Der Kreislauf des Geldkapitals

 

► Überleitung von Band I: Warum kommt jetzt die Darstellung des Kreislaufprozesses? Die Formen, die das Kapital im Kreislaufprozess annimmt, wurden in Band 1 nicht näher untersucht. Sie sind für das Verständnis des Kapitalismus aber wesentlich, weil sich das Kapital zwar im Produktionsprozess verwertet, diese Verwertung aber durch den Austausch vermittelt werden muss. Als notwendiger Bestandteil muss nun der Kreislaufprozess und seine Einflüsse auf die Kapitalverwertung untersucht werden.

 

Der Kreislauf des Kapitals besteht aus dem Produktionsprozess ‑ in dem Arbeiter mit Produktionsmitteln Waren und Mehrwert schaffen – und dem Zirkulationsprozess. In diesem Kreislauf nimmt das Kapital verschiedene Formen an: Es erscheint im Zirkulationsprozess als Warenkapital und Geldkapital und im Produktionsprozess als produktives Kapital. In jeder Form verrichtet das Kapital spezifische Funktionen.

Die verschiedenen Momente des Kreislaufprozesses werden klar, wenn man sie unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet. Marx beginnt damit, den Kapitalkreislauf als Kreislauf des Geldkapitals zu betrachten.

Der Kreislauf des Geldkapitals stellt den Kapitalkreislauf aus dem Gesichtspunkt der Selbstverwertung dar. Das Kapital ist als sich verwertender Wert mit der charakteristischen Bewegung G-W-G, kaufen um zu verkaufen ‑ in Band 1 eingeführt worden. Der Kreislauf des produktiven Kapitals stellt den unmittelbaren Produktionsprozess, in dem der Mehrwert produziert wird, in den Mittelpunkt; hier wird klar, dass der Zirkulationsprozess bloß den unmittelbaren Produktionsprozess vermittelt. Der Kreislauf des Warenkapitals ist der Oberfläche der kapitalistischen Ökonomie am nächsten und beschreibt den Kreislauf des Mehrwerts, der mit W’-G’ seine erste Formverwandlung durchmacht.

► Der Kreislauf des Geldkapitals zeigt den Kapitalkreislauf vorwiegend unter dem Gesichtspunkt des Werts, der Kreislauf des produktiven Kapitals vorwiegende nach dem Gesichtspunkt des Gebrauchswerts und der Kreislauf des Warenkapitals zeigt den Kapitalkreislauf unter dem der Ware charakteristischen widersprüchlichen Doppelcharakter.

Die Zirkulation des Geldkapitals  besteht wesentlich aus drei Stadien: G – W, P und W’ – G’. Im Vergleich zur allgemeinen Warenzirkulation, die im ersten Band dargestellt wurde, kommt hier das Stadium P neu hinzu; die beiden andren Stadien erfahren gewissen Modifikationen.

»Um die Formen rein aufzufassen, ist zunächst von allen Momenten zu abstrahieren, die mit dem Formwechsel und der Formbildung als solchen nichts zu tun haben. Daher wird hier angenommen, nicht nur, dass die Waren zu ihren Werten verkauft werden, sondern auch, dass dies unter gleichbleibenden Umständen geschieht. Es wird also auch abgesehn von den Wertveränderungen, die während des Kreislaufsprozesses eintreten können.« (S.32)

 

► Die Marxsche Abstraktion führt nicht zu Modellen:

1.       Modelle sind beliebig

2.       »abnehmende Abstraktion« ist eine Technik der Affirmation

3.       Es kommt sehr darauf an, wovon man abstrahiert.

4.       Empirische Gesetze und Prinzipien sind falsche Ausgangspunkte

5.       Die Marxsche Darstellung ist gleichzeitig Kritik

I. Erstes Stadium: G ‑ W

Das Kapital geht von seiner Form als Geldkapital in seine Form als produktives Kapital über. Dazu muss das Geldkapital erstens zum Erwerb von Arbeitskraft verwandt werden, deren Anwendung mehr Wert produziert, als nötig ist, um den Wert der Arbeitskraft zu ersetzen; und zweitens zum Erwerb von Produktionsmitteln, die hinreichen, diese Arbeitskraft einzusetzen. Das Kapital muss Arbeitskraft als Ware vorfinden; die Arbeiter dürfen daher über keine Produktionsmittel verfügen. Das Klassenverhältnis, das im Produktionsprozess reproduziert wird, muss daher im Zirkulationsprozess schon vorausgesetzt sein.

