Lektüre zum Kapital

Marx und Engels

Die meisten dieser Texte waren von Marx nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Sie mögen Details der Kritik der politischen Ökonomie erhellen, doch mag Marx mitunter auch gute Gründe gehabt haben, seine Manuskripte wieder und wieder zu überarbeiten. Aber wir lesen ja eh mit Bedacht, nicht?

(1)    Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte (1844; MEW 40)

Früheste ökonomische Schrift, hier dominiert die Entfremdungstheorie. Interessant vor allem wegen der Programmatik: Teile davon hat Marx später bewiesen, der Zusammenhang zwischen Ökonomie und Gesellschaft ist hier aber viel breiter (dafür nur programmatisch). Andrerseits fehlt noch ganz die Vorstellung vom Kapital als dem vergesellschaftenden Moment. Enthält auch die Marxsche Kritik der Philosophie.

(2)    Engels, Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie (1844; MEW 1)

Im Gegensatz zu anderen Frühschriften von Engels, die vor allem den unmittelbaren Gegensatz von Kapitalisten und Proletariern zum Gegenstand haben, geht es hier um die begriffliche Entwicklung des Kapitals (logische und historische Entwicklung fallen hier unmittelbar in eins). Daneben eine ideologiekritische Behandlung der klassischen Ökonomen.

(3)    Marx, Lohnarbeit und Kapital (1849; MEW 6)

Artikelserie aus der Neuen Rheinischen Zeitung. Im wesentlich bloß von historischem Interesse. Marx unterscheidet noch nicht Arbeit und Arbeitskraft. Die Engels’sche Ausgabe fügt zwar die ›richtigen‹ Begriffe ein, kann aber die Ableitung des Mehrwerts aus dem Gegensatz von Wert und Gebrauchswert nicht ersetzen. Manches klingt verdächtig nach (objektiver) Arbeitswerttheorie. Die Darstellung desselben Sachverhalts im Kapital ist kürzer und verständlicher.

(4)    Marx, Grundrisse (1857/58; MEW 42)

Mit den Grundrissen fand die erste Stufe der Marxschen Arbeit an der Kritik der politischen Ökonomie ein Ende. Vom Umfang her sind in etwa die drei Bände Kapital enthalten (ohne die Kapitalformen Handelskapital, zinstragendes und Grundkapital). Die Darstellung ist einerseits sehr knapp und gerafft, andrerseits aber viel breiter als später im Kapital. Die gesellschaftliche Ausprägung der ökonomischen Kategorien (also das, was später trocken die »reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital« (23/533) heißt.) und ihr Zusammenhang nehmen hier einen viel größeren Raum ein, bleiben freilich oft programmatisch.

(5)    Marx, Kapital. Urtext (1858; MEGA II.2)

Diese Vorarbeit zum Kapital ist vor allem deswegen interessant, weil sie die in den Grundrissen angedeuteten Gedanken weiter ausarbeitet, aber noch nicht von den Anstrengungen zur Popularisierung[1] und Allgemeinverständlichkeit geprägt ist. Leider ist der erste Teil über der Wert verloren, so dass der Text mit der Diskussion über das Geld einsetzt. Sein Nutzen ist darum eher begrenzt.

(6)    Marx, Zur Kritik der politischen Ökonomie (1859; MEW 13)

Der klassische Paralleltext zum ersten Abschnitt des Kapitals. Allein schon die unterschiedlichen Formulierungen in beiden Texten erhellen manche Argumentation.. Enthält die erste Fassung der Wertformanalyse. Der innere Zusammenhang von Substanz, Größe und Form des Werts und ihrer Einheit in der Ware ist meiner Meinung besser dargestellt als im Kapital.

(7)    Marx, Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses (ca. 1864/65; MEW 43)

Dieser Text war ursprünglich als letztes Kapitel des ersten Bandes vorgesehen und behandelt zusammenfassend die drei Ergebnisse des kapitalistischen Produktionsprozesses: Waren, Mehrwert und Reproduktion des Kapitalverhältnisses. Obwohl sich der Text insbesondere zur Wiederholung nach dem ersten Band eignet, ist schon für das erste Kapitel der Abschnitt über die Waren und generell zur kapitalistischen Vergesellschaftung der Abschnitt über die Reproduktion des Kapitalverhältnisses lesenswert.

