Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital

Die Physiokraten und Adam Smith

 

(1)    Quesney unterscheidet richtig zwei Arten von ›Vorschüssen‹, innerhalb des produktiven Kapitals auf Grund ihrer unterschiedlichen Weise zu zirkulieren.

Er verwechselt diese Trennung im produktiven Kapital nicht mit dem Unterschied von Kapital im Produktionsprozess und Kapital in der Zirkulationssphäre.

Als Physiokrat ist für ihn die Landwirtschaft der einzig produktive Sektor; die Unterscheidung von fixem und zirkulierendem Kapital nimmt für ihn daher die Form der Unterscheidung zwischen ursprünglichen Vorschüssen (einmalige Ausgaben für Einrichtungen) und jährlichen Vorschüssen (u.a. für die Felderbestellung) an.

(2)   Adam Smith verallgemeinert diese Kategorien zu fixem und zirkulierendem Kapital, fällt aber in der Ausführung hinter Quesney zurück.

a)       Smiths »roh empirische Art« setzt durch seinen ›empirischen‹ Ausgangspunkt eine falsche Unterscheidung an den Anfang seiner Untersuchung.

► Gerade indem die Empirie meint einen festen, unmittelbaren Ausgangspunkt als Basis zu haben, verfällt sie in einen Fehler. Der unmittelbare Ausgangspunkt ist gar nicht unmittelbar, sondern in ein Schema gepresste Realität und zudem noch falsch. Gerade die einfachsten Bestimmungen ergeben sich aus erst aus der Analyse.

b)      Angelegt werden kann das Kapital auf vielerlei Art, nämlich in den verschiedenen Zweigen der Produktion (Smith empirische Zweiteilung ist daher falsch, zumindest schlampig). Indem Smith unter all diesen Arten den Unterschied von zirkulierendem und fixem Kapital aufmachen will entfernt er sich vom Gegenstand der Untersuchung und verdeckt, dass  von diesem Unterschied nur beim produktiven Kapital die Rede sein kann.

c)       Als zirkulierendes Kapital sieht Smith Geld- und Warenkapital an. Diese Kategorien stellen aber bloß einen Abschnitt im Kreislauf des industriellen Kapitals dar. Er sieht nicht, dass das zirkulierende Kapital ein Element des industriellen Kapitals ist, das auf bestimmte Weise (denn das fixe Kapital zirkuliert auch!) zirkuliert.

Smith verwechselt »den aus der verschiedenartigen Zirkulation der verschiednen Elemente des produktiven Kapitals entspringenden Unterschied von fixem und flüssigem Kapital mit Formunterschieden, die dasselbe Kapital durchläuft, soweit es innerhalb des Produktionsprozesses als produktives Kapital fungiert, dagegen innerhalb der Zirkulationssphäre als Zirkulationskapital, d.h. als Warenkapital oder als Geldkapital.« (S.194)

(3)   Smith unterscheidet fixes und zirkulierendes Kapital nur stofflich.

Arbeitsgeräte seien fixes Kapital, weil sie niemals den Besitzer wechselten. Damit lässt sich aber die Industrie nicht angemessen beschreiben. Ein Gegenstand ist nicht fixes Kapital an sich, sondern durch die Verwendung, die er erfährt. Die beiden Arten von produktivem Kapital unterscheiden sich in der Weise, in der ihr Wert zirkuliert.