G – W war schon als Teil der allgemeinen Warenzirkulation untersucht worden. Jetzt geht es um die Eigentümlichkeiten dieser Formverwandlungen als Teil der Kapitalzirkulation.

 

(1)    Der Kapitalist kauft Waren und Arbeitskraft in einem bestimmten Verhältnis

Der erste Unterschied von der allgemeinen Warenzirkulation betrifft den Inhalt. Wie in der allgemeinen Warenzirkulation kauft der Kapitalist mit seinem Geld Waren. Er kauft mit diesem Geld aber ganz bestimmte Gebrauchswerte. Waren und Arbeitskraft findet er auf verschiedenen Märkten vor. Arbeitskraft und Produktionsmittel müssen im Produktionsprozess quantitativ aufeinander abgestimmt werden.

► Warum ist dieses Verhältnis durch die Summer der Mehrarbeit bestimmt?

Überschüssige Arbeit ist nicht verwertbar:

»…die Masse der Produktionsmittel muß hinreichen, um die Arbeitsmasse zu absorbieren, um durch sie in Produkt verwandelt zu werden. Wären nicht hinreichend Produktionsmittel vorhanden, so wäre die überschüssige Arbeit, über die der Käufer verfügt, nicht verwendbar; sein Verfügungsrecht darüber führte zu nichts. Wären mehr Produktionsmittel vorhanden als verfügbare Arbeit, so blieben sie ungesättigt mit Arbeit, würden nicht in Produkt verwandelt.« (S.33)

Der Kauf der Produktionsmittel hat einen ganz bestimmten Zweck. Der Kapitalist erwirbt für den Produktionsprozess mehr Arbeitskraft als nötig ist, um den Wert der Arbeitskraft zu ersetzen und er erwirbt die dazu nötigen Produktionsmittel.

»Der von ihm in Geldform vorgeschoßne Wert befindet sich also jetzt in einer Naturalform, worin er als Mehrwert (in Gestalt von Waren) heckender Wert verwirklicht werden kann. In andern Worten: er befindet sich in dem Zustand oder der Form von produktivem Kapital, welches die Fähigkeit hat, als Wert und Mehrwert schaffend zu fungieren.« (S.33f)

(2)    Das Geldkapital (das in Produktionsmittel umgesetzt wird) soll sich verwerten. Dabei vollzieht es Funktionen, die dem kapitalistischen Kreislaufprozess ›angemessen‹ sind.

Im Kreislaufprozess funktioniert das Geld vor allem als Kauf- und Zahlungsmittel, in der allgemeinen Warenzirkulation A – G – W als »verschwindendes Zirkulationsmittel, als bloßer Vermittler«.

► Was ist das Charakteristische am Geldkapital? Es kann nur die Funktionen des Geldes erfüllen (das heißt, dem Geld erwachsen keine neuen Fähigkeiten daraus, dass es Kapital ist). Seine Eigentümlichkeit besteht in seiner Stellung im Kreislaufprozess. (Geld != Kapital) Als Geldkapital kann das Geld aber auch nur Geldfunktionen vollziehen.

Die Bestimmungen, die jetzt entwickelt werden, erscheinen also an den Waren, am Geld nur und haben ihre Ursache im Kapitalverhältnis selbst (Fetischcharakter wird fortgeschrieben).

