der Zirkulation zurückerhält oder realisiert. Was der Käufer einer Ware mit derselben anfangen will, ist dem Verkäufer durchaus gleichgültig. Der Kapitalist erhält eine Maschine nicht wohlfeiler, weil er ihren ganzen Wert auf einmal vorschießen muß, während ihm derselbe Wert nur allmählich und stückweis aus der Zirkulation zurückströmt;« (S.219)

(3)   Das variable Kapital ist deswegen variabel, weil sich darin ein Kapitalteil in eine wertschaffende Kraft, Arbeitskraft verwandelt.

»Diese charakteristische Eigenschaft des in Arbeitslohn ausgelegten Kapitalteils, die es als variables Kapital von dem konstanten Kapital toto coelo <in jeder Beziehung> unterscheidet, verschwindet, sobald der in Arbeitslohn ausgelegte Kapitalteil bloß vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses betrachtet wird und so als zirkulierendes Kapital erscheint gegenüber dem in Arbeitsmitteln ausgelegten fixen Kapital.« (S.220)

Im zirkulierenden Kapital werden Elemente zusammengeworfen und damit von ihren Unterschieden abgesehen. Einerseits solches Kapital, das Wert neu zusetzt und Mehrwert schafft. Andrerseits solches Kapital, dessen Wert nur übertragen wird.

»Damit ist der alles entscheidende Unterschied zwischen variablem und konstantem Kapital ausgelöscht, also das ganze Geheimnis der Mehrwertbildung und der kapitalistischen Produktion, die Umstände, die gewisse Werte und die Dinge, worin sie sich darstellen, in Kapital verwandeln, ausgelöscht. Alle Bestandteile des Kapitals unterscheiden sich nur noch durch die Zirkulationsweise« (S.221)

Der Arbeitslohn unterscheidet sich somit nur noch formal vom konstanten Kapital.

►Produktionsfaktoren in der VWL.

(4)   Am Austausch vom Kapital gegen wertschaffende Arbeit ändert es nichts, wenn die Arbeiter mit Lebensmitteln statt mit Geld bezahlt werden.

Während aber offensichtlich ist, dass nicht das Geld in den Produktionsprozess eingeht, können die Lebensmittel z.B. mit Hilfsstoffen verwechselt werden.

Indem eine aus dem Zirkulationsprozess stammende, sekundäre Bestimmung getroffen wird, geht jeder Unterschied zwischen den Produktionsmitteln und der Arbeitskraft flöten. Der Stoff des in Arbeitslohn angelegten Kapitals wird nicht mehr richtig als Arbeit bestimmt, sonder als Lebensmittel.

»Wird dagegen die sekundäre und ihm mit einem Teil des konstanten Kapitals (den Roh- und Hilfsstoffen) gemeinsame Bestimmung des zirkulierenden Kapitals zur wesentlichen Bestimmung des in Arbeitskraft aus gelegten Kapitalteils gemacht - nämlich daß der in ihm ausgelegte Wert sich ganz auf das Produkt überträgt, in dessen Produktion es konsumiert wird, und nicht allmählich und stückweis, wie beim fixen Kapital, daß er daher auch ganz durch den Verkauf des Produkts ersetzt werden muß -, so muß auch der in Arbeitslohn ausgelegte Kapitalteil stofflich nicht aus sich betätigender Arbeitskraft bestehn, sondern aus den stofflichen Elementen, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, also aus dem Teil des gesellschaftlichen Warenkapitals, der in den Konsum des Arbeiters eingeht - aus Lebensmitteln. Das fixe Kapital besteht dann aus den langsamer vergänglichen und daher langsamer zu ersetzenden Arbeitsmitteln, das in Arbeitskraft ausgelegte Kapital aus den rascher zu ersetzenden Lebensmitteln.« (S.224)

(5)   »Damit ist denn die Verwandlung des kapitalistischen Produktionsprozesses in ein vollständiges Mysterium glücklich vollbracht und <228> der Ursprung des im Produkt vorhandnen Mehrwerts gänzlich dem Blick entrückt.« (S.227f)

Der gesellschaftliche Charakter, der sich den Dingen um Produktionsprozess aufdrückt wird in einen der stofflichen Natur der Dinge entspringenden verwandelt.

·        Arbeitsmittel sind aber nicht generell fixes Kapital, sondern nur im kapitalistischen Produktionsprozess

·        Hilfsstoffe wie Dünger können fixes Kapital sein, obwohl sie keine Arbeitsmittel sind.

»Es handelt sich hier nicht um Definitionen, unter welchen die Dinge subsumiert werden. Es handelt sich um bestimmte Funktionen, welche in bestimmten Kategorien ausgedrückt werden.« (S.228)

Daraus werden dann falsche ökonomische Gesetze abgeleitet:

»Sind Lebensmittel an sich zirkulierendes Kapital - nachdem dieses verwandelt in Arbeitslohn -, so ergibt sich ferner, daß die Größe des Arbeitslohns abhängt von dem Verhältnis der Arbeiterzahl zu der gegebnen Masse des zirkulierenden Kapitals - ein beliebter ökonomischer Satz -, während in der Tat die Masse der Lebensmittel, die der Arbeiter dem Markt entzieht, und die Masse der Lebensmittel, worüber der Kapitalist zu seinem Konsum verfügt, abhängt vom Verhältnis des Mehrwerts zum Preis der Arbeit.« (S.228)