»Nehmen wir z.B. den Bergbau. Rohmaterial wird hier gar nicht verwandt, indem der Arbeitsgegenstand, z.B. das Kupfer, ein Naturprodukt ist, das durch die Arbeit erst angeeignet werden soll. Das erst anzueignende Kupfer, das Produkt des Prozesses, das später als Ware, resp. Warenkapital, zirkuliert, bildet kein Element des produktiven Kapitals. Kein Teil seines Werts ist darin ausgelegt. Andrerseits die andren Elemente des Produktionsprozesses, Arbeitskraft und Hilfsstoffe, wie Kohle, Wasser usw., gehn ebensowenig stofflich in das Produkt ein. Die Kohle wird ganz konsumiert, und nur ihr Wert geht in das Produkt ein, ganz wie ein Wertteil der Maschine etc. in das Produkt eingeht. Endlich bleibt der Arbeiter ebenso selbständig dem Produkt, dem Kupfer, gegenüber stehn, wie die Maschine. Nur der Wert, den er durch seine Arbeit produziert, ist jetzt Bestandteil des Kupferwerts. Also in diesem Beispiel wechselt kein einziger Bestandteil des produktiven Kapitals die Hände (masters <des Eigners>), oder wird keiner derselben weiter zirkuliert, weil keiner derselben stofflich in das Produkt eingeht. Wo bleibt hier also das zirkulierende Kapital? Nach A. Smiths eigner Definition bestände das ganze in einem Kupferbergwerke zur Verwendung kommende Kapital nur aus fixem Kapital.« (S.196)

Genaugenommen wechseln ihren Besitzer ‑ zirkulieren ‑, nicht die Roh- und Hilfsstoffe, denn verkauft werden erst die fertigen Produkte, in die ihr Wert eingegangen ist. der Wert ist stets in einer der Formen G, P oder W fixiert als auch zur nächstens fortschreitend und insofern zirkulierend: »Als Elemente des produktiven Kapitals sind alle seine Bestandteile beständig im Produktionsprozeß fixiert, denn er kann nicht ohne sie vorgehn. Und alle Elemente des produktiven Kapitals, fixe wie flüssige, stehn gleichmäßig als produktives Kapital dem Zirkulationskapital, d.h. dem Warenkapital und Geldkapital gegenüber.« (S.197)

(4)   Auch in Arbeitskraft ist ständig ein Kapitalteil fixiert. Die von den (identischen!) Arbeitskräften verausgabte Arbeit geht, im Gegensatz zum fixen Kapital ganz in das Produkt ein.

»Der Unterschied zwischen ihnen und den Maschinen besteht hier nicht darin, daß die Maschine ein für allemal gekauft ist (was auch nicht der Fall, wenn sie z.B. in Terminen abbezahlt wird), der Arbeiter nicht - sondern darin, daß die Arbeit, die dieser verausgabt, ganz in den Wert des Produkts eingeht, dagegen der Wert der Maschine nur bruchweis.« (S.197)

(5)   Smith verwechselt die formelle mit der körperlichen Metamorphose der Waren.

Das zirkulierende Kapital kann nach Smith nur dann Quelle von Profit sein, wenn es seine Gestalt wechselt, also Kauf und Verkauf stattfinden (dahinter stand wohl die Vorstellung vom ›geschickten‹ Handel). Dadurch wird aber kein Wert geschaffen: zwar bedarf die Kapitalverwertung der Zirkulation, jedoch nur, um immer wieder erneut lebendige Arbeit einsaugen zu können – in der Zirkulation selbst entsteht kein Wert.

(6)   Die Herkunft des Profits wird verdunkelt, weil die Gemeinsamkeit von variablem und flüssigem Kapital den Unterschied beider bezüglich des Verwertungsprozesses versteckt.

»Durch die ganz schiefe Entwicklung vom Machen des Profits durch das fixe Kapital, indem es im Produktionsprozeß bleibt; durch das zirkulierende, indem es ihn verläßt und zirkuliert wird, - wird über die Dieselbigkeit der Form, die variables Kapital und der flüssige <1. und 2. Auflage: den flüssigen; geändert nach der Druckvorlage von Engels> Bestandteil des konstanten Kapitals im Umschlag haben, der wesentliche Unterschied derselben im Verwertungsprozeß und der Bildung des Mehrwerts versteckt, also das ganze Geheimnis der kapitalistischen Produktion noch mehr verdunkelt« (S.200).

(7)   Smith unterteilt das zirkulierende Kapital in Geld, Lebensmittelvorräte, Roh- und Zwischenprodukte und fertige Produkte.