 

(3)    Die Ware Arbeitskraft hat einige Eigentümlichkeiten, von denen bei der Bestimmung des Kreislaufprozesses nicht abstrahiert werden darf.

a)      Kauf und Verkauf der Arbeitskraft verbinden Kapitalzirkulation und allgemeine Warenzirkulation. G – A stellt sich aus Sicht des Arbeiters dar als W – G (er verkauft seine Arbeitskraft). Das Geld »geht durch die Vollziehung dieser Zirkulation selbst in eine Funktion über, worin sein Kapitalcharakter verschwindet und sein Geldcharakter bleibt« (S34).

b)      »G ‑ A ist das charakteristische Moment der Verwandlung von Geldkapital in produktives Kapital« (S.35)

Die Ware Arbeitskraft ist zum einen für den unmittelbaren Produktionsprozess von zentraler Bedeutung. Im Kreislaufprozess ist nicht bemerkenswert, »dass die Ware Arbeitskraft käuflich ist, sondern dass die Arbeitskraft als Ware erscheint« (S.36). Denn: »Dem Geld ist es durchaus gleichgültig, in welche Sorte von Waren es verwandelt wird.« (ebd.)

► Meistens wird die Eigentümlichkeit der kapitalistischen Produktionsweise falsch angegeben: Es wird eine ins Auge springende Oberflächenerscheinung als charakteristisch angesehen und nicht die dieser zugrundeliegende Beziehungen die tatsächlich das Wesen des Kapitals ausmachen. Die angeblichen Charakteristika sind dabei nicht einmal die Erscheinungsformen eines zugrunde liegenden Widerspruchs.

Meist wird also nicht als charakteristisch angesehen, was den Austausch von Geld und Arbeitskraft inhaltlich ausmacht (dass »der Kauf der Arbeitskraft ein Kaufkontrakt ist, worin die Lieferung eines größeren Quantums Arbeit bedungen wird, als zum Ersatz des Preises der Arbeitskraft, des Arbeitslohns, nötig ist«), sondern nur die Form, dass mit Geld Arbeit gekauft wird. Was an dieser Form tatsächlich für den Kapitalismus charakteristisch ist, ist dass mit dem Arbeitslohn scheinbar Arbeit gekauft wird, die als wertbildendes Element selbst aber keinen Wert und damit keinen Preis haben kann. Meist wird als charakteristisch aber unterstellt, dass die Arbeit gekauft wird. Daran ist aber überhaupt nichts verwunderliches oder auch nur dem Kapitalismus eigentümliches. Eigentümlich ist vielmehr, dass die Arbeitskraft Ware wird.

Das bürgerliche Bewusstsein begreift also weder das Charakteristische an Inhalt, Form noch an den Voraussetzungen des Kapitals.

(4)    Voraussetzung der kapitalistischen Produktionsweise und damit auch der kapitalistischen Warenproduktion ist die Trennung der Produktionsmittel und der Besitzer der Arbeitskraft.

Dem Kapitalisten stellt sich diese Trennung als Notwendigkeit dar, Produktionsmittel und Arbeitskraft in aufeinander abgestimmten Verhältnis zu kaufen.

Für den Arbeiter stellt sich diese Trennung als Notwendigkeit dar, seine Arbeitskraft zu verkaufen. Er selbst kann mit seiner Arbeitskraft buchstäblich nichts anfangen, insbesondere sich seine Lebensmittel nicht selbst beschaffen.

»Das Klassenverhältnis zwischen Kapitalist und Lohnarbeiter ist also schon vorhanden, schon vorausgesetzt, in dem Augenblick, wo beide in dem Akt G - A (A - G von Seiten des Arbeiters) sich gegenübertreten. Es ist Kauf und Verkauf, Geldverhältnis, aber ein Kauf und Verkauf, wo der Käufer als Kapitalist und der Verkäufer als Lohnarbeiter vorausgesetzt wird, und dies Verhältnis ist damit gegeben, dass die Bedingungen zur Verwirklichung der Arbeitskraft ‑ Lebensmittel und Produktionsmittel - getrennt sind als fremdes Eigentum von dem Besitzer der Arbeitskraft.« (S.37)

(Diese Zustand wird also nicht erst von Geld geschaffen, sondern ist immer schon vorausgesetzt.)

Das Klassenverhältnis wird im Produktionsprozess nur reproduziert, weil es im Zirkulationsprozess schon existiert; Käufer und Verkäufer von Arbeitskraft treten sich in ihrem Klassenverhältnis gegenüber.

(5)    Der kapitalistische Kreislauf und die allgemeine Warenzirkulation verhalten sich also folgendermaßen: Der Kapitalismus setzt die Warenproduktion voraus; als herrschenden Charakter der Gesellschaft erzeugt der Kapitalismus die Warenproduktion aber erst (sowohl Geld als auch freie Arbeiter sind anfangs knapp).

