Der Doppelcharakter der Arbeit

(1)    Zur Herstellung eines Gebrauchswerts ist eine bestimmte produktive Tätigkeit nötig: Nützliche Arbeit.

a)     Den verschiednen Gebrauchswerten entsprechen auch verschiedene nützliche Arbeiten.

b)     Als Waren können sich nur die Produkte unterschiedlicher Arbeit gegenübertreten.[1]

Die bürgerliche Ökonomie verfällt hier in falsche Abstraktionen. Der Gebrauchswert ist in der warenproduzierenden Gesellschaft nicht ohne Bedeutung.[2]

(2)    Der Vielfalt von Gebrauchswerten entspricht eine gesellschaftliche Arbeitsteilung.[3]

Nur in einer arbeitsteiligen Gesellschaft kann die Warenproduktion herrschen; die Arbeitsteilung bedingt aber nicht Produktion von Waren.

Die Arbeitsteilung geht einher mit der Trennung von Stadt und Land.[4]

Im Kommunismus wird die Arbeitsteilung aufgehoben.[5]

Als Waren gegenüber treten sich nur die Produkte »voneinander unanhängiger Privatarbeiten«[6]

(3)    Die nützliche Arbeit vermittelt den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur. Im Gebrauchswert sind Naturstoff und Arbeit verbunden.[7]

Für den Gebrauchswert ist es ohne Belang, in welcher Form die Arbeit stattfindet. Um aber überhaupt Gebrauchswerte zu schaffen, ist in jeder Gesellschaft nützliche Arbeit nötig »um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln«.

Auch diese »nützliche Arbeit« ist eine Abstraktion, aber von ganz andrer Art als im Falle der abstrakten Arbeit.

Durch die Arbeit eignet sich der Mensch die Natur in einer für ihn brauchbaren Form an (vgl. Fußnote 13).[8]

(4)    Zur Schaffung von Warenwerten kommt es auf den nützlichen Charakter der Arbeit nicht an, sondern nur darauf, dass Arbeit geleistet wurde.

Beliebige Waren tauschen sich in bestimmten Proportionen. Als Werte sind sie von gleicher Substanz: vergegenständlichter Arbeit. Die nützliche Arbeit ist immer eine bestimmte Form, in der arbeit verausgabt wird; zur Schaffung von Wert kommt es nur darauf an, dass menschliche Arbeitskraft verausgabt wird.

(5)    Komplizierte Arbeit ist multiplizierte einfache Arbeit.[9]

Was einfache Arbeit ist, ändert sich mit der Entwicklung der Gesellschaft. Bestimmte, komplizierte Arbeiten sind einem größeren Quantum einfacher Arbeit äquivalent (Fußnote 15).[10]

»Die verschiedenen Proportionen, worin verschiedene Arbeitsarten auf einfache Arbeit als ihre Maßeinheit reduziert sind, werden durch einen gesellschaftlichen Prozess hinter dem Rücken der Produzenten festgesetzt und scheinen ihnen daher durch das Herkommen gegeben.« (S.59)

(6)    Arbeit ist nur Wertsubstanz, sofern von ihrer Qualität abstrahiert wird.

Die Gebrauchswerte haben verschiedene nützliche Eigenschaften die durch Arbeiten von je eigener Qualität geschaffen wurden. Werte sind »bloß gleichartige Arbeitsgallerten«; das ist die einzige Qualität auf die es ankommt. Es ist im Austausch egal, welche Arbeit eine Ware mit gleichem Tauschwert produziert hat.

(7)    Die Wertgröße ist rein quantitativ durch die Arbeitzeit bestimmt.

Dagegen war der Gebrauchswert nur durch die Qualität der Arbeit bestimmt.

(8)    Mit steigender Produktivkraft der Arbeit, nimmt der stoffliche Reichtum zu — der Wert der einzelnen Ware nimmt aber ab.

Die Gebrauchswerte lassen sich schlecht vergleichen, weil sich in ihrem Austauschverhältnis ja gerade der Wert ausdrückt. Der gesellschaftliche Reichtum erscheint nicht als gesellschaftliches Produkt.

Die Produktivkraft der Arbeit betrifft den Gebrauchswert. Der Wert ist davon nicht betroffen. Wie produktiv die Arbeit auch sein mag, in einem bestimmten Zeitraum wird stets der gleiche Wert geschaffen.

(9)    Konkrete und abstrakte Arbeit bilden eine Einheit.[11]

»Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwart. Alle Arbeit ist andrerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besondrer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkret nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte.« (S.61)

 



[1] Vgl.20/285; 21/110f; 23/87,102,183f.

[2] »Nur ein vir obscurus, der kein Wort des ›Kapitals‹ verstanden hat, kann schließen: Weil Marx in einer Note zur ersten Ausgabe des ›Kapitals‹ allen deutschen Professoralkohl über ›Gebrauchswert‹ im allgemeinen verwirft und Leser, die etwas über wirkliche Gebrauchswerte wissen wollen, auf ›Anleitungen zur Warenkunde‹ verweist, - daher spielt der Gebrauchswert bei ihm keine Rolle. Er spielt natürlich nicht die Rolle seines Gegenteils, des ›Wertes‹, der nichts mit ihm gemein hat, als daß ›Wert‹ im Namen ›Gebrauchswert‹ vorkommt. Er hätte ebensogut sagen können, daß der ›Tauschwert‹ bei mir beiseite gesetzt wird, weil er nur Erscheinungsform des Wertes, aber nicht der ›Wert‹ ist, da für mich der ›Wert‹ einer Ware weder ihr Gebrauchswert ist, noch ihr Tauschwert.« (19/369)

[3] Vgl. 3/377f; 7/334; 20/285; 21/110f, 170; 23/185f; 25/906f; 37/493.

[4] Vgl. 3/50.

[5] Vgl. 3/33, 74, 273, 378f, 424; 4/375ff; 19/21, 226; 20/272-277; 23/512; 26.3/269; aber: 6/187.

[6] »Wäre die Arbeit unmittelbar gesellschaftliche, d.h. gemeinsame Arbeit, so erhielten die Produkte den unmittelbar gesellschaftlichen Charakter eines Gemeinprodukts für ihre Produzenten, aber nicht den Charakter von Waren füreinander.« (Kapital, 1.Auflage, S.?) Der Gebrauchswert muss in der warenproduzierenden Gesellschaft aber durch den Austausch erst vermittelt werden. Gesellschaftliche Arbeit kann nur vergegenständlichte Form haben.

[7] Vgl. 19/15f.

[8] Vgl. 13/23f; 23/192, 198; 25/823f, 833.

[9] Vgl. 4/85; 13/19; 20/183f; 23/211ff.

[10] »In diesem ganzen Abschnitt wird vorausgesetzt, dass der Arbeitslohn stets gleich seinem Minimum ist. Die Bewegungen des Arbeitslohn selbst und das Fallen oder Steigen des Minimums gehören in die Betrachtung der Lohnarbeit.« (Brief von Marx an Engels, 2.4.1858; MEW 29/312f)

[11] Vgl. 13/23f, 37, 43; 19/370; 23/201; 32/11f.