(8)    Marx, Lohn, Preis und Profit (1865; MEW 16)

Vortrag von Marx im Zentralrat der Internationalen. Wird gern als Manifest für die Gewerkschaftsarbeit genommen, das er nicht ist. Die Bemerkungen zur Lohnbewegungen sind nicht ohne Interesse, bleiben aber, trotz Länge der Darstellung recht vage. Die Wertformanalyse fehlt, weswegen auch die Ideologie des Lohns nicht erklärt werden kann und das Kapital dem Proletarier als ihm fremdes gegenübersteht.

(9)    Marx, Kapital. Erste Auflage (1867; MEGA II.5)

Hierfür gilt das gleiche wie für Zur Kritik der politischen Ökonomie. Die erste Auflage enthält Fassung zwei und drei (als Anhang) der Wertformanalyse. Unterscheidet sich von der zweiten Auflage durch einige programmatische Formulierungen zum Zusammenhang der Kategorien. Gut zur parallelen Lektüre, wenn Formulierungen im Kapital unklar sind.

(10) Engels, Konspekt zum Kapital (1868; MEW 16)

Knappe Zusammenfassung der ersten Hälfte von KI. Interessant vor allem im Kontrast zu Engels’ späteren Auffassungen. Der Konspekt beginnt mit der »Ware an sich«, wogegen Engels später den Anfang des Kapitals als historisch verstanden wissen wollte. Analyse der Wertform und des Warenfetisch kommt kaum vor.

(11)  Marx, Kapital. Zweite Auflage (1873; MEW 23)

Die Textgrundlage.

(12) Marx, Randglossen zu Adolph Wagner (1879/80; MEW 19)

Marx kritisiert falsche Auffassungen, die ihm von Adolph Wagner untergeschoben werden, darunter etliche vulgärmaterialistische (S.362f) und metaphysische Missverständnisse. Ausserdem Klarstellungen zu Wert und Ware (S.368ff).

(13) Engels, Nachtrag und Vorwort zum Kapital III (1894/95; MEW 25)

Hieraus wird die angeblich historisierende Betrachtungsweise von Engels abgeleitet. Ein ganz später Text, der schon ganz im Banne der sozialdemokratischen Geschichtsmetaphysik steht.

Texte über das Kapital

Da in den 70ern jeder Student über Marx promovieren konnte, ist die Menge an Sekundärliteratur fast uferlos. Nicht alles ist falsch, aber nur weniges erklärt etwas, das Marx nicht selbst besser erklärt hätte. Im folgenden seien darum einige Bücher und Aufsätze vorgestellt, denen es nicht (in erster Linie) um Textexegese geht, sondern um einen Beitrag zur Kritik der politischen Ökonomie. Da dies auch unser Anliegen ist – schließlich kann es uns nicht darum gehen, Bescheid zu wissen, was Marx so gedacht hat – stecken die folgenden Texte den Umfang dessen ab, was für uns Kritik der politischen Ökonomie ist.

Die meisten Texte entstammen den sogenannten Rekonstruktionsanstrengungen[2] und den Weiterentwicklungen, die sich vor allem der von Marx nur angerissenen Ideologiekritik widmen. (Damit sind nicht solche ›Weiterentwicklungen‹ zu verwechseln, deren Prämisse die Revision theoretischer Grundannahmen von Marx ist.)

Weggelassen wurden die zahlreichen erkenntnistheoretischen Texte, die aus Marx eine spezifische Methodik abdestillieren wollen, die dann – theoretisch oder praktisch – auf jeden Gegenstand anzuwenden wäre; über die Unsinnigkeit dieses Vorhabens kann man sich bei Hegel, Marx oder Adorno informieren.

Die meisten Texte sind vergriffen, können aber – bei Bedarf – kopiert werden.