Von der allgemeinen Warenzirkulation unterscheidet sich der kapitalistische Kreislauf vor allem wegen seines Inhalts, zu dessen Zweck er betrieben wird: des unmittelbaren Produktionsprozesses.

Charakteristisch kapitalistisch werden dabei auch die Erscheinungsformen der Kreislaufprozesse (so scheint z.B. Arbeit gekauft zu werden), nicht aber die Prozesse der Warenzirkulation selbst. Die Funktionen die das Kapital als Geldkapital verrichtet können nur aus seiner Geldform  abgeleitet werden, während der spezielle Gehalt dieser Geldfunktion aus seiner Natur als Kapital abzuleiten ist.

2.Funktionen des produktiven Kapitals

Das Kapital kann sich nur selbst verwerten, wenn die Bewegung G-W durch W-G ergänzt wird. Dafür muss der Zirkulationsprozess unterbrochen werden. Der Kapitalist ist als Warenproduzent, die Gesellschaft als warenproduzierende vorausgesetzt. Im Produktionsprozess werden Produktionsmittel und Arbeitskraft kombiniert. Im Kapitalismus ist der Produktionsprozess eine Funktion des Kapitals.

► Die Bestimmungen der allgemeinen Warenzirkulation waren recht abstrakt. (Nicht als historische Vorform der kapitalistischen Produktion; aber als solche war sie nicht Gegenstand. Untersucht in KI wurden nur die allgemeinen Bestimmungen der Warenzirkulation.) Die Elemente der Warenzirkulation erhalten nun, in der Untersuchung des Zirkulationsprozesses, eigentümliche Bestimmungen, die aus ihrer Rolle für die kapitalistische Produktion resultieren.

(1)    Der Kapitalkreislauf verlangt die produktive Konsumtion.

Anders als bei der einfachen Warenzirkulation ist die produktive Konsumtion wesentlicher Bestandteil des Kreislaufprozesses. Die Waren, die im Stadium G – W gekauft wurden, können nicht weiterzirkulieren, wenn das Kapital sich verwerten soll.

(2)    Der Käufer des Stadiums G – W muss Warenproduzent sein.

Nur dann kann ein Kreislauf zustande kommen. Er kann nur Geldbesitzer bleiben, wenn das Geld durch seine Weggabe wieder zu ihm zurückkehrt.

(3)    Lohnarbeit setzt die Existenz von Kapital und entwickelter Warenproduktion voraus.

Der Lohnarbeiter ist auf Kapitalisten angewiesen, denen er seine Arbeitskraft verkaufen kann.

Um seinen Lohn in Lebensmittel verwandeln zu können, muss er die Lebensmittel als Waren vorfinden. (Es reicht also nicht, dass überhaupt Waren existieren, wie das der Fall ist, wenn mit Gütern gehandelt wird, die den Substenzbedarf übersteigen. Die Warenproduktion muss soweit entwickelt sein, dass die Lebensmittel der Arbeiter regelmäßig als Waren produziert werden.)

»Sobald die Produktion vermittelst Lohnarbeit allgemein, muß die Warenproduktion die allgemeine Form der Produktion sein.« (S.41)

(4)    Die kapitalistische Produktion verallgemeinert die Warenproduktion »und verwandelt dann stufenweise alle Warenproduktion in kapitalistische« (S.42)

Die kapitalistische Produktion fördert die gesellschaftliche Arbeitsteilung, weil alle Arten von Produktionsmitteln und Lebensmitteln auf dem Markt vorgefunden werden müssen. Sie zerstört Reste von auf Selbstversorgung ausgerichteter Wirtschaft, indem sie den Verkauf zum Hauptinteresse macht.

(5)    Verschiedene Gesellschaftsformen unterscheiden sich in der Art und Weise, wie Arbeit und Produktionsmitteln zusammengebracht werden.

Die kapitalistische Produktion bestimmt den Inhalt der Warenproduktion. Die Formen (Geld, Ware, Produktionsmittel) sind Kapital nur aufgrund ihrer Rolle im Produktionsprozess.

Arbeitskraft ist nur Kapital, wenn sie in den Besitz des Kapitalisten gelangt ist, nie solange sie in Besitz des Arbeiters bleibt. Produktionsmittel sind produktives Kapital nur »von dem Augenblick, wo ihnen die Arbeitskraft, als persönliche Daseinsform desselben, einverleibbar geworden ist« (S42f).

► Wann wird Kapital nun zu produktivem? Sobald es in der Fabrik bereitliegt, sobald es den Zweck des Produktionsmittels hat oder erst sobald es mit lebendiger Arbeit zusammentritt? (Keine Frage, die mittels Definitionen zu klären ist. Allzu strenge Definitionen würden Details in der Arbeitsorganisation eine Rolle zuweisen, die sie nicht haben: Wann tritt ein Produktionsmittel mit der Arbeit zusammen, wenn es im Lager bereitgelegt wird, wenn es aus dem Lager geholt wird oder wenn der  ›eigentliche‹ Arbeitsprozess beginnt?)

Entscheidend sind hier die Formverwandlungen und ihre Auswirkungen auf die Kapitalverwertung, weniger wie die Formverwandlung abläuft. (Das kann auch von Interesse sein und wurde z.B. beim Geld untersucht, bei dem ja zwischen Kauf und Zahlung unterschieden wird. Die Frage gehört aber nicht hierher.) Schwierigkeiten bei der Umwandlung in produktives Kapital fallen in die Diskussion der Zirkulationskosten, Schwierigkeiten bei der Kombination von Arbeit und Produktionsmittel in die Diskussion der Produktivkraftentwicklung.

»So wenig also menschliche Arbeitskraft von Natur Kapital, sowenig sind es die Produktionsmittel. Sie erhalten diesen spezifischen gesellschaftlichen Charakter nur unter bestimmten, geschichtlich entwickelten Bedingungen, wie nur unter solchen den edlen Metallen der des Geldes, oder gar dem Geld der des Geldkapitals aufgeprägt wird.« (S.43)

3.Drittes Stadium: W’-G’

Das nun stofflich in anderer Form vorliegende und wertmäßig gewachsene Kapital muss nun aus der Warenform wieder in die Geldform umgewandelt, also verkauft, werden. Der ganze in P erzeugte Mehrwert kann nur realisiert werden, wenn auch alle produzierten Waren verkauft werden. Im Ergebnis G’ ist das Verhältnis zwischen seinen Bestandteilen noch vorhanden, verschwindet aber, sobald der Kreislauf erneut beginnt.

 

(1)    In W-G wird der Preis realisiert, der den in der Ware vergegenständlichten Wert ausdrückt.

Das Kapital muss notwendig die Form von Waren annehmen. Während Geldkapital aber gerade durch seine Bewegung G – W (kaufen um zu verkaufen) zu Kapital wurde, ist der Verkauf der produzierten Waren nichts dem Kapitalismus eigentümliches. Warenkapital ist bloß insofern Kapital, als es Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses ist. Nur deshalb ist die Warenmasse auch Warenkapital.

Das Wertverhältnis ist dem Prozess W’ – G’ nicht zu entnehmen. Nur als Teil des Gesamtprozesses lässt sich sagen, dass dabei Mehrwert realisiert wird.

(2)    Bedeutsam ist das Stadium W’ – G’ wegen seiner Auswirkung auf die Kapitalverwertung.

»Je nach dem verschiednen Grad der Geschwindigkeit, womit das Kapital seine Warenform abstößt und seine Geldform annimmt, oder je nach der Raschheit des Verkaufs, wird derselbe Kapitalwert in sehr ungleichem Grad als Produkt- und Wertbildner dienen und die Stufenleiter der Reproduktion sich ausdehnen oder verkürzen.« (S.45)

(3)    Der Kapitalist muss alle Waren verkaufen, um den ganzen Mehrwert zu realisieren. Der Mehrwert steckt also nicht in der individuellen Ware.

Im Verkauf wird nicht nur der Mehrwert, sondern auch der vorgeschossene Wert realisiert. Das ist sogar notwendig.

Die Zirkulation des Mehrwerts beginnt jetzt erst.

► Die dritte Kreislaufform (S.91ff) folgt also aus dem Ungenügen der ersten. Beide sind für den Kapitalkreislauf gleich wesentlich. Ebenso wie die zweite (S.69ff), die ja gerade die Vermittlung des unmittelbaren Produktionsprozesses zum Gegenstand hat.

(4)    In die Zirkulation treten stofflich und wertmäßig von den Produktionsmitteln verschiedene Waren ein.

Die Formverwandlungen sind die der allgemeinen Warenzirkulation. Der spezifisch kapitalistische Gehalt ist ihnen nicht anzusehen.

a)      Es ändert sich also die Gebrauchsform des Kapitalwerts. Diese Änderung ist Folge des kapitalistischen Produktionsprozesses.

b)      »Die Geldform spielt also hier doppelte Rolle; sie ist einerseits rückkehrende Form eines ursprünglich in Geld vorgeschossnen Werts, also Rückkehr zur Wertform, die den Prozeß eröffnete; sie ist andrerseits erste verwandelte Form eines Werts, der ursprünglich in Warenform in die Zirkulation tritt.« (S.48)

c)      Im Warenkapital existieren Mehrwert und Kapitalwert in derselben Warenmasse, evt. sogar in ein und derselben Ware; Mehrwert und Kapitalwert lassen sich also noch nicht trennen.

d)      Das Warenkapital ist noch als Resultat des unmittelbaren Produktionsprozesses handgreiflich, das Geldkapital G’ nicht mehr.

(5)    In G’ drückt sich das Kapitalverhältnis aus.

G’ ist nicht mehr potenzielles, hoffnungsvolles zukünftiges Kapital, sondern kapital, das sich verwertet hat.

»G erscheint nicht mehr als bloßes Geld, sondern es ist ausdrücklich als Geldkapital gesetzt, ausgedrückt als Wert, der sich verwertet hat, also auch die Eigenschaft besitzt, sich zu verwerten, mehr Wert zu hecken als er selbst hat. [...]

Aber dies ist nur ausgedrückt als Resultat, ohne die Vermittlung des Prozesses, dessen Resultat es ist.« (S.50)

(6)    G und g existieren in einer gemeinsamen Form; im Begriff des Geldkapitals ist jede Spur des Produktionsprozesses verschwunden, begrifflich herrscht also kein Unterschied. Der »begriffslose Unterschied« verschwindet, sobald das Geldkapital einen neuen Kreislauf beginnt.

Das heißt: Der Unterschied zwischen G und g ist nur in der Kapitalbewegung sichtbar, also nur zu verstehen, wenn man den Kreislauf betrachtet. An der Stelle G’ – und das ist genau die Stelle, die den bürgerlichen Ökonomen ins Auge springt, weil hier der Kapitalist mit seinen Gütern auftritt – ist das Kapitalverhältnis begrifflich nicht zu fassen.

An dieser Stelle könnte es wieder scheinen, als sei Geld = Geldkapital, weil nur der verwirklichte Wert sichtbar ist.

»Daß es dies Resultat in Geldform, als realisiertes Geldkapital ausdrückt, entspringt nicht daraus, daß es Geldform des Kapitals, Geldkapital ist, sondern umgekehrt daraus, daß es Geldkapital, Kapital in Geldform ist, daß das Kapital in dieser Form den Prozeß eröffnet hat, in Geldform vorgeschossen worden ist.« (S.52)

4.Der Gesamtkreislauf

Der Zirkulationsprozess ist durch den Produktionsprozess unterbrochen, der die beiden Einzelstadien G-W und W’-G’ vermittelt. In das zweite Stadium tritt eine andere Ware mit erhöhtem Wert; die Wertveränderung findet nur in P statt. Damit unterscheidet sich der Zirkulationsprozess des Kapitals von der einfachen Warenzirkulation. Das Kapital erscheint als Kreislauf des Geldkapitals, der durch den Produktionsprozess unterbrochen und vermittelt wird. Der Produktionsprozess erscheint als bloßes Mittel der Verwertung. Der Prozess kehr schließlich zu seinem Ausgangspunkt zurück, Geldkapital erscheint als »Geld heckendes Geld«. Das vorgeschossene Kapital erscheint als Mittel, das verwertete Kapital als Zweck.