Diese Aufteilung begründet keinen Unterschied im produktiven bzw. im zirkulierenden Kapital, da im Kapitalismus alle Produkte Waren sein müssen. Außerdem entnimmt Smith die Zuordnung zum zirkulierenden Kapital aus den stofflichen Eigenschaften der Dinge, statt aus ihrer Funktion.

»In der Tat vergißt A. Smith hier in der Aufzählung der Elemente des zirkulierenden Kapitals ganz den nur in bezug auf das produktive Kapital gültigen Unterschied von fixem und flüssigem Kapital. Er stellt vielmehr Warenkapital und Geldkapital, d.h. die beiden dem Zirkulationsprozeß angehörigen Formen des Kapitals, dem produktiven Kapital gegenüber, aber auch dies nur bewußtlos.« (S.208)

(8)   Bei Smith erscheint statt der Arbeitskraft die Lebensmittel als Teil des produktiven Kapitals:

a)      Weil er das flüssige Kapital mit Warenkapital verwechselt, kann er die Arbeitskraft nirgends unterbringen. Sie ist Ware aber kein Warenkapital.

»Aber soweit die Arbeitskraft auf dem Markt zirkuliert, ist sie nicht Kapital, keine Form des Warenkapitals. Sie ist überhaupt nicht Kapital; der Arbeiter ist kein Kapitalist, obgleich er eine Ware auf den Markt bringt, nämlich seine eigne Haut. Erst sobald die Arbeitskraft verkauft, dem Produktionsprozeß einverleibt ist, - also nachdem sie aufgehört hat, als Ware zu zirkulieren, wird sie Bestandteil des produktiven Kapitals: variables Kapital als Quelle des Mehrwerts, flüssiger Bestandteil des produktiven Kapitals in bezug auf den Umschlag des in ihr ausgelegten Kapitalwerts.« (S.208)

b)     Die Erhaltung des Arbeiters gehört zwar zur Funktions des Reproduktionsprozesses des Gesamtkapitals, aber nicht zum individuellen Produktionsprozess.

c)      Die Verwirrung bei Smith, weil er (1) die Zustandsformen des Kapitals mit seinen Funktionen als fixes bzw. zirkulierendes Kapital verwechselt und so z.B. alles fixe Kapital aus einem flüssigen (der Ware!) herkommen sieht und (2) den Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital auf Natureigenschaften wie unbeweglich zu sein zurückführt.

Daher gelten bei Smith die Lebensmittel als zirkulierendes Kapital: Sie sind Warenkapital.

d)     Die Herkunft des Profits aus dem Mehrwert wird damit verdeckt.

»Der Kauf und Wiederkauf der Arbeitskraft gehört dem Zirkulationsprozeß an. Aber erst innerhalb des Produktionsprozesses verwandelt sich der in Arbeitskraft ausgelegte Wert (nicht für den Arbeiter, sondern für den Kapitalisten) aus einer bestimmten, konstanten, in eine variable Größe, und wird dadurch überhaupt erst der vorgeschoßne Wert in Kapitalwert, in Kapital, in sich verwertenden Wert verwandelt.« (S.215)

»Dadurch aber, daß wie bei Smith nicht der in Arbeitskraft ausgelegte Wert als flüssiger Bestandteil des produktiven Kapitals bestimmt wird, sondern der in den Lebensmitteln des Arbeiters ausgelegte Wert, wird das Begreifen des Unterschieds von variablem und konstantem Kapital, also das Begreifen des kapitalistischen Produktionsprozesses überhaupt, unmöglich gemacht. Die Bestimmung dieses Kapitalteils, variables Kapital zu sein im Gegensatz zu dem in gegenständlichen Produktbildnern ausgelegten konstanten Kapital, wird begraben unter der Bestimmung, daß der in Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil mit Bezug auf den Umschlag zum flüssigen Teil des produktiven Kapitals gehört. Das Begräbnis wird vollständig gemacht, indem an Stelle der Arbeitskraft die Lebensmittel des Arbeiters als Element des produktiven Kapitals aufgezählt werden.« (S.215)