(1)    Elmar Treptow, Die Entfremdungstheorie bei Karl Marx

Vorlesung 1977. Die Marxsche Theorie unter den Begriff der Entfremdung zu stellen, scheint gewagt, weil der Terminus ausschließlich in den Frühschriften vorkommt; das Problem ist hier allerdings ganz richtig aufgelöst, indem die Frühschriften im Sinne der weiter entwickelten Theorie im Marxschen Spätwerk interpretiert werden. Ob die Kritik der politischen Ökonomie mit einer Theorie der Entfremdung zusammenfällt, sei mal dahingestellt. Lesenswert ist dieses Buch allein schon deswegen, weil es den Zusammenhang der Marxschen Kategorien in dankenswerter Klarheit aufzeigt: Wie sich also die Widersprüche jeweils aufheben, aber nur, indem sie sich auf höherer Stufe reproduzieren: Ware – Geld – Kapital – Arbeitslohn – Akkumulation – Kreislauf – Reproduktion des Gesamtkapitals – Profitrate – Handelskapital – Zinskapital – Grundrente. Danach bricht die Darstellung leider ab.

(2)    Wolfgang Pohrt, Theorie des Gebrauchswerts

Untersucht, inwiefern der Gebrauchswert durch die kapitalistische Produktion selbst bestimmt wird. Verkennt ein wenig, dass der Gebrauchswert (als Moment der Ware) im Kapitalismus gar nicht verschwinden kann, die mangelhafte Nützlichkeit der Waren nicht einem Mangel an Gebrauchswert (weil die Kapitalisten bösartigerweise nichts anständiges produzieren?) entspringt, sondern unentwickelten Bedürfnissen (was aber nicht aus dem einfachen Gegensatz von Wert und Gebrauchswert abgeleitet werden kann, sondern erst aus dessen entwickelter Form, der bürgerlichen Klassengesellschaft.

Gut ist die Darstellung der Wertlehre, des darin Neuen gegenüber den ökonomischen Klassikern und ihre Bedeutung für die Mehrwerttheorie (aber obiger Fehler ist auch darin schon enthalten).

(3)    Hans-Jürgen Krahl, Konstitution und Klassenkampf

Sammelband. Lesenswert ist vor allem »Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse«, »Abstraktion und Erkenntnis« und »Produktion und Klassenkampf«

(4)    Diethard Behrens, Der kritische Gehalt der Marxschen Wertformanalyse

Darstellung der Marxschen Wertformanalyse im Kontext der klassischen Nationalökonomie. Welches Problem der Nationalökonomen löst Marx? (191 Fußnoten auf 24 Seiten.)

(5)    Kornelia Hafner, Gebrauchswertfetischismus

Kritik an den verselbständigte Vorstellungen vom Gebrauchswert, wonach dieser sei’s verschwinden, sei’s sich verdoppeln würde. Im Gegensatz z.B. zu Pohrt beharrt Hafner darauf, dass Gebrauchswert und Wert nur als Momente der Ware sinnvolle Begriffe seien und es daher Unsinn wäre, den (guten) Gebrauchswert gegen den (üblen) Wert auszuspielen. Der Gebrauchswert verschwindet nicht im Kapitalismus, vielmehr wirkt er, wie der Wert, formbestimmend.

(6)    Alfred Sohn-Rethel, Warenform und Denkform

Sohn-Rethel stellt, wenn auch noch in sehr philosophischer Form, den Zusammenhang zwischen der kapitalistischen Vergesellschaftung und der geistigen Produktion her. Die richtige Erkenntnis eines Gegenstands ist zwar stets möglich, aber eben fast nie wirklich. Die ideologischen Denkformen sind aus der Warenanalyse abzuleiten, ebenso wie die Vorstellung vom Individuum als Erkenntnissubjekt, das in seinem Bewusstsein die Gesellschaft ausgelöscht hat.

(Auch: Geistige und körperliche Arbeit, Soziologische Theorie der Erkenntnis)

(7)    Hans-Georg Backhaus, Dialektik der Wertform

Themen sind der Zusammenhang der ökonomischen Kategorien und die Rekonstruktion der marxschen Argumentation: Wie kann aus der Arbeitswertlehre das Geld abgeleitet werden? Wie hängt Arbeitswertlehre mit der Verdinglichung zusammen? Was ist das gesellschaftliche Verhältnis von Sachen? Warum lässt es sich nur als Erscheinungsform menschlicher Verhältnisse begreifen? Der Versuch, die (real) verdrehten Formen der kapitalistischen Ökonomie restlos zu rationalisieren, dürfte aber scheitern.

(8)    Moishe Postone, Time, labor, and social domination

Postone will eine neue Darstellung der von Marx entwickelten Gesetzmäßigkeiten geben, und sie nicht mehr in den Formen darstellen, in denen sie sich im 19.Jahrhundert gezeigt haben. Dabei tritt er vor allem Interpretationen entgegen, die auf einem plumpen Subjekt-Objekt-Dualismus beruhen (Klassentheorien aber auch soziologische Unterscheidungen von Struktur und Handlung). Sein Gegenstand ist nicht die Ausbeutung in der bürgerlichen Gesellschaft, sondern die bürgerliche Gesellschaft selbst. Umfangreiche Diskussionen von Wert und abstrakter Arbeit.

(9)    Nadja Rakowitz, Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie

Eine Kritik an den idealistischen Auffassungen der einfachen Warenproduktion, die Produktion und Zirkulation trennen und kapitalistische Produktion mit demokratisch-libertären Idealen versöhnen wollen. Interessant ist vor allem die ideologiekritische Diskussion der Vorstellungen über Waren, Geld und Austausch (Proudhon, Gesell, etc.)

(Man sieht dem Text an, dass er auf einer Dissertation beruht.)

(10) Helmut Brentel, Soziale Form und ökonomisches Objekt

Sehr ausführliche Diskussion, wie Marx, ausgehend von den Theorien der klassischen Nationalökonomie und des hegelschen Kritikverfahrens zu seiner Bestimmung der Formen der ökonomischen Kategorien gekommen ist (Wie er also die Frage beantwortet, die sich die klassische Nationalökonomie nie gestallt hat, warum ein bestimmter Inhalt dieses Form annimmt.)

(11)  Gerhard Bolte, Wertgesetz und Kapital. Zur geschichtlichen Tendenz der abstrakten Arbeit

Wie wird aus dem Wert das Kapital? Ein recht kurzer Aufsatz, der zeigt, dass sich das Wertgesetz historisch höchstens zufällig durchsetzt, in der Regel aber durchgesetzt werden muss durch den bürgerlichen Staat und aufrechterhalten wird im Faschismus.

(12) Helmut Reichelt, Zur logischen Struktur des Kapitalbegriffes

Ein weiterer klassischer Text zur Marxschen Methodik. Arbeitet heraus, der Titel deutet es ja auch an, wie die Begriffe der Marxschen Analyse zusammenhängen. Form und Inhalt, so die methodologische Behauptung (in Anlehnung an Hegel), können nicht getrennt werden, sondern stünden in einem »wesentlichen« Verhältnis. Wenn die Form dem Inhalt äußerlich wird, wie in der bürgerlichen Wissenschaft, dann hat das Auswirkungen auf den Inhalt einer solchen Auffassung.

(13) Henryk Grossmann, Marx, die klassische Nationalökonomie und das Problem der Dynamik

Worin besteht der Gegensatz von Wert und Gebrauchswert und warum nimmt er immer größere Dimensionen an? Ein recht alter Text (also noch vor vielen Diskussionen), der das spezifisch neue von Marx gegenüber den klassischen Nationalökonomen herausstellt. Seine dynamische Konzeption der Nationalökonomie (nicht nur begrifflich, sondern auch real, weshalb sie die reale Dynamik der Ökonomie nachzeichnen kann, im Gegensatz zur Volkswirtschaftslehre, die immer mehr oder weniger von Gleichgewichtszuständen ausgehen).

Kommentare und hilfreiche Texte

Was Marx geschrieben hat, erfährt man indem man seine Texte liest. Was Kritik der politischen Ökonomie sonst noch zu leisten hat, ist im vorigen Abschnitt aufgeführt. Die folgenden Kommentare sind nicht aufgeführt, weil sie Marx erklärten, sondern weil sie auf den Zusammenhang der Argumentation aufmerksam machen oder auf gängige Missverständnisse hinweisen.

(1)    Aspekte der  Marxschen Theorie 2. Zur Wertformanalyse

Eine Skizze der Marschen Kapitalanalyse (KI bis KIII) auf 130 Seiten. Lesenswert, weil die Autoren immer wieder auf den Zusammenhang der Marxschen Argumentation hinweisen und zeigen dass (und inwiefern!) die Wertformanalyse die weitere Darstellung auch dort bestimmt, wo sie nicht mehr ausdrücklich erwähnt wird.