Der Kreislaufprozess ist Einheit von Zirkulation und Produktion. Die erste Phase dient dazu, das Kapital in die Form zu bringen, in der es produktiv konsumiert werden kann; die zweite Phase dient dazu, den Kreislauf zu erneuern. Der Kreislauf des Geldkapitals legt den Akzent auf die Vermehrung der Geldvorräte, ist aber illusorisch, sobald er als die ausschließliche Form des Kapitalkreislauf genommen wird: Der Kreislauf setzt den kapitalistischen Charakter der Produktion voraus; dabei erscheint die Rückkehrbewegung zur Geldform als verschwindende: Die »Phase G - W ist … nicht vorausgesetzt, sondern wird vielmehr durch den Produktionsprozess gesetzt oder bedingt.« (S.67) Der Kreislauf des Geldkapitals verweist also gleichzeitig auf den Kreislauf des produktiven Kapitals.

 

(1)    Der Gesamtkreislauf ist die Einheit von Produktions- und Zirkulationsprozess.

Der Zirkulationsprozess muss durch P unterbrochen werden, um den Zweck der Kreislaufbewegung, die Vermehrung des Werts, zu verwirklichen. Während der Gesamtbewegung nimmt das Kapital in den verschiedenen Phasen die Formen des Warenkapitals und Geldkapitals (in der Zirkulationssphäre) und des produktiven Kapitals (in der Produktionssphäre) an.

»In jeder dieser Phasen befindet sich der Kapitalwert in verschiedner Gestalt, der eine verschiedne, spezielle Funktion entspricht. Innerhalb dieser Bewegung erhält sich nicht nur der vorgeschoßne Wert, sondern er wächst, vermehrt seine Größe. Endlich, im Schlußstadium, kehrt er zur selben Form zurück, worin er beim Ausgang des Gesamtprozesses erschien. Dieser Gesamtprozeß ist daher Kreislaufsprozeß.« (S.58)

Das industrielle Kapital (das mehrwertproduzierende Kapital; im Gegensatz zum Kaufmanns- oder zum zinstragenden Kapital) erscheint nacheinander in diesen Formen.

»Geldkapital, Warenkapital, produktives Kapital bezeichnen hier also nicht selbständige Kapitalsorten, deren Funktionen den Inhalt gleichfalls selbständiger und voneinander getrennter Geschäftszweige bilden. Sie bezeichnen hier nur besondre Funktionsformen des industriellen Kapitals, das sie alle drei nacheinander annimmt.« (S.58)

Im Gegensatz zur einfachen Warenzirkulation wird eine andere Ware verkauft, als gekauft wurde. Die allgemeinen Bestimmungen der Warenzirkulation treffen aber weiterhin zu: der Wert macht die Formverwandlungen G‑W und W‑G durch; das Geld strömt zu seinem Ausgangspunkt zurück und wird dabei vermehrt; der Wert bleibt trotz Verwandlung der Form konstant.

(2)    Kapital ist flüssig und fixiert.

Das industrielle Kapital ist in jeder seiner Formen fixiert und kann erst in die nächste Form verwandelt werden, sobald es seine spezifische Funktion erfüllt hat. Es kann immer nur in einer Form fungieren. Erfüllt es seine Funktion nicht, so gerät der Kreislauf in Stockungen und das Kapital verwertet sich nicht. Das Kapital ist im Kreislauf also sowohl fixiert, weil es nur in dieser fixierten Form seine jeweilige Funktion erfüllen kann, als auch flüssig, weil es wesentlich aus einer Form in die andere übertreten muss, um sich zu verwerten.

(3)    In manchen Industriezweigen, namentlich der Transportindustrie, wird kein neues gegenständliches Produkt erzeugt.

Marx diskutiert hier die Ausnahme von der Regel, wonach die nach dem Produktionsprozess verkaufte Ware von der gekauften Ware unterschiedlich ist. In der Transportindustrie wird die Ware stofflich nicht verändert. Vielmehr wird die Ortsveränderung selbst verkauft; der Nutzeffekt existiert hier nicht getrennt vom Produktionsprozess. Die Bestimmung des Tauschwerts ist jedoch dieselbe wie bei anderen Industriezweigen.

»Der Nutzeffekt ist nur konsumierbar während der Produktionsprozesses; er existiert nicht als ein von diesem Prozeß verschiednes Gebrauchsding, das erst nach seiner Produktion als Handelsartikel fungiert, als Ware zirkuliert. Der Tauschwert dieses Nutzeffekts ist aber bestimmt, wie der jeder andern Ware, durch den Wert der in ihm verbrauchten Produktionselemente (Arbeitskraft und Produktionsmittel) plus dem Mehrwert, den die Mehrarbeit der in der Transportindustrie beschäftigten Arbeiter geschaffen hat.« (S.60f)

Dem steht nicht entgegen, dass Marx später die Transportkosten in den Wert der Waren einschließt und sie erst als ›fertig‹ betrachtet, wenn sie auf dem Markt erscheinen. Die Transportkosten sind dabei Teil des Warenwerts, weil die Leistung der Transportindustrie produktiv konsumiert werden musste, um die Ware auf den Markt zu bringen. Der Transport selbst aber ist keine Ware, die gehandelt werden kann.

»Auch in Beziehung auf seine Konsumtion verhält sich dieser Nutzeffekt ganz wie andre Waren. Wird er individuell konsumiert, so verschwindet sein Wert mit der Konsumtion; wird er produktiv konsumiert, so daß er selbst ein Produktionsstadium der im Transport befindlichen Ware, so wird sein Wert als Zuschußwert auf die Ware selbst übertragen.«

(4)    Nur das industrielle Kapital schafft Mehrwert; die anderen Formen von Kapital (bei denen es zur Aneignung von Mehrwert kommt) sind ihm darum untergeordnet.

»Die andern Arten von Kapital, die vor ihm inmitten vergangner oder untergehender gesellschaftlicher Produktionszustände erschienen, werden ihm nicht nur untergeordnet und im Mechanismus ihrer Funktionen ihm entsprechend verändert, sondern bewegen sich nur noch auf seiner Grundlage, leben und sterben, stehen und fallen daher mit dieser ihrer Grundlage. Geldkapital und Warenkapital, soweit sie mit ihren Funktionen als Träger eigner Geschäftszweige neben dem industriellen Kapital auftreten, sind nur noch durch die gesellschaftliche Teilung der Arbeit verselbständigte und einseitig ausgebildete Existenzweisen der verschiednen Funktionsformen, die das industrielle Kapital innerhalb der Zirkulationssphäre bald annimmt, bald abstreift.« (S.61)

(5)    Der Kreislauf G…G’ ist mir der allgemeinen Warenzirkulation verknüpft.

Er ist eine selbständige Bewegung für den individuellen Kapitalisten, teilweise innerhalb, teilweise außerhalb (in P) der allgemeinen Warenzirkulation. Sie ist selbständig, also von der Warenzirkulation zu unterscheiden, insofern die Phasen G-W und W-G funktionell bestimmt sind, als Kauf von Arbeitskraft und Produktionsmitteln und als Realisierung von Mehrwert und insofern sie die produktive Konsumtion der gekauften Waren einschließt. In den »Zirkulationshälften« G-W und W-G ist das Kapital »Agens der allgemeinen Warenzirkulation« (S.62).

(6)    Die Form G-W…P…W’-G’ drückt den Zweck der Bewegung, Wert zu verwerten, in Geldform aus, also in selbstständiger Wertform. Sie drückt daher den Zweck der kapitalistischen Produktion am deutlichsten aus. Gleichzeitig erscheint die getrennte Zirkulation des Mehrwerts und die individuelle Konsumtion in dieser Form nicht.

(7)    Der Kreislauf des Geldkapitals ist die charakteristischste Erscheinungsform des Kreislaufs des industriellen Kapitals, aber auch die einseitigste. »Der Akzent liegt nicht auf der Verwertung des Werts, sondern auf der Geldform dieses Prozesses« (S.66).

(8)    Der Kreislauf der Geldkapitals verweist auf die anderen Kreislaufformen.