(2)    Der Aufbau des Kapital 1 (Resultate 1)

Ein sehr gelungener Kommentar, der – ohne von seinem Gegenstand abzuheben – möglichst viel aus der Analyse der Kapitals herausholen will, es also nicht bei einem oberflächlichen Bescheidwissen belassen will. Viele Verweise auf andere Textstellen bei Marx. Auseinandersetzung mit Missverständnissen, die Anfang der 70er gängig waren. (Aber allein deswegen schon Übungsmaterial, den Gedankengang nachzuvollziehen, welche der Thesen nun stimmt; es reicht eben nicht, eine plausibel zu finden.)

(3)    Marx-Engels-Begriffslexikon

Das Lexikon sammelt zu den wesentlichen Begriffen der Marxschen Kritik Belegstellen in den Texten von Marx und Engels. Der Begriff wird also in ihren eigenen Worten erklärt. Daneben gibt es eine kurze Bedeutungsübersicht und Verweise auf zahlreiche weitere Belege. Die Lexikonartikel versuchen von den allgemeinsten zu den besonderen Bestimmungen des Begriffs fortzuschreiten. Das Lexikon ist ganz hilfreich, weil es sich gegen ein Bescheidwissen anhand einiger allgemeiner Floskeln (wie »Das Sein bestimmt das Bewusstsein«) sperrt.

(4)    Heinrich Brinkmann, Die Ware. Zu Fragen der Logik und Methode im ›Kapital‹

Eine recht ausführliche Analyse des ersten Kapitels. Sehr erkenntnistheoretisch und teilweise recht philosophisch.

(5)    Dieter Wolf, Die Ware

Wolf will den Widerspruch zwischen Gebrauchswert und Wert als die Triebkraft der Entwicklung der Formen des Werts und der Arbeit nachweisen. Die Widersprüche der Waren (Wert – Gebrauchswert) leiten eine Lösungsbewegung ein, die zum einfachen Verhältnis zweier Waren führt. Dieses reproduziert aber den Widerspruch, weswegen neue Lösungsbewegungen anstehen.

Eine ausführliche Besprechung der Kapitel über Ware und Geld, allerdings in oft schwerfälliger Formulierung.

(6)    Wolfgang Fritz Haug, Vorlesungen zur Einführung ins Kapital

Ein recht bekannter Text, eher orthodox-methodisch, aber sehr ›differenziert‹. Etliche der Detailanalysen sind durchaus lesenswert, wenn man auch erfahren wird, dass Marx damals schon der bürgerliches Wissenschaftler war, zu dem Wolfgang Fritz Haug in den 70ern geworden ist.



[1] Über die Arbeit am Kapital schreibt Marx 1861: »Es wird indes viel populärer und die Methode viel mehr versteckt als in Teil I.« (30/207) Der Teil I ist die 1859 veröffentlichte Schrift Zur Kritik der politischen Ökonomie, die also auch schon popularisiert war. Im Vorwort zum Kapital schreibt er dann: »Was nun näher die Analyse der Wertsubstanz und der Wertgröße betrifft, so habe ich sie möglichst popularisiert.« (23/11)

[2] Diese speisen sich aus der These, die Marxsche Darstellung wäre – sei es aus Zeitmangel, sei es wegen Popularisierungen – nicht so klar, wie sie sein könnte (so allgemein sicher richtig) und würde das, was Marx eigentlich sagen wollte, nur unklar ausdrücken. Aber Vorsicht: einen irgendwie unmittelbaren Zugang zur Marxschen Intention nehmen die Autoren nicht in Anspruch; Rekonstruiert werden kann nur, was – wenn auch verdunkelt – in den Marxschen Texten erscheint. Wenn also z.B. Backhaus behauptet, der Übergang von zweiten zum dritten Abschnitt des ersten Kapitels sei nicht einsichtig, dann heißt das nicht, dass es einen Zusammenhang nicht gäbe, noch, dass er aus der Marxschen Theorie nicht ableitbar wäre, sondern nur, dass er aus der Marschen Darstellung nur ungenügend deutlich wird. Ihr Anliegen ist daher, den Zusammenhang der Kategorien und die Totalität des Kapitals darzustellen und zu kritisieren ist daran allenfalls, dass sich manches aus den existierenden Texten nicht rekonstruieren